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Myelitis

Myelitis ist eine selten auftretende Erkrankung der Nerven – genauer des zentralen Nervensystems. Sie gehört zu den neuroimmunologischen Krankheiten, bei denen sich charakteristisch das zentrale Nervensystem entzündet.

Die einzelnen Erkrankungen, wie zum Beispiel Transverse Myelitis, akute disseminierte Enzephalomyelitis (ADEM) oder die Osteomyelitis unterscheiden sich in erster Linie durch die spezielle Lage der Entzündung in Rücken- oder Knochenmark. Weiter werden die verschiedenen Arten nach Ursache, Lokalisation und Häufigkeit klassifiziert.

Was ist Myelitis?
Was sind die Ursachen von Myelitis?
Was sind die Symptome von Myelitis?
Wie erkennt der Arzt Myelitis?
Wie wird Myelitis behandelt?
Wie kann ich Myelitis vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei Myelitis?

Was ist Myelitis?

Myelitis beschreibt als unspezifischer Begriff alle Arten von Rückenmarks- und Knochenmarksentzündungen. Die Lage der Entzündung und ob sie einmal oder mehrmals auftritt, sind die Faktoren zur Unterscheidung der unterschiedlichen Typen der neurologischen Erkrankung:

  • Bei einer sogenannten Transversen Myelitis zum Beispiel ist ein ganz bestimmtes Rückenmarkssegment betroffen: der Rückenmarksquerschnitt.
  • Ein weiteres Krankheitsbild ist die zervikale Myelopathie. Hier ist eine Schädigung des Rückenmarks der Halswirbelsäule Ursache der Krankheit.
  • Bei einer disseminierten Myelitis wiederum treten die betroffenen Stellen herdförmig am Rückenmark verteilt auf. Symptome und Behandlungen ähneln sich bei der Gruppe der neurologischen Erkrankungen, die entweder isoliert als Autoimmunerkrankung oder mit bakteriellen oder viralen Infektionen im Zusammenhang erscheinen.

Myelitis ist eine eher selten auftretende Krankheit, die vor allem im Alter von 10 bis 19 und von 30 bis 49 Jahren vorkommt. Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen. Die Rückenmarksentzündung tritt auch bei Tieren auf. Vor allem Katzen und Hunde leiden relativ häufig an Myelitis, die beispielsweise vom Staupevirus verursacht werden kann.

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Was sind die Ursachen von Myelitis?

Myelitis kann singulär oder in Zusammenhang mit anderen Krankheiten auftreten. In den Fällen wo die Erkrankung alleine und ohne erkennbare Ursache auftritt, spricht man von idiopathischen Fällen. Hier scheint eine Autoimmunreaktion verantwortlich zu sein, die gegen das Rückenmark arbeitet. Die Krankheit wird in diesen Fällen als Autoimmunerkrankung angesehen. Das Immunsystem wird abnormal stimuliert, das Rückenmark angegriffen und Entzündungen und Gewebeschädigungen verursacht.

Eine transverse Myelitis entwickelt sich oft im Zusammenhang mit bakteriellen oder viralen Infektionen wie etwa bei Windpocken, Masern, Röteln, Mumps und Influenza. Dabei schädigen die Erreger das Rückenmark, indem sie dort direkt eindringen. Auch Poliomyelitis, Herpes Zoster (Gürtelrose) und HIV-Viren können eine Myelitis verursachen. Zu den bakteriellen Erregern zählen weiter Mykoplasma pneumoniae, Lyme-Borreliose, Syphilis und Tuberkulose. Auch Impfungen können zu Myelitis führen. Dann spricht man von einer postvakzinalen Myelitis, die vermehrt nach Impfungen gegen Tollwut und Typhus auftreten kann.

Eine transverse Myelitis kann in seltenen Fällen auch die Manifestation verschiedener Autoimmunerkrankungen sein, wie Multiple Sklerose, Lupus Erythematodes, Sjögren-Syndrom oder Sarkoidose.

Was sind die Symptome von Myelitis?

Die Symptome können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Vor allem die Lokalisation der Entzündung ist verantwortlich für das offensichtliche Krankheitsbild. Wichtig für die Symptomatik ist, die betroffene Ebene des Rückenmarks und in welchem Ausmaß die Nervenzellen und die Myelinrinde beschädigt sind. Das Rückenmark enthält Nervenfasern, die Informationen an das Gehirn weitergeben und Körperfunktionen steuern. Sobald das Rückenmark angegriffen wird und sich entzündet, kommt es zu Störungen dieser Informationsweitergabe und folglich körperlichen Einschränkungen.

Zu den häufigsten Symptomen von Myelitis zählen:

  • Muskelschwäche, Kribbel- oder Taubheitsgefühle vor allem in den Beinen,
  • motorische Lähmungen aller Extremitäten, die sich bis hin zu einer Querschnittlähmung weiterentwickeln können,
  • Gefühlsstörungen, Nervenfühligkeit und Überempfindlichkeit bei Kälte, Wärme und Berührung.
  • Schmerzen, die vor allem durch Nervenbahnschädigungen hervorgerufen werden,
  • spastische Lähmungen,
  • Erschöpfungs- und depressive Zustände,
  • Fehlfunktionen von Darm und Harnblase,
  • sexuelle Störungen.

Oftmals tritt eine Myelitis als Folge einer Infektion auf, die bereits hohes Fieber und Kopfschmerzen als Symptome aufwies.

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Wie erkennt der Arzt Myelitis?

Eine Anamnese und körperliche Untersuchung durch den Arzt oder Spezialisten im Krankenhaus geben meist noch keine eindeutigen Hinweise auf eine Myelitis sowie auf die Ursachen der Rückenmarksschädigung. Anhand von Aufnahmen durch eine MRT– oder MRI-Untersuchung des Rückenmarks (Kernspintomographie) kann die Myelitis und die Art der Erkrankung diagnostiziert werden. In den MRT-Aufnahmen kann man meistens die Entzündungsherde am Rückenmark erkennen.

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Falls die Kernspintomographie keine eindeutige Diagnose zulässt, wird eine Myelographie durchgeführt. Dabei handelt es sich um eine Röntgenuntersuchung, bei der ein Kontrastmittel während einer Lumbalpunktion injiziert wird. Durch eine Lumbalpunktion kann ebenfalls Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) entnommen und im Labor analysiert werden, wo Infektions- oder Entzündungsanzeichen, die auf die Krankheit hinweisen können, im Liquor gesucht werden.

Bakterielle oder virale Infektionen können eine Myelitis auslösen. (c) Colourbox

Wie wird Myelitis behandelt?

Eine erfolgreiche Myelitis-Behandlung hängt maßgeblich von der raschen Erstversorgung ab. In erster Linie werden Medikamente verschrieben, vor allem Cortison, Antibiotika oder Virostatika werden eingesetzt. Erfahrungsberichten zufolge klagen jedoch einige Patienten, dass Cortison nicht helfen würde. Etwaige Resistenzen könnten Grund hierfür sein.

Nach Abschluss der Akuttherapie mit Arzneimitteln schließt sich eine intensive Rehabilitationsphase an. Bei der Regenerationstherapie steht vor allem die Heilung der Wirbelsäulenschäden sowie die körperliche Rehabilitation im Vordergrund.

Auch Physiotherapie wird bei der Erkrankung eingesetzt, um Muskelschwäche, Spastizität und Koordinationsstörungen entgegenzuwirken. Zum Teil wird auch eine physikalische Therapie mit Wärmebehandlungen und Bädern gegen Schmerzen und motorische Einschränkungen eingesetzt. Viele Patienten leiden unter psychischen Belastungen wie Ängsten und Depressionen. Hier rät der Arzt zu zusätzlicher psychologischer Hilfe.

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Wie kann ich Myelitis vorbeugen?

Es gibt keine Vorbeugemaßnahmen per se. Vor allem wenn sie ursächlich als Autoimmunerkrankung in Erscheinung tritt, kann sich der Patient vor der neurologischen Erkrankung nicht schützen.

Einige andere Ursachen, die diese Rückenmarksentzündung ebenfalls hervorrufen können, sind bakterielle oder virale Infektionen. Hier kann man sich mit Impfungen oder gesundheitlichen Vorkehrungen bis zu einem gewissen Grad schützen oder das Risiko minimieren, an einer Infektion zu erkranken, die unter Umständen eine Rückenmarksentzündung hervorrufen könnte.

Wie sind die Heilungschancen bei Myelitis?

Die Heilungschancen lassen sich vor allem bei erster Diagnose nicht konkret vorhersagen. Sehr wichtig für den positiven Verlauf der Erkrankung ist ein frühzeitiger Therapiebeginn. In den meisten Fällen einer tritt innerhalb innerhalb von zwei bis drei Monaten eine Besserung ein.

Bei manchen Patienten kann es aber auch bis zu zwei Jahre dauern, bis sich Symptome wieder zurück entwickeln. In einigen sehr seltenen Fällen kann es passieren, dass die Therapie keine Besserung erzielt. Bei einer frühzeitig startenden Therapie erholen sich jedoch die meisten Betroffenen weitestgehend vollständig.

Zu den Spätfolgen von Myelitis zählen ein Rückfall der Rückenmarksentzündung, vor allem bei Patienten, die ebenfalls an Neuromyelitis optica oder Multipler Sklerose erkrankt sind. Ebenfalls als Spätfolge entwickelt sich in manchen Fällen eine zusätzliche Optikusneuritis. In diesem Fall empfiehlt der Arzt eine immunsuppressive Therapie, um Schüben vorzubeugen.