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Nachtblindheit – Sehprobleme im Dunkeln

Jeder kennt diesen ersten Moment der Blindheit, wenn er von einem hellen Raum in einen dunklen tritt. Erst einmal sieht man gar nichts, allmählich werden Umrisse klarer und schließlich findet man sich auch im Dunkeln gut zurecht. Nicht so jedoch Menschen mit Nachtblindheit: Ihr Sehvermögen lässt mit Einsetzen der Dämmerung zunehmend nach. Doch warum ist das so und was hilft dagegen?

Was ist Nachtblindheit?
Was sind die Ursachen von Nachtblindheit?
Was sind die Symptome?
Wie erkennt der Arzt Nachtblindheit?
Wie wird Nachtblindheit behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen?

Was ist Nachtblindheit?

Die Definition von Nachtblindheit besagt, dass bei den Betroffenen eine eingeschränkte Sehleistung besteht, die sich vor allem im Dunkeln, also nachts, äußert. Die Fachbegriffe dafür lauten Hemeralopie oder Nyktalopie. Die Augen können sich dann nicht ausreichend an die Dunkelheit anpassen.

Wenn das Tageslicht mit Beginn der Dämmerung verschwindet, finden sich die Betroffenen also weniger gut zurecht. Diese sogenannte Dunkeladaptation entsteht, weil spezielle Sinneszellen im Auge nicht mehr richtig funktionieren.

Denn in der Netzhaut befinden sich Rezeptoren, die als Stäbchen und Zapfen bezeichnet werden. Sie nehmen normalerweise den Lichtreiz auf und wandeln ihn in einen elektrischen Impuls um, der über den Sehnerv ans Gehirn weitergeleitet wird. Dabei sind die Zapfen für das Sehen am Tag, die Stäbchen für das Sehen in der Dämmerung zuständig. Fallen nun einige dieser Stäbchen aus, ist die Sicht im Dunkeln eingeschränkt. Meist sind beide Augen von der Nachtblindheit betroffen, selten tritt sie nur auf einem Auge auf.

Nachtblindheit im Straßenverkehr gefährlich

Die Anpassung an die Dunkelheit dauert normalerweise im Schnitt 30 Minuten. Dabei wird die Sicht im Dunkeln bei gesunden Augen zunehmend besser und schärfer. Bei Nachtblindheit verbessert sich die Nachtsicht jedoch schon nach fünf Minuten nicht mehr weiter.

Außerdem werden Betroffene leicht von hellen Lichtern geblendet. Die Sehbehinderung kann deshalb beim Autofahren und ganz allgemein im Straßenverkehr zu erheblichen Problemen führen und sogar gefährlich sein.

Eine Nachtblindheit kann besonders im Straßenverkehr gefährlich sein. (c) pipapur/Fotolia

Was sind die Ursachen von Nachtblindheit?

Für die Erkrankung gibt es unterschiedliche Ursachen, die einerseits erblich bedingt sind, andererseits aber auch erworben sein können.

Zu den erblich bedingten Ursachen zählen:

  • angeborene (kongeniale) stationäre Nachtblindheit: Sie besteht von Geburt an und wird auf eine Veränderung im Erbgut zurückgeführt.
  • Retinopathia pigmentosa: Hierbei handelt es sich um eine angeborene Netzhauterkrankung, bei der die Stäbchen allmählich nicht mehr funktionieren und sich zunehmend das Gesichtsfeld einschränkt. Erste Anzeichen der der Sehstörung treten oft erst bei Jugendlichen auf und verschlechtern sich zunehmend. Allein in Deutschland leiden bis zu 40.000 Menschen unter dieser Form der Nachtblindheit.
  • Morbus Oguchi: Diese Netzhauterkrankung tritt äußerst selten auf, hat jedoch auch Nachtblindheit als Symptom.
  • Fundus albipunctatus: Bei dieser ebenfalls sehr seltenen Erkrankung bilden sich helle Flecken auf der Netzhaut.

Erworbene Ursachen, die eine Nachtblindheit auslösen, sind hingegen:

  • Vitamin-A-Mangel: Oft ist ein Vitaminmangel Auslöser der Nachtblindheit. Dieser kann wiederum verschiedene Ursachen haben: eine Unterversorgung über die Nahrung oder eine gestörte Aufnahme aufgrund einer Erkrankung des Magen-Darm-Traktes, der Bauchspeicheldrüse oder der Leber. Vitamin A spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung von Rhodopsin (Sehpurpur), das in den Stäbchen für das Hell-Dunkel-Sehen benötigt wird.
  • Augenerkrankungen: Es gibt verschiedene Krankheiten, die den Sehnerv oder die Netzhaut betreffen und zu Nachtblindheit führen können, z.B. grüner Star (Glaukom).
  • Linsentrübung und Ablagerungen: Oft stecken Trübungen und Ablagerungen an der Hornhaut oder in der Linse hinter der abnehmenden Fähigkeit, nachts deutlich zu sehen. Grauer Star (Katarakt) kann beispielsweise zu Nachtblindheit führen.
  • andere Krankheiten: Manchmal tritt die Sehstörung auch als Symptom völlig anderer Krankheiten wie Diabetes mellitus auf.
  • Lasern: Nach einer Laserbehandlung kann es gelegentlich ebenfalls vorkommen, dass die Betroffenen nachts schlechter sehen als vorher.

Im Alter nimmt die Häufigkeit der Augenkrankheiten zu, weshalb ältere Menschen sich im Dunkeln oft unsicher fühlen.

> Vitamin-A-Mangel: Vorbeugen mit der richtigen Ernährung

> Grüner Star: So fahren Sie sicher Auto

> Grauer Star: Symptome frühzeitig erkennen

Was sind die Symptome?

Wie der Name schon sagt, ist das Anzeichen einer Nachtblindheit die schlechte Sicht in der Dämmerung oder Dunkelheit. Das Symptom kann bereits seit der Geburt bestehen oder sich im Lauf der Jahre entwickeln. Da Menschen mit einer angeborenen Nachtblindheit den Unterschied zu einer normalen Sehqualität im Dunkeln gar nicht kennen, wird deren Erkrankung oft gar nicht erkannt oder zumindest erst sehr spät.

Doch auch Betroffene mit einer erworbenen Form bemerken lange Zeit nichts von der Verschlechterung ihrer Sehfähigkeit. Denn die Symptome treten nicht plötzlich auf, sondern entwickeln sich schleichend.

Je nach Ursache der Erkrankung können zusätzliche Symptome auftreten:

> Kurzsichtigkeit: Wenn die Fernsicht unscharf wird

> Rätselhaftes Augenzucken: Wieso spielt das Augenlid verrückt?

Wie erkennt der Arzt Nachtblindheit?

Besteht der Verdacht auf Nachtblindheit, wird der Augenarzt in einem Gespräch nach den Beschwerden fragen und wie lange diese schon bestehen. Dann wird er einige Untersuchungen durchführen, um die Diagnose abzusichern. Ein Test, um die Nachtblindheit festzustellen, wird mit einem sogenannten Adaptometer durchgeführt. Dadurch kann der Arzt die Sehstärke und die Anpassungsfähigkeit an hell und dunkel prüfen. Mit dem Nyktometer erkennt er, ob der Betroffene neben der Nachtblindheit auch unter Lichtempfindlichkeit oder Kurzsichtigkeit leidet.

Um eine andere Krankheit der Augen auszuschließen, folgt eine Untersuchung des Augenhintergrunds und der Netzhaut. Auch die Messung des Gesichtsfeldes kann aufschlussreich sein und beispielsweise den Verdacht auf eine Retinopathia pigmentosa bestätigen.

Der Augenarzt hat mehrere Möglichkeiten eine Nachtblindheit festzustellen. (c) Colourbox

Wie wird Nachtblindheit behandelt?

Die Behandlung der Nachtblindheit richtet sich nach den Ursachen, die der Augenarzt festgestellt hat. Ist beispielsweise ein Vitaminmangel Grund für die verschlechterte Sicht bei Nacht, erfolgt eine Therapie durch die Einnahme von Vitamin A. Dadurch lässt sich die Sehfähigkeit bei Dunkelheit wieder verbessern.

Liegt eine andere Augenerkrankung vor, zielt die Therapie auf die Heilung der entsprechenden Krankheit ab. Hierfür können Medikamente oder eine Operation sinnvoll sein. Steckt Diabetes hinter der Beeinträchtigung des Sehvermögens, kann es nach Rücksprache mit dem behandelnden Augenarzt helfen, die Netzhaut zu lasern.

> Vitaminmangel erkennen und vorbeugen

Angeborene Nachtblindheit ist nicht heilbar

Die angeborene Form der Sehminderung. Eine Brille, um nachts besser zu sehen, gibt es nicht. Das Tragen einer Brille oder von Kontaktlinsen wird der Arzt jedoch verordnen, wenn er neben der Nachtblindheit auch eine Kurzsichtigkeit feststellen konnte. Gelegentlich kommt es sogar vor, dass jemand nur nachts kurzsichtig ist. Auch diese Nachtkurzsichtigkeit kann durch eine Brille behoben werden.

Wie kann ich vorbeugen?

Gegen die erbliche Nachtblindheit lässt sich leider nicht vorbeugen. Um einen Vitamin-A-Mangel zu verhindern, kann jedoch eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung helfen. Vitamin A ist beispielsweise enthalten in

  • Fleisch
  • Innereien
  • Milchprodukten
  • Eiern
  • Fisch
  • Karotten
  • Grünkohl
  • Spinat
  • getrockneten Aprikosen

Diese Nahrungsmittel sollten also unbedingt regelmäßig auf dem Speiseplan stehen, um einem Mangel vorzubeugen. Da die Vitaminversorgung in Westeuropa allgemein sehr gut ist, tritt eine Unterversorgung mit Vitamin A jedoch eher selten auf.

Wie sind die Heilungschancen?

Die erblich bedingte Form der Sehstörung kann man nicht heilen, die erworbene nur bedingt. Denn je nach Ursache kann die jeweils auslösende Krankheit behandelt werden. Im Verlauf der Therapie besteht dann die Chance, dass sich auch die Nachtblindheit wieder bessert.

Die besten Heilungschancen gibt es bei einem Vitamin-A-Mangel. Dieser kann durch Nahrungsmittel mit Vitamin A oder nach Verordnung des Arztes auch durch ein Vitamin-Präparat behoben werden.