Nahrungsmittelunverträglichkeit

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Nahrungsmittel-Unverträglichkeit

Wenn Essen zum Problem wird: Rund jeder Fünfte reagiert empfindlich auf bestimmte Nahrungsmittel oder deren Bestandteile. Diese Übersensibilität wird als Nahrungsmittelunverträglichkeit bezeichnet.

Was ist eine Nahrungsmittelunverträglichkeit?
Was ist der Unterschied zwischen einer Unverträglichkeit und einer Allergie?
Was sind die Ursachen für eine Nahrungsmittelunverträglichkeit?
Was sind die Symptome bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit?
Wie erkennt der Arzt eine Nahrungsmittelunverträglichkeit?
Wie werden Nahrungsmittelunverträglichkeiten behandelt?
Wie kann ich Nahrungsmittelunverträglichkeiten vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit?

Was ist eine Nahrungsmittelunverträglichkeit?

Nahrungsmittelunverträglichkeiten verursachen oft hartnäckige und unangenehme Symptome, für die manchmal nur schwer ein konkreter Auslöser identifiziert werden kann. Sobald jedoch der Auslöser oder der problematische Inhaltsstoff ermittelt wurde, ist die Behandlung in der Regel einfach und erfolgreich. Nahrungsmittelunverträglichkeiten treten auf, weil das Verdauungssystem nicht in der Lage ist, bestimmte Nahrungsmittel oder Nahrungsmittelbestandteile aufzuspalten oder zu verwerten.

Viele Betroffene vermuten schnell, sie leiden an einer Lebensmittelallergie. Lebensmittelallergien sind allerdings sehr selten. Nach einer neuen Studie sind etwas ein bis zwei Prozent aller erwachsenen Bundesbürger betroffen. Allergien werden durch eine Reaktion des Immunsystems ausgelöst werden und sind nicht mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit zu verwechseln.

Was ist der Unterschied zwischen einer Unverträglichkeit und einer Allergie?

  1. Beteiligung des Immunsystems: Bei einer echten Allergie ist das Immunsystem betroffen. Der Körper bildet Antikörper gegen das Allergen. Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit liegt meist ein Enzymdefekt vor.
  2. Reaktionszeit: Eine allergische Reaktion tritt in wenigen Minuten bis maximal einer Stunde auf. Eine Unverträglichkeitsreaktion kann bis zu 48 Stunden auf sich warten lassen.
  3. Alles-oder-Nichts-Prinzip: Bei einer Allergie reagiert der Körper auf kleinste Mengen. Bei einer Unverträglichkeit werden geringe Mengen meist noch vertragen. Die tolerierbare Menge ist individuell unterschiedlich und hängt oft mit der menge an produziertem Enzym zusammen.
  4. Konsequenzen: Ein anaphylaktischer Schock kann nur bei echten Allergien auftreten. Er kann unter Umständen tödlich enden. Die Konsequenzen einer Lebensmittelunverträglichkeit sind sehr unangenehm, aber nicht lebensbedrohlich.

Was sind die Ursachen für eine Nahrungsmittelunverträglichkeit?

Die Ursachen für eine Nahrungsmittelunverträglichkeit sind vielfältig. Mediziner unterscheiden toxische und nicht-toxische Unverträglichkeitsreaktionen:

Toxische Reaktionen (Lebensmittelvergiftung):
Bei einer toxischen Nahrungsmittelunverträglichkeit reagiert der Körper auf ein Gift. Zu einer toxische Reaktionen kann es kommen, wenn verdorbene Lebensmittel gegessen werden. Die Symptome bei Betroffenen reichen von leichten Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit und Erbrechen bis hin zu lebensbedrohlichen Vergiftungserscheinungen.

Nicht-toxische Reaktionen:
Der Körper reagiert empfindlich auf einen Nahrungsmittelbestandteil. Man unterscheidet zwei Gruppen – je nachdem, ob das Immunsystem an der Reaktion beteiligt ist oder nicht:

  1. Immunologisch bedingte Reaktion: Entweder entsteht die Unverträglichkeitsreaktion aufgrund einer Nahrungsmittelallergie, die vom Antikörper-Typ IgE verursacht wird, beispielsweise eine Hühnereiweiß- oder Kuhmilchallergie. Es treten jedoch auch immunologische Unverträglichkeiten ohne IgE-Beteiligung auf, wie etwa eine Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie/Sprue).
  2. Unverträglichkeiten ohne Immunsystem-Beteiligung (Intoleranzreaktion): Als mögliche Auslöser gelten Enzymdefekte (wie bei der Laktoseintoleranz) oder Transportprobleme (Fruktoseintoleranz). Es kann auch zu pseudoallergischen Reaktionen kommen, die nicht leicht von echten Nahrungsmittelallergien zu unterscheiden sind. Diese werden beispielsweise ausgelöst durch Zusatzstoffe in Lebensmitteln, einer Histaminintoleranz und dem „China-Restaurant-Syndrom“ (Überempfindlichkeit auf Glutamat). Selbst psychische Aversionen gegen bestimmte Nahrungsmittel können Beschwerden auslösen.

Was sind die Symptome einer Nahrungsmittelunverträglichkeit?

Da sich das Verdauungssystem von Mensch zu Mensch unterscheidet, ist eine Nahrungsmittelunverträglichkeit häufig eine individuelle Erkrankung. Das bedeutet, dass jeder Mensch unterschiedliche Symptome entwickelt. Folgende Beschwerden treten am häufigsten auf:

Typischerweise beginnen die Symptome ungefähr zwei Stunden nach Verzehr der auslösenden Lebensmittel. Manchmal ist es schwierig, die verantwortlichen Inhaltsstoffe zu identifizieren, so dass es sinnvoll sein kann, ein Ernährungstagebuch mit Vermerk der Symptome zu führen, um herauszufinden, welche Nahrungsmittel konkret Probleme verursachen. Ein Ernährungstagebuch wird von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung kostenfrei als PDF zum Download angeboten: Ernährungstagebuch.

Bauchschmerzen ist ein häufiges Symptom von Unverträglichkeit. (c) colourbox.de

Überblick über Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Laktoseintoleranz (Unverträglichkeit von Milchzucker)

Hierbei handelt es sich vielleicht um die häufigste Nahrungsmittelunverträglichkeit. Laktose ist eine Zuckerart, die in vielen Milcherzeugnissen enthalten ist. Laktoseintoleranz entsteht, weil der Körper nicht genug Laktase produzieren kann, ein Enzym, das Laktose aufspaltet.

Einige Menschen, die an Laktoseintoleranz leiden, können Milcherzeugnisse nicht richtig verdauen. Manchmal besteht zusätzlich eine Intoleranz gegenüber Molke oder Kasein. Das Ergebnis sind Blähungen, flüssiger Stuhlgang oder sogar Durchfall.

> Hier lesen Sie mehr über Laktoseintoleranz

Fruktoseintoleranz

Ursache für diese Unverträglichkeit ist, dass der Transport von Fructose (Fruchtzucker) durch die Darmwand gestört ist, konkret: Fruktose wird im Dünndarm nicht ausreichend aufgenommen. Dadurch gelangt Fruktose in den Dickdarm, wo sie durch die dortige Darmflora verdaut wird. Dadurch entstehen typische Magen-Darm-Probleme wie Durchfall, Blähungen oder ein Blähbauch. Außerdem verspüren Betroffene Heißhunger auf Süßigkeiten und haben ein erhöhtes Risiko, an Depressionen zu erkranken. Diese sogenannte Fruktosemalabsorption ist von der unter Umständen erblich bedingten Fruktoseintoleranz zu unterscheiden.

> Mehr Informationen zum Thema Fruktoseintoleranz finden Sie hier

Histaminintoleranz (Unverträglichkeit von Histamin)

Histamin ist eine Substanz, die im Körper viele Funktionen wahrnimmt. Sie ist zum Beispiel an der Immunabwehr beteiligt und spielt auch bei der Verdauung eine große Rolle. Bei der Histaminintoleranz  werden stark histaminhaltige Nahrungsmittel nicht vertragen, da der Körper nicht in der Lage ist, die Substanz ausreichend abzubauen. Rund ein bis drei Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen. Eine Übersicht über den Histamingehalt von Nahrungsmitteln finden Sie auf dem Portal für Nahrungsmittelunverträglichkeit.

Gluten- und Weizenintoleranz (Unverträglichkeit von Gluten und Weizen)

Gluten ist ein Gruppe von Proteinen, die in den meisten Getreidearten enthalten ist. Normalerweise wird es im Dünndarm aufgespalten und verursacht keinerlei Beschwerden. Einige Menschen haben jedoch Probleme damit, Gluten zu verdauen.

In einigen Fällen besteht lediglich eine Weizenunverträglichkeit, während andere glutenhaltige Nahrungsmittel wie Gerste oder Roggen vertragen werden. Falls dies der Fall ist, sollten durch den Verzicht auf Weizen alle Symptome verschwinden.

Eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems auf Gluten wird als Zöliakie bezeichnet. Im Gegensatz zu einer Nahrungsmittelunverträglichkeit, bei der kleine Mengen Gluten vertragen werden, müssen Zöliakie-Patienten Gluten strikt meiden, da es sonst dauerhafte Darmentzündungen auslöst.

Wie erkennt der Arzt eine Nahrungsmittelunverträglichkeit?

Nahrungsmittelunverträglichkeiten können durch medizinische Tests ermittelt werden. So kann bei Verdacht auf Milchzuckerunverträglichkeit die Laktose-Toleranz getestet werden. Auch für Darminfekte mit Bakterien oder Parasiten, die ebenfalls Nahrungsmittelunverträglichkeiten auslösen können, stehen Tests zur Verfügung.

Andere Unverträglichkeiten sind nicht so einfach zu diagnostizieren, vor allem, wenn die Intoleranzen unspezifischer Natur sind. So reicht bei einigen Betroffen die Überzeugung aus, ein Nahrungsmittel nicht zu vertragen, um Symptome wie Durchfall, Blähungen oder ein Völlegefühl zu verursachen. Für eine Abklärung bedarf es einer ausführlichen ärztlichen Anamnese, Hauttests, IgE-Bestimmungen und spezialisierte Labortests.

Eine relativ sichere und einfache Diagnosemöglichkeit ist, das entsprechende Lebensmittel oder den Stoff, den man für den Auslöser der Unverträglichkeit hält, zwei bis vier Wochen lang komplett zu meiden. Tritt eine Besserung auf, kann das verdächtige Lebensmittel in kleinen Mengen wieder auf die Speisekarte gesetzt werden, um herauszufinden, ab welcher Menge eine Unverträglichkeitsreaktion auftritt.  Weitere Belastungstests mit den entsprechenden Nahrungsbestandteilen können den Verdacht erhärten.

Alternative Verfahren wie Kinesiologie, Bioresonanz oder Elektroakupunktur sind aus Sicht der Schulmedizin nicht dafür geeignet, Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten abzuklären.

Wie werden Nahrungsmittelunverträglichkeiten behandelt?

Ist der Auslöser für die Nahrungsmittelunverträglichkeit identifiziert, sollten Betroffene diese Lebensmittel beziehungsweise ihre Bestandteile meiden oder deren Verzehr einschränken. Bei einigen Formen der Laktose- und Fruktoseunverträglichkeit reicht es, den Verzehr zeitweise einzuschränken. In den meisten Fällen ist jedoch eine lebenslange Diät einzuhalten. Bei einer Histaminintoleranz ist das nicht möglich, da Histamin eine körpereigene Substanz ist. Es gibt jedoch Medikamente, die die Reaktion auf das Histamin abmildern.

Manchmal werden Nahrungsmittelunverträglichkeiten von vorübergehenden Schädigungen des Dünndarms verursacht. Wenn dies zutrifft, können die auslösenden Nahrungsmittel wieder gegessen werden, sobald sich der Darm erholt hat.

In jedem Fall lässt sich nur mit Hilfe einer differenzierten Diagnostik abklären, ob eine Nahrungsmittelunverträglichkeit vorliegt. Auf gar keinen Fall sollte ohne Rücksprache mit einem Arzt auf Grundnahrungsmittel verzichtet werden. Es besteht die Gefahr, nicht ausreichend mit lebenswichtigen Vitaminen und Mineralstoffen versorgt zu werden.

Betroffenen rät die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten zu einer ausführlichen Ernährungsberatung, durch die sie lernen, ihren Speiseplan ausgewogen zu gestalten und die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln zu erkennen.

Wie kann ich Nahrungsmittelunverträglichkeiten vorbeugen?

Viele Lebensmittelunverträglichkeiten sind angeboren oder entstehen durch eine nachlassende Aktivität der Enzyme, wie beispielsweise Laktase. Woher später erworbenen Nahrungsmittelunverträglichkeiten kommen, ist oft nur schwer zu ermitteln.

Nahrungsmittelunverträglichkeit lassen sich  nicht hundertprozentig vorbeugen. Wichtig ist ein gesunder Lebensstil. Dazu gehören:

  • Ausgewogene Ernährung: Fertigprodukte und künstliche Zusatzstoffe meiden.
  • Viel trinken: Flüssigkeit transportiert allergene Stoffe aus dem Körper.
  • Bewegung: Wer sich bewegt, aktiviert den Stoffwechsel und somit sein Immunsystem.
  • Stress meiden: Stress stört die regulativen Prozesse der Verdauung.
  • Entzündungen beseitigen: Entzündungen begünstigen allergische Reaktionen.

Wie sind die Heilungschancen bei Nahrungsmittelunverträglichkeit?

Wer die auslösenden Nahrungsmittel von seinem Speiseplan streicht und einen gesunden Lebensstil pflegt, kann Nahrungsmittelunverträglichkeiten gezielt vermeiden. Durch vorbeugende Maßnahmen können typische Beschwerden wie Durchfall, Übelkeit, Hautreaktionen oder Kopfschmerzen verhindert werden. Die Chance, eine Nahrungsmittelunverträglichkeit komplett zu heilen, ist abhängig von der Art der Unverträglichkeit. Sie ist in einigen Fällen eher gering. Doch durch die Vermeidung der Nahrungsmittelbestandteile und eine individuelle Behandlung lässt sich die Lebensqualität Betroffener deutlich erhöhen.