Gesundheit kompakt

Osteitis/Osteomyelitis

Entzündete Knochenstrukturen verursachen Schmerzen und können die Beweglichkeit einschränken. Lesen Sie hier, was die Auslöser von Osteitis und Osteomyelitis sind, wie diese Krankheiten behandelt werden und wie die Heilungschancen aussehen.

Osteitis und Osteomyelitis – was ist das?
Was sind die Ursachen einer Osteitis bzw. Osteomyelitis?
Was sind die Symptome einer Osteitis bzw. Osteomyelitis?
Wie erkennt der Arzt eine Osteitis bzw. Osteomyelitis?
Wie werden Osteitis und Osteomyelitis behandelt?
Wie kann ich einer Osteitis bzw. Osteomyelitis vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei Osteitis bzw. Osteomyelitis?

Osteitis und Osteomyelitis – was ist das?

Unter einer Osteitis, manchmal auch Ostitis geschrieben, versteht man laut Definition eine entzündliche Erkrankung des Knochens. Betroffen ist hierbei meist die äußere, harte Knochensubstanz. Von einer Osteomyelitis spricht man dagegen, wenn das Knochenmark entzündet ist. Da aber bei einer Osteomyelitis in der Regel nicht nur das Knochenmark, sondern darüber hinaus weitere Knochenbestandteile bis hin zur Knochenhaut entzündet sind, wird immer öfter auch in diesem Fall der Begriff Osteitis verwendet. In der Praxis tritt die Unterscheidung zwischen Osteitis und Osteomyelitis immer mehr in den Hintergrund. Viele Mediziner benutzen die beiden Fachausdrücke als Synonyme, also als Wörter mit gleicher Bedeutung.

Ausgelöst wird die Knochenentzündung fast immer durch Bakterien. Liegt der Infektionsherd innerhalb des Körpers, gelangen die Keime über die Blutbahn in den Knochen. Man spricht dann von einer endogenen Osteomyelitis. Von dieser Form der Erkrankung sind vorwiegend Kinder und Jugendliche betroffen. Bei einer exogenen Osteomyelitis dringen die Erreger von außen in den Körper ein, etwa während einer Operation oder durch eine Unfallwunde.

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Der Verlauf der Entzündung kann akut oder chronisch sein: In etwa 10 bis 30 Prozent der Fälle entwickelt sich aus einer akuten Osteitis eine chronische. Einen Sonderfall stellt die seltene nicht-bakterielle Osteitis dar, bei der kein auslösender Keim festgestellt werden kann. Sie wird heute dem rheumatischen Formenkreis zugeordnet.

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Was sind die Ursachen einer Osteitis bzw. Osteomyelitis?

Hinter einer Entzündung des Knochenmarks bzw. des gesamten Knochens steckt im Regelfall eine Bakterieninfektion. Schuld sind meist Staphylokokken, aber auch Streptokokken, Pneumokokken, Salmonellen sowie der Tuberkulose- und der Syphilis-Erreger können eine Osteitis hervorrufen. In seltenen Fällen lösen Viren oder Pilze die Knochenentzündung aus.

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Bei einer endogenen Osteomyelitis befinden sich die Erreger bereits im Körper und wandern über den Blutstrom in den Knochen. Man spricht daher auch von einer hämatogenen, das heißt „durch das Blut verschleppten“ Osteomyelitis. Die ursächliche Infektion kann zum Beispiel eine Mandelentzündung, eine Nasennebenhöhlenentzündung oder eine Entzündung im Bereich des Kiefers oder eines Zahns sein. So kann sich zum Beispiel als Folge einer Zahnextraktion, einer Weisheitszahn-OP, einer Implantation oder einer Wurzelbehandlung eine Entzündung des Kieferknochens bilden.

Dringt der Krankheitsauslöser von außen in den Körper ein, liegt eine exogene Osteomyelitis vor. Dies kann zum Beispiel während einer Operation oder durch einen Unfall geschehen. Man nennt diese Form der Erkrankung auch posttraumatische Osteitis. Die Knochenentzündung breitet sich dann in unmittelbarer Nähe zum verletzten Gewebe aus. Das höchste Risiko für eine derartige Infektion besteht bei einer offenen Fraktur, die mit Platten und Nägeln gestützt werden muss. Aber auch infolge von Operationen an Gelenken wie Hüfte und Knie kann sich eine Knochenentzündung entwickeln.

Bei einer Osteitis erkrankt der Knochen. (c) kritchanut/Fotolia

Was sind die Symptome einer Osteitis bzw. Osteomyelitis?

Eine akute Knochenmark- bzw. Knochenentzündung äußert sich zunächst durch Müdigkeit, Unwohlsein und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Kurz darauf entwickeln die Patienten hohes Fieber und es tritt Schüttelfrost auf. Erst dann kommen Gelenk- und Gliederschmerzen dazu, die betroffene Region wie zum Beispiel das Schlüsselbein, die Schulter, das Schambein, das Becken oder der Fuß reagieren auf Druck oder Beklopfen empfindlich. Die Haut über dem entzündeten Knochen ist gerötet und erwärmt. Schwellungen und der Austritt von Eiter sind möglich.

Bei der chronischen Form der Osteitis bzw. der Osteomyelitis sind die Symptome ähnlich, halten aber deutlich länger an. Von einer chronischen Knochenentzündung spricht man, wenn die Beschwerden sechs Wochen oder länger bestehen. Die Schmerzen sind dann vor allem nachts zu spüren.

Darüber hinaus können sich röhrenartige Verbindungen zwischen dem entzündeten Knochen und einem anderen Organ bilden – die sogenannten Fisteln. Typisch für eine chronische Osteitis sind längere beschwerdefreie Intervalle, die sich mit einem erneuten Krankheitsschub abwechseln können.

Wie erkennt der Arzt eine Osteitis bzw. Osteomyelitis?

Welcher Arzt ist zuständig, wenn Sie bei sich eine Knochenentzündung vermuten? Die erste Anlaufstelle ist Ihr Hausarzt. Sie können aber auch einen Knochenspezialisten, einen Osteologen, aufsuchen. Um seine Diagnose zu stellen, wird der Arzt Sie zunächst zu Ihrer Krankengeschichte und Ihren Beschwerden befragen.

Berichten Sie Ihrem Arzt von einer vorangegangenen Infektion wie einer Zahn- oder Mandelentzündung, einer kürzlich durchgeführten Operation oder einer erlittenen Verletzung, kann dies einen ersten wichtigen Hinweis für eine Osteitis oder eine Osteomyelitis liefern. Anschließend wird der Mediziner die schmerzenden Stellen abtasten und dabei auf etwaige Rötungen und Schwellungen achten.

Mittels Blutanalyse werden Ihre Blutwerte bestimmt. Eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen, eine beschleunigte Blutsenkungsgeschwindigkeit und andere Laborwerte deuten auf eine Entzündung im Körper hin. Verschiedene Verfahren der Bildgebung, etwa eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT), machen die entzündlichen Veränderungen der Knochensubstanz sichtbar. Eine Röntgen-Untersuchung ist ebenfalls möglich, allerdings erst in einem späteren Krankheitsstadium. Darüber hinaus können im Rahmen der Diagnostik ein Ultraschall oder eine Skelettszintigraphie angeordnet werden.

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Mediziner achten bei der Untersuchung auf schmerzende Stellen. (c) Colourbox

Wie werden Osteitis und Osteomyelitis behandelt?

Wie sieht eine schnelle Hilfe bei Osteitis bzw. Osteomyelitis aus? Da einige Bakterien gegen bestimmte Antibiotika resistent sind, wird vor Beginn der Behandlung anhand eines Wundabstrichs oder durch eine Gewebeprobe festgestellt, welcher Erreger die Knochenentzündung auslöst. Abhängig vom Ergebnis dieser Untersuchung wird entschieden, welches Antibiotikum zur Bekämpfung eingesetzt wird. Die Medikamente können intravenös oder oral verabreicht werden. Außerdem muss die betroffene Körperpartie, also zum Beispiel die Hand, der Finger oder der Zeh, ruhig gehalten werden.

Ist der Knochen bereits stark geschädigt oder bringt die Behandlung mit Antibiotika keine schnelle Besserung, wird die medikamentöse durch eine chirurgische Therapie ergänzt. Dabei wird während einer Operation das betroffene Gewebe entfernt und durch gesunde Knochensubstanz aus dem körpereigenen Skelett oder durch künstliche Implantate ersetzt.

Bereits vorhandene Fremdkörper wie Platten oder Nägel werden entfernt, da sie ein Infektionsrisiko darstellen und die Heilung verzögern oder gänzlich verhindern können. Schlimmstenfalls droht eine Amputation des betroffenen Körperteils.

Wie kann ich einer Osteitis bzw. Osteomyelitis vorbeugen?

Einer Entzündung des Knochens oder des Knochenmarks kann man nur bedingt vorbeugen. Um das Risiko einer exogenen Osteomyelitis zu senken, die durch das Eindringen von Keimen ausgelöst wird, werden bei Operationen am Knochen häufig vorsorglich Antibiotika verordnet. Außerdem ist hygienisches Arbeiten während der OP oberstes Gebot.

Eine potenzielle endogene Osteomyelitis kann vermieden werden, wenn bakterielle Infekte konsequent behandelt werden – insbesondere dann, wenn Sie ein schwaches Immunsystem haben. Gegebenenfalls muss das anfällige Gewebe entfernt werden, beispielsweise die Mandeln oder Polypen. Bei Kindern sollten Knochen- und Gelenkbeschwerden immer ernst genommen und sofort behandelt werden.

Darüber hinaus gibt es einige Risikofaktoren, die die Entstehung einer Osteitis oder einer Osteomyelitis begünstigen können. Dazu zählen eine schlechte Durchblutung, Leber- und Nierenschwäche, Nikotin-, Alkohol- oder Drogenkonsum, Mangelernährung und Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus oder Arteriosklerose. Eine gesunde Lebensweise und die fortwährende Behandlung von chronischen Krankheiten können deshalb dazu beitragen, Knochenentzündungen vorzubeugen.

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Wie sind die Heilungschancen bei Osteitis bzw. Osteomyelitis?

Ob und wie schnell eine Osteitis bzw. eine Osteomyelitis abheilt, hängt von mehreren Faktoren ab – unter anderem davon, welcher Erreger die Entzündung verursacht, wie alt der Patient ist und wie stark sein Immunsystem ist. Grundsätzlich gilt aber: Je schneller mit der Therapie begonnen wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Bei der akuten Form der Knochenmark- oder Knochenentzündung ist die Prognose meist gut, sodass keine bleibenden Schäden zurückbleiben. Betroffene Kinder haben ebenfalls gute Aussichten auf eine vollständige Genesung.

Eine chronische Knochenentzündung ist schwerer zu behandeln, da der Knochen bereits stärker verändert ist. Die Entzündung kann sich ausbreiten, sodass der Knochen instabil und weniger beweglich wird. Greift die Entzündung auf ein Gelenk über, drohen eine Versteifung und eine Verkürzung der betroffenen Gliedmaße wie Arm oder Bein.