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Panikattacken

Eine Panikattacke ist ein plötzlich auftretender Angstanfall, der ohne offensichtliche Ursache auftritt. Betroffene überkommt von einer Minute auf die andere ein Gefühl der Panik, sie fühlen sich hilflos und ausgeliefert. Normalerweise klingt dieser Zustand nach 15 bis 30 Minuten wieder ab, doch für den Betroffenen bleibt die Angst vor neuen Attacken zurück. Was steckt hinter den Anfällen und wie können sie verhindert werden?

Was sind Panikattacken?
Was sind die Ursachen für Panikattacken?
Was sind die Symptome bei Panikattacken?
Wann sollte ich zum Arzt gehen?
Wie werden Panikattacken behandelt?
Wie kann ich Panikattacken stoppen?
Wie sind die Heilungschancen bei Panikattacken?

Was sind Panikattacken?

Auftreten können diese Attacken überall, beispielsweise beim Busfahren, in einer Menschenmenge, in geschlossenen Räumen ohne Fenster, auf einer Rolltreppe oder beim Überqueren einer Brücke.

Panikattacken sind relativ häufig. Es wird davon ausgegangen, dass 5 % der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens eine Panikattacke erleiden. Andere Untersuchungen weisen darauf hin, dass bis zu 20 % der Erwachsenen anfällig für Panikattacken sind.

Obwohl Panikattacken willkürlich und ohne offensichtliche Ursache auftreten können, haben sie normalerweise einen konkreten Auslöser, beispielsweise großen Stress oder schlechte Nachrichten. Menschen mit einer erhöhten Anfälligkeit für Panikattacken neigen zu Ängsten, innerer Unruhe, gedrückter Stimmung oder Depressionen.

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Durch die Angst vor einer neuen Attacke kann es vorkommen, dass Betroffene zukünftig ähnliche Situationen vermeiden. Diese Vermeidungsstrategie kann die komplette Lebensführung negativ beeinträchtigen.

Im Gegensatz zu einer einmaligen Panikattacke spricht man von einer Panikstörung, wenn die Panikattacken mehrmals im Monat auftreten.

Was sind die Ursachen für Panikattacken?

Bei der Ursachenerforschung tappen die Mediziner noch im Dunklen. Als gesichert gilt, dass genetische Faktoren bei den Attacken eine Rolle spielen. Ärzte gehen davon aus, dass ein gestörter Botenstoffwechsel im Gehirn Panikattacken begünstigt. Panikattacken betreffen eher junge Menschen ab Mitte 20 sowie Personen, die großem Stress ausgesetzt sind, etwa aufgrund von Krankheiten, Todesfällen in der Familie, Partnerkonflikten, Prüfungsstress oder einem Berufswechsel.

> Stress – die Ursachen

Menschen, die viel grübeln, oder Personen, die mit Stress weniger gut umgehen können als andere, sind mit einer größeren Wahrscheinlichkeit von Panikattacken betroffen. Bei einigen kann das, was für andere ein „normales“ stressiges Ereignis ist, zu einer Panikattacke führen – etwa direkt vor einer Prüfung oder einem Bewerbungsgespräch.

Allerdings führt nicht nur negativer Stress zu Panikattacken. Auch extreme Begeisterung kann zu einer Panikattacke führen. Außerdem können Substanzen wie Alkohol, Koffein, Nikotin oder Medikamente Panikattacken fördern.

Panikattacke

Eine Panikattacke verändert oft auch die Wahrnehmung. / Jürgen Fälchle / Fotolia

Was sind die Symptome bei Panikattacken?

Bei Panikattacken verspüren Sie Furcht und Angst. Die Gefühle können ohne Vorwarnung und ohne offensichtliche Auslöser oder Ursachen auftreten.

Eine Panikattacke muss mindestens vier der aufgeführten Symptome umfassen, davon eines der ersten vier Symptome.

  1. Herzrasen, Herzklopfen oder beschleunigter Herzschlag
  2. Schweißausbrüche
  3. fein- oder grobmotorisches Zittern
  4. Mundtrockenheit
  5. Gefühl der Kurzatmigkeit oder Atemnot
  6. Erstickungsgefühle
  7. Schmerzen oder Beklemmungsgefühle in der Brust
  8. Übelkeit oder Magen-Darm-Beschwerden
  9. Schwindel, Unsicherheit, Benommenheit oder der Ohnmacht nahe sein
  10. Derealisation (Gefühl der Unwirklichkeit) oder Depersonalisation (sich losgelöst fühlen)
  11. Angst vor Kontrollverlust oder verrückt zu werden
  12. Angst zu sterben
  13. Parästhesien (Taubheiten oder Kribbelgefühle)
  14. Hitzewallungen oder Kälteschauer

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Die meisten Menschen, die eine Panikattacke erleben, stellen fest, dass es sich dabei entweder um eine einzige oder um wenige vereinzelte Episoden handelt, die sich nicht wiederholen. Wenn bei Ihnen regelmäßig oder ständig Panikattacken auftreten, sollten Sie sich professionelle Hilfe holen.

Notieren Sie sich vor dem Gespräch mit dem Arzt, in welchem Umfeld und sonstigem Kontext bei Ihnen die Panikattacke aufgetreten ist und welche Auslöser sie vermuten.

Bitte suchen Sie auch einen Arzt auf, wenn Sie folgende Ereignisse beobachten:

  • Sie leiden an länger anhaltenden Angstattacken.
  • Sie haben ständig Herzklopfen oder einen unregelmäßigen Herzrhythmus.
  • Sie sind häufig kurzatmig, besonders beim Sport oder im Bett.
  • Sie hegen Suizidgedanken oder leiden an Depressionen.
  • Sie leiden an starken Angstgefühlen oder regelmäßigen Panikattacken.

Wie werden Panikattacken behandelt?

Es gibt eine Reihe von Schritten, die Sie selbst ergreifen können, um weitere Panikattacken vorzubeugen.

  • Verringern Sie Ihren Koffeinkonsum (beachten Sie, dass sowohl Kaffee als auch Tee Koffein enthalten!), da Koffein die Symptome verstärkt.
  • Treiben Sie mehr Sport.
  • Lernen Sie, sich nachhaltiger zu entspannen.
  • Wenden Sie Stressbewältigungstechniken an.
  • Ziehen Sie in Betracht, eine Beratung, die Unterstützung von Selbsthilfegruppen oder eine Psychotherapie in Anspruch zu nehmen.
  • Verwenden Sie pflanzliche Arzneimittel, die beruhigen, wie beispielsweise Baldrian.

Liegt eine Panikstörung vor, wird der Arzt Ihnen Medikamente (Antidepressiva) verschreiben, um die akuten Beschwerden einzudämmen. Mit Hilfe einer kognitiven Verhaltenstherapie können Sie lernen, Ihre Ängste in den Griff zu bekommen.

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Wie kann ich Panikattacken stoppen?

Wenn Sie zu Panikattacken neigen, versuchen Sie am besten, die Panikattacke zu stoppen, bevor sie sich richtig entwickelt und die Symptome außer Kontrolle geraten.

Die Anfangsphasen einer Panikattacke sind normalerweise nicht so extrem und Sie haben zu diesem Zeitpunkt in der Regel noch alles unter Kontrolle. Atmen Sie tief durch und versuchen Sie, ruhig zu denken. Durch das tiefe Einatmen sorgen Sie für das richtige Gleichgewicht zwischen Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid in Ihrem Körper und beugen Symptomen wie Kribbeln oder Muskelkrämpfen vor. Das ruhige Denken signalisiert Ihrem Körper, dass es keinen Grund gibt, auf eine spezifische Situation so extrem zu reagieren. Dadurch können Sie die Entwicklung der Panikattacke häufig bremsen.

Manchen Menschen helfen Entspannungstechniken wie die progressive Muskelentspannung, um in einer Angstsituation wieder zur Ruhe zu finden.

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Wie sind die Heilungschancen bei Panikattacken?

Eine Panikattacke geht meist von alleine vorbei. Und auch für Panikstörungen gilt: Keine Angst vor der Angst! Sie sind heilbar. Laut einer Studie von 2009 wurden Betroffene durch einer spezielle Psychotherapie innerhalb von kurzer Zeit zu 90 Prozent erfolgreich geheilt. Ganz wichtig ist es, sich zeitnah ärztliche Unterstützung zu suchen, da eine Störung meist nicht von alleine verschwindet.