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Rosacea

Rosige Bäckchen gelten als schön. Treten sie im Übermaß auf, ist das Gegenteil der Fall. Wer nach dem Sport, einem Saunabesuch oder Gläschen Wein unter aufflammenden Rötungen im Gesicht leidet, sollte einen Hautarzt konsultieren. Vielleicht steckt die chronische Hautkrankheit Rosacea dahinter – ein in erster Linie optisches Problem, das sich inzwischen gut kontrollieren lässt.

Was ist Rosacea?
Was sind die Ursachen von Rosacea?
Welche Symptome zeigen sich bei Rosacea?
Welche Folgen kann Rosacea haben?
Wie erkennt der Arzt die Erkrankung?
Wie lässt sich Rosacea behandeln?
Wie wird die Problemhaut gepflegt?

Wenn das Gesicht blüht: Rötungen, Knötchen und Pusteln sind Anzeichen für Rosacea (auch Rosazea geschrieben). Sie ist die häufigste Hauterkrankung im Erwachsenenalter. Die schlechte Nachricht: Sie ist nicht heilbar. Die gute: Heute lässt sich die Entzündung im Gesicht erfolgreich behandeln. Das wohl Wichtigste dabei ist, die Auslöser der Rötungen zu kennen – und zu vermeiden.

Schmerzen im eigentlichen Sinn bereitet Rosacea nicht. Das Problem der in Schüben verlaufenden Entzündung liegt in ihrer Sichtbarkeit. Wenngleich es keinen ursächlichen Zusammenhang gibt, sind die äußerlichen Anzeichen der einer Akne ganz ähnlich. Ebenso vergleichbar sind die psychischen Belastungen, die mit dem veränderten Erscheinungsbild einhergehen. Im Gegensatz zu Akne ist Rosacea weitaus weniger bekannt und nach wie vor ein Krankheitsbild mit vielen Fragezeichen.

> Mehr Informationen zum Thema Akne finden Sie hier

Das große Problem für die Patienten: Sie tragen ihre Erkrankung mitten im Gesicht

Für die Patienten besonders schlimm: Sie tragen ihre Erkrankung mitten im Gesicht

Was ist Rosacea?

Die Entzündung der Gesichtshaut trägt viele Namen: Kupferrose oder Kupferfinne, im Volksmund ist oft von Rosenblütchen oder Gesichtsrose die Rede. Namen, die auf das Hauptsymptom der Krankheit anspielen: stark gerötete und leicht reizbare Partien mitten im Gesicht, auf der Stirn, Nase, dem Kinn oder den Wangen.

„Fluch der Kelten“ ist eine weitere Bezeichnung für Rosacea, weil helle Hauttypen wesentlich häufiger betroffen sind. Schätzungen zufolge leiden in Deutschland zwischen 4 bis 6 Prozent der Erwachsenen unter der chronisch-entzündlichen Hauterkrankung. Meist zeigt sie sich ab dem 30. Lebensjahr, wobei Vorstufen schon früher zu beobachten sind. Bleiben sie unbehandelt, werden die Krankheitszeichen zwischen 40 und 50 Jahren erheblich intensiver. Frauen erkranken wesentlich häufiger, bei Männern ist der Verlauf dafür schwerer.

Was sind die Ursachen von Rosacea?

Die Frage, was Rosacea auslöst, konnte noch nicht abschließend geklärt werden. Es gibt verschiedene Theorien und Ansätze, die in der Annahme übereinstimmen, dass mehrere Faktoren zusammenspielen.

Mediziner vermuten hinter Rosacea eine anlagebedingte Störung des Immunsystems, die in eine Überreaktion der körpereigenen Abwehrzellen mündet. Die Folge sind unspezifische Entzündungen, die in Schüben auftreten. Unter anderem betreffen sie die Talgdrüsen und Lymphgefäße. Das führt zum einen zu Pusteln, zum anderen zu Rötungen. Daneben scheinen auch bestimmte Milbenarten und eine Überreaktion des Nervensystems bei der Entstehung der Krankheit eine Rolle zu spielen.

Als erwiesen gilt, dass sich einige äußere Faktoren negativ auf den Verlauf der Entzündung auswirken und Schübe auslösen. Zu solchen Triggern zählen:

  • UV-Strahlung (Sonnenbäder oder Solarium),
  • stark gewürzte oder scharfe Speisen,
  • Alkohol und Kaffee,
  • emotionaler Stress,
  • abrupter Temperaturwechsel (Sauna),
  • fetthaltige Kosmetika und
  • körperliche Anstrengung (Sport)

Welche Symptome zeigen sich bei Rosacea?

Die Vorboten der Rosacea sind plötzliche Rötungen (Fachbegriff: Erytheme) – vornehmlich zentral im Gesicht, seltener auch auf Dekolleté, Hals, Brust oder Rücken. Medizinisch wird dieses spontane Erröten „Flush“ genannt. Solche Schübe treten anfänglich nur vorübergehend auf – als Reaktion auf oben genannte Auslöser. Weil sie vorerst wieder verschwinden und auch nicht wehtun, werden sie erst spät als Symptom einer Erkrankung wahrgenommen.

Im weiteren Verlauf verändern sich die Gefäße dauerhaft: Die feinen Äderchen der Gesichtshaut sind erweitert (Fachbegriff: Teleangiektasien), übermäßig vermehrt und darum als permanente Rötung sichtbar. Es kommt zu Knötchen (Papeln) und Pusteln. In schweren Fällen kann die Haut auch verdicken – bis hin zur Bildung einer sogenannten Knollennase (Rhinophym).

Mediziner unterteilen den Verlauf der Rosacea ihrer Schwere nach in verschiedene Stadien mit unterschiedlichen Krankheitszeichen. Dennoch schreitet die Krankheit nicht in jedem Fall linear fort, sondern zeigt sich bei jedem anders. Bei manchen Patienten bleibt die Erkrankung ein Leben lang im leichten Grad stecken, bei anderen überspringt sie von vornherein mehrere Stadien.

Schweregrad I: Das Gesicht glüht

Der medizinische Fachbegriff für dieses Stadium lautet Rosacea erythematosa-teleangiectatica. Es ist auch unter dem Namen Couperose bekannt.

Die Merkmale sind:

  • länger anhaltende oder sogar dauerhafte Rötungen
  • vermehrt sichtbare Teleangiektasien: Erweiterungen der feinen Kapillargefäße – häufig auf der Nase
  • trockene, juckende, schuppende und gelegentlich auch brennende Haut

> Wenn das Gesicht glüht: Couperose

Schweregrad II: Die Entzündung schreitet fort

Der medizinische Fachbegriff für dieses Stadium lautet Rosacea papulopustulosa. Zu diesem Zeitpunkt wird Rosacea oft mit Akne verwechselt.

Die Merkmale sind:

  • permanente Rötungen
  • Pusteln, Papeln (Knötchen) und Schwellungen
  • gereizte, gespannte und mitunter juckende Haut

Schweregrad III: Extreme Fälle

Der medizinische Fachbegriff für dieses Stadium lautet Glandulär-hyperplastische Rosacea.

Merkmale sind:

  • weitere entzündliche Veränderungen
  • vergrößerte Talgdrüsen
  • es kommt zu Wucherungen der Haut, sogenannte Phyme (fast ausschließlich bei Männern), oft an der Nase, seltener sind Ohren, Kinn oder Augenlider betroffen

Welche Folgen kann die Erkrankung haben?

Eine extreme Folge sind Gewebewucherungen, die sich nur chirurgisch entfernen lassen. Außerdem kann die Entzündung auf Augen und Augenlider übergreifen. Das ist bei etwa 30 bis 50 Prozent der Patienten der Fall.

Hinweise darauf sind trockene, brennende und tränende Augen, Sehstörungen sowie ein geröteter Lidrand. Die Symptome treten oft auch unabhängig von den für Rosacea typischen Krankheitszeichen auf. Bleibende Schäden der Hornhaut, in schweren Fällen auch Erblindung, können die Folge sein. Patienten sollten bei den kleinsten Anzeichen einen Augenarzt hinzuziehen.

Wie erkennt der Arzt Rosacea?

Der Fachmann für Hauterkrankungen ist der Dermatologe. Um Rosacea zu diagnostizieren, genügt ihm in aller Regel ein Blick auf die betroffenen Partien („Blickdiagnose“). Spezielle Untersuchungen sind darum nur selten nötig.

Im Zweifelsfall hat der Hautarzt die Möglichkeit, Gewebeproben zu entnehmen und diese unter dem Mikroskop zu analysieren. Die sogenannte Biopsie kann sinnvoll sein, um andere (ähnliche) Hautkrankheiten auszuschließen.

Wie lässt sich Rosacea behandeln?

Weil die Entzündung vor allem ein kosmetisches Problem darstellt, geht es in erster Linie darum, das Hautbild der Patienten zu verbessern und Entzündungsschübe zu vermeiden. Von heute auf morgen ist das nicht möglich. Es braucht viel Geduld und noch mehr Disziplin, bis die Röte weitestgehend aus den Gesicht weicht.

Durch die Umstellung einiger Lebensgewohnheiten, kann der Patient einen erheblichen Teil zur Besserung beitragen. Auch wenn die aktive Zusammenarbeit mit dem Arzt in den meisten Fällen erfolgreich ist, müssen Betroffene wissen: Ganz verschwinden wird Rosacea nie.

Wirkstoffhaltige, verschreibungspflichtige Lotionen können die Symptome lindern

Wirkstoffhaltige, verschreibungspflichtige Lotionen können die Symptome lindern

Medikamentöse Behandlung: Dem Dermatologen stehen mehrere Medikamente zur äußeren und inneren Anwendung zur Wahl. Lotionen, Cremes und Gele mit verschiedenen entzündungshemmenden Wirkstoffen – gängige sind Metronidazol, Erythromycin und Azelainsäure – lindern die Symptome. Bei schweren Fällen reicht Eincremen nicht aus. Hier kann der Hautarzt zusätzlich niedrig dosierte Antibiotika verschreiben.

Achtung! Kortison und Rosacea vertragen sich nicht. Kortisonhaltige Salben sind rezeptfrei erhältlich und erscheinen auf den ersten Blick ähnlich wirkungsvoll wie bei Akne. Vom Gebrauch ist aber dringend abzuraten. Auch wenn Kortison-Präparate kurzfristig helfen, können sie Rosacea-Haut letztlich sogar verschlimmern.

Laser-Therapie: Lichtenergie wird mittels Farbstoff- oder Diodenlaser durch die Haut gebracht und verödet die Blutgefäße oder verkleinert die Talgdrüsen. Die geweiteten Äderchen um die Nase und auf der Wange verschwinden, das Hautbild wird feiner. Auch Phyme, die Wucherungen der Haut, können mithilfe eines Lasers abgetragen werden.

Eine Sitzung dauert etwa 15 Minuten, in der Regel sind mindestens zwei erforderlich. Die sehr guten optischen Ergebnisse, die mit dem Laser erzielt werden, haben aber ihren Preis. Bei kosmetischen Problemen übernehmen gesetzliche Krankenkassen die Kosten im Normalfall nicht.

Chirurgische Eingriffe: In schweren Rosacea-Fällen, bei denen es zu Verwachsungen kommt, kann das veränderte Gewebe abgefräst und die ursprüngliche Form zum Beispiel der Nase wiederhergestellt werden.

Wie wird die Problemhaut gepflegt?

Rosacea-Haut braucht besonders sanfte Pflege. Alle Produkte sollten frei von Seife, Alkohol, Fett sowie Duft- und Konservierungsstoffen sein. Mechanische Peelings und heftiges Trockenrubbeln mit dem Handtuch fördern die Durchblutung, reizen die empfindliche Haut und sind darum tabu. Milde Peelings mit Fruchtsäure oder Enzymen sind die richtige Wahl. Das Gesicht sollte stets mit lauwarmem Wasser gewaschen und mit leichten, wasserhaltigen Cremes gepflegt werden. Ein UV-Schutz ist Pflicht, wenn es mit Rosacea in die Sonne geht.

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Auslöser vermeiden: Wichtig ist, sich mit der empfindlichen Haut zu arrangieren und Schüben vorzubeugen. Das bedeutet: individuelle Auslöser kennen und meiden. Sonne, scharfe Gerichte, Saunagänge oder ein Gläschen Rotwein am Abend können die Symptome zum Beispiel verstärken. Was die eigene Haut sonst noch zum „Blühen“ bringt, kann nur der Patient selbst herausfinden. Viele Betroffene legen ein Tagebuch an, in dem Schübe und mutmaßliche Trigger verzeichnet werden. So lernen sie, ihre Haut und ihre Reaktionen langfristig richtig einzuschätzen.

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