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Scheinschwangerschaft

Eine Scheinschwangerschaft wird in der Fachsprache auch Pseudocyesis, Graviditas imaginata und Pseudogravidität genannt. Zu einer Scheinschwangerschaft kommt es in den meisten Fällen durch eine psychische Beeinträchtigung, die als Wunschneurose oder Angstneurose bezeichnet werden kann. Manchmal ist sie aber auch Folge eines hormonellen Ungleichgewichts.

Was ist eine Scheinschwangerschaft?
Was sind die Ursachen einer Scheinschwangerschaft?
Was sind die Symptome einer Scheinschwangerschaft?
Wie erkennt der Arzt eine Scheinschwangerschaft?
Wie wird eine Scheinschwangerschaft behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen?

In seltenen Fällen stehen hinter einer Scheinschwangerschaft andere Krankheitsbilder, wie etwa Fetteinlagerungen, Blähungen, Aszites oder Fibrome. Die Symptome gleichen oft den typischen Schwangerschaftssymptomen, beispielsweise Ausbleiben der Menstruation, Erbrechen, Übelkeit, geschwollene Brüste, Bauchwachstum und selten auch eine Vergrößerung des Uterus. Vor allem Frauen im fortgeschrittenen Alter mit unerfülltem Kinderwunsch sind betroffen.

Was ist eine Scheinschwangerschaft?

Frauen leiden unter einer Scheinschwangerschaft, wenn die Psyche ihnen vorspielt, schwanger zu sein. Alle Symptome ähneln einer normalen Schwangerschaft, aber der Schwangerschaftstest mit Morgenurin bleibt negativ und auch im Blut lässt sich das Schwangerschaftshormon HCG nicht nachweisen. Neben psychischen Ursachen können auch hormonelle Veränderungen oder Krankheiten Auslöser sein.

Im Tierreich ist das Phänomen weit verbreitet. In diesem Fall spricht man auch von Scheinträchtigkeit. Vor allem weibliche Hunde und Katzen können einige Wochen nach der Läufigkeit und auch regelmäßig scheinschwanger werden. Dies äußert sich durch das Anschwellen der Milchdrüsen und eine einsetzende Milchproduktion. Manchmal zeigt sich auch eine Veränderung im Verhalten der Tiere.

Vor allem scheinträchtige Hündinnen benehmen sich, als ob sie Welpen geworfen hätten, bauen ein Nest oder behandeln Spielzeug wie ihre Jungen. Eine Scheinschwangerschaft bei Hunden wird oft mit homöopathischen Globuli behandelt.

Was sind die Ursachen einer Scheinschwangerschaft?

Als Hauptursache kann eine psychosomatische Störung genannt werden. In manchen Fällen ist der Kinderwunsch bei Frauen so groß, dass ihr Körper mit Schwangerschaftssymptomen reagiert. Neben einer Wunschneurose kann aber auch eine Angstneurose die Ursache sein. Im Falle von Neurosen spielt das Gehirn dem Körper einen falschen Zustand vor. Der Körper wird dadurch anregt, mehr Östrogen und Gestagen zu produzieren – wie im Falle einer normalen Schwangerschaft auch.

Auch kann ein erhöhter Prolaktinwert Ursache für das Aussetzen der Menstruation sein. Prolaktin sorgt zusammen mit anderen Hormonen für die Milchproduktion in der Brustdrüse bei Müttern nach der Geburt. Ein erhöhter Prolaktinwert kann aber auch andere Gründe haben, wie zum Beispiel ein gutartiger Tumor an der Hypophyse, der die Hormonproduktion aus dem Gleichgewicht bringen kann.

Zu den weiteren Gründen zählen frühere Fehl- oder Totgeburten. Vielleicht wurden diese von der Frau noch nicht ausreichend verarbeitet und der Körper reagiert mit einer Scheinschwangerschaft auf die psychischen Probleme. Hier wird klar, wie stark sich psychische Aspekte auf den Körper auswirken können.

Neben seelischen Ursachen können auch medizinische Gründe vorliegen. So kann etwa eine Zyste am Eierstock die monatliche Periode aussetzen lassen. Auch hormonelle Veränderungen im Körper der Frau führen manchmal zu einer Überproduktion der Schwangerschaftshormone Östrogen und Gestagen. Zu anderen Krankheitsbildern, die als Schwangerschaft interpretiert werden können, zählen Fetteinlagerungen, Blähungen oder gutartige Geschwulste.

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Was sind die Symptome einer Scheinschwangerschaft?

Obwohl die Scheinschwangerschaft eine “eingebildete” Schwangerschaft ist, entwickeln die betroffenen Frauen Symptome, die sich mit einer tatsächlichen Schwangerschaft vergleichen lassen.

Zu diesen Symptomen zählen: das Ausbleiben der Periode, Übelkeit und Erbrechen, geschwollene, gespannte Brüste und vergrößerte Brustwarzen, Ziehen im Unterleib, Rückenschmerzen und Bauchwachstum. In seltenen Fällen kommt es sogar zur Produktion von Milch. Die Vorstellungskraft der Frauen geht sogar so weit, dass Kindsbewegungen oder Wehen gespürt werden können.

Scheinschwangere verhalten sich wie wirklich schwangere Frauen, freuen sich auf ihr vermeintliches Baby und projizieren ihre Wünsche, Ängste oder andere seelischen Zustände auf die eingebildete Schwangerschaft. Eine Scheinschwangerschaft, die auf andere Ursachen, wie etwa eine Zyste an der Gebärmutter, zurückzuführen ist, wird oft sehr viel früher als fälschliche Schwangerschaft entdeckt.

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Wie erkennt der Arzt eine Scheinschwangerschaft?

Frauen fällt es oft schwer, ihre Scheinschwangerschaft selbst zu erkennen. Auch für ihre Umwelt scheinen sie wirklich schwanger zu sein, vor allem wenn der Bauch tatsächlich rund wird.

Bereits mit einem Schwangerschaftstest lässt sich jedoch Klarheit schaffen. In manchen Fällen kann der Test jedoch fälschlicherweise positiv ausfallen. Das passiert aber sehr selten und liegt meist an einer fehlerhaften Handhabung des Tests.

Gewissheit, ob nun tatsächlich eine Schwangerschaft vorliegt, kann letztlich nur ein Gynäkologe geben. Mit einem Ultraschall lässt sich schnell überprüfen, ob sich eine befruchtete Eizelle im Uterus erfolgreich eingenistet hat oder nicht. In manchen Fällen wird dabei auch eine Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaft diagnostiziert. Die Folge ist dann leider ein Schwangerschaftsabbruch.

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Eine junge Frau hat Bauchschmerzen.

Zysten im Unterleib können zum Ausbleiben der Periode führen. (c) Rosalie P. / Fotolia

Wie wird eine Scheinschwangerschaft behandelt?

Selbst nach einem negativen Urin- oder Bluttest sowie einer Ultraschalluntersuchung durch den Arzt, fällt es manchen Frauen schwer, die Diagnose Scheinschwangerschaft zu akzeptieren. Normalerweise regelt sich jedoch nach der Diagnose der Hormonhaushalt von alleine wieder.

Eine regelmäßige Kontrolle durch den Frauenarzt bleibt jedoch unabdingbar. Anhand von Blutuntersuchungen werden die Hormonproduktion und der Zyklus der Frau weiter beobachtet, bis alles wieder im Gleichgewicht ist. Falls andere Krankheitsbilder wie eine Zyste oder gutartige Geschwulste die Ursache sind, müssen diese in manchen Fällen medikamentös weiterbehandelt oder operativ entfernt werden.

Darüber hinaus sollten betroffene Frauen psychologische Hilfe in Anspruch nehmen, wenn eine Neurose die Ursache war. Auch brauchen Paare oft eine Betreuung oder (Familien-/Paar-)Therapie nach der Diagnose, um die Tatsache zu verarbeiten, dass sie nun doch nicht Eltern werden. Eine begleitende Therapie ist vor allem dann nötig, wenn die Scheinschwangerschaft aufgrund einer nicht verarbeiteten Tot- oder Fehlgeburt eingetreten ist.

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Wie kann ich vorbeugen?

Da meistens eine psychosomatische Störung zugrunde liegt, kann man diesem Krankheitsbild nicht wirklich vorbeugen. Falls man durch eine frühere Tot- oder Fehlgeburt psychische Probleme erlitten hat oder durch einen jahrelangen Kinderwunsch bereits psychische Auswirkungen spürt, ist es ratsam, sich bewusst mit dem Phänomen Scheinschwangerschaft auseinanderzusetzen.

Wenn man für diese Thematik bereits etwas sensibilisiert wurde, erkennt man vielleicht schneller selbst, wenn eine Scheinschwangerschaft eintritt. Auf jeden Fall ist man sich des Risikos bewusster, dass eine Scheinschwangerschaft einsetzen könnte. Regelmäßige Gespräche mit dem Frauenarzt können ebenfalls helfen, eine gewisse Anfälligkeit zu erkennen und vielleicht durch Aufklärung vorzubeugen.

Auch Kontrolluntersuchungen beim Gynäkologen gehören dazu, um mögliche Krankheitsbilder, wie etwa eine Zyste, frühzeitig zu diagnostizieren.

Wie sind die Heilungschancen?

Oftmals reichen die fachärztliche Diagnose oder der negative Schwangerschaftstest bereits aus, um den Hormonhaushalt der betroffenen Frauen wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Doch manchmal liegen die Ursachen und Probleme tiefer im Unterbewusstsein der Frauen. Falls eine Psychotherapie nötig wird, sind die langfristigen Heilungschancen sehr individuell. Probleme wie ein unerfüllter Kinderwunsch oder Ängste vor einer Schwangerschaft müssen individuell therapiert werden.

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Liegen die Ursachen einer Scheinschwangerschaft etwa an einer Eierstockzyste, so sind die Heilungschancen der Scheinschwangerschaft abhängig vom Erfolg der Zystenbehandlung.