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Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Eine Schilddrüsenüberfunktion ist auch unter dem medizinischen Fachbegriff Hyperthyreose bekannt. In diesem Falle produziert das Organ mehr Hormone als der Körper benötigt, es kommt zu einer Überversorgung des Körpers mit den Hormonen Thyroxin und Trijodthyronin. Die Hauptursachen sind Morbus Basedow oder eine Schilddrüsenautonomie.

Was ist eine Schilddrüsenüberfunktion?
Was sind die Ursachen einer Schilddrüsenüberfunktion?
Was sind die Symptome?
Wie erkennt der Arzt eine Schilddrüsenüberfunktion?
Wie wird eine Schilddrüsenüberfunktion behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen?

Was ist eine Schilddrüsenüberfunktion?

Bei einer Überfunktion der Schilddrüse kann es durch eine Vergrößerung der Drüse zur Bildung eines Kropfs (Struma) am Hals kommen. Im Notfall ist eine Operation nötig, wenn beispielsweise die Schilddrüse auf die Luftröhre drückt. Die Anzeichen einer Schilddrüsenüberfunktion sind jedoch nicht einheitlich, aufgrund der zahlreichen, unterschiedlichen Aufgaben, die die Schilddrüsenhormone im Körper übernehmen.

Die schmetterlingsförmige Schilddrüse befindet sich unterhalb des Kehlkopfs und schmiegt sich an die Luftröhre. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion liegt eine Funktionsstörung der Hormondrüse vor. Aus Eiweiß und Jod produziert die Schilddrüse die lebenswichtigen Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Bei einer Überfunktion wird zu viel von diesen beiden Hormonen produziert, die auf den Stoffwechsel, Kreislauf, Wachstum und auf die Psyche des menschlichen Körpers Einfluss haben. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.

Was sind die Ursachen einer Schilddrüsenüberfunktion?

Im medizinischen Sinne ist die Schilddrüsenüberfunktion keine eigenständige Erkrankung, sondern eher ein Symptom für verschiedene andere Erkrankungen. Die häufigsten Ursachen für eine Hyperthyreose sind: die Basedow-Krankheit (auch genannt Morbus Basedow, basedowsche Krankheit oder Immunhyperthyreose) sowie die Schilddrüsenautonomie.

Morbus Basedow ist eine sogenannte Autoimmunerkrankung. Bei dieser Art der Erkrankung richtet sich das Immunsystem gegen körpereigenes Gewebe. Es werden Antikörper gebildet, die fälschlicherweise die Hormonproduktion in der Schilddrüse überstimulieren. Ursachen für Morbus Basedow können erbliche Veranlagung, Virusinfektionen und äußere Faktoren wie Umwelteinflüsse sein.

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Oft entsteht die Hyperthyreose auch infolge einer Schilddrüsenautonomie. Eine funktionelle Autonomie heißt in diesem Fall, dass die Schilddrüse unabhängig funktioniert und nicht mehr von den übergeordneten Zentren im Gehirn kontrolliert wird. Bei der Schilddrüsenautonomie wird die Hormonproduktion also nicht mehr wie sonst üblich von Hypothalamus und Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gesteuert, sondern bildet selbständig Hormone. Ursache für die Schilddrüsenautonomie ist oft ein Jodmangel, der durch eine vergrößerte Schilddrüse als Vorwölbung im Halsbereich erkennbar wird (Jodmangelstruma/Kropf).

Schilddrüsenerkrankungen treten auch vermehrt im Verlauf von Schwangerschaften auf, da sich der Hormonhaushalt im Körper verändert und mehr Schilddrüsenhormone produziert werden. 2-4% aller Schwangeren leiden unter einer latenten Hyperthyreose während ihrer Schwangerschaft.

Zu den seltenen Ursachen einer Schilddrüsenüberfunktion zählen: Schilddrüsenentzündung, Schilddrüsenkrebs, ein hormonbildender Tumor der Hirnanhangsdrüse oder die Einnahme von Medikamenten, die erhöhte Jod Mengen vorweisen.

Was sind die Symptome?

Die Symptome sind vielfältig, da die Schilddrüsenhormone unterschiedliche Aufgaben im Körper übernehmen. Durch die Überversorgung mit den Hormonen wird der Stoffwechsel allgemein beschleunigt. Typische Symptome für eine Schilddrüsenüberfunktion sind: Gewichtsabnahme trotz ausreichender Nahrungszufuhr, Haarausfall, vermehrtes Schwitzen und unangenehme Wärmeempfindlichkeit.

Haarausfall

Haarausfall ist ein typisches Symptom von Schilddrüsenünberfunktion. (c) nuzza11 / Fotolia

Die Erkrankung wirkt sich oft auch auf das zentrale Nervensystem aus. Symptome sind dann: Nervosität, innere Unruhe, Zittern, Müdigkeit, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Konzentrationsstörungen, Muskelschmerzen und Muskelschwäche.

Weitere Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion können sein: Durchfall, weibliche Zyklusstörungen oder Vergrößerung der Schilddrüse. Die Vergrößerung der Schilddrüse nennt man Struma (Kropf) und unterscheidet dabei in Struma diffusa (gleichmäßig vergrößerte Schilddrüse) und in Struma nodosa (vergrößerte Schilddrüse mit bereits vorhandenen Knoten). Auch können Veränderungen an den Augen als Symptom für Schilddrüsenüberfunktion aufgeführt werden. So kommt es bei Morbus Basedow manchmal zur Erkrankung der Augenhöhlen und zu typisch hervortretenden Augäpfeln.

Wie erkennt der Arzt eine Schilddrüsenüberfunktion?

Zur Diagnose kommt der behandelnde Arzt sehr schnell durch das Erkennen der körperlichen Beschwerden und Anzeichen des Patienten. Eine Vergrößerung der Schilddrüse lässt sich bereits durch Abtasten des Halses feststellen.

Mit weiteren Untersuchungen kann der Verdacht auf Schilddrüsenüberfunktion bestätigt werden und die Ursachenforschung starten. Mit einem Bluttest werden die Werte der Schilddrüsenhormone festgestellt. Bei einer Hyperthyreose sind die Werte der beiden Schilddrüsenhormone Thyroxin und Trijodthyronin typischerweise immer erhöht und gleichzeitig der Wert des schilddrüsenstimulierenden Hormons (thyreoideastimulierendes Hormon, TSH) erniedrigt. Eine Erkrankung mit Morbus Basedow kann mit einer Ultraschalluntersuchung festgestellt werden oder anhand der sogenannten Merseburger Trias, den drei typischen Symptomen: hervortretende Augäpfel, vergrößerte Schilddrüse und Herzrasen. Um eine Schilddrüsenautonomie zu diagnostizieren, ist eine Szintigraphie hilfreich. Dabei wird eine radioaktiv markierte Substanz gespritzt, um das erkrankte Schilddrüsengewebe besser eingrenzen zu können.

Wie wird eine Schilddrüsenüberfunktion behandelt?

Die Behandlung einer Hyperthyreose zielt in erster Linie auf die Linderung der Symptome und Beschwerden durch Hemmung der Schilddrüsenfunktion. Gegen eine Überfunktion der Schilddrüse können Medikamente, eine Operation oder Therapie mit radioaktivem Jod helfen.

Eine Schilddrüsenüberfunktion wird im ersten Schritt mit Medikamenten behandelt. Hierzu wird die Einnahme von Thyreostatika verschrieben, sogenannte “Schilddrüsenblocker”. Seit einiger Zeit weiß man, dass Schilddrüsenhormone in Kombination mit calciumreichen Lebensmitteln wie Milch und Käse erschwert vom Körper aufgenommen werden können. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion werden Milchprodukte also nicht generell verboten, sondern nur davon abgeraten Medikamente gegen Hyperthyreose gleichzeitig mit calciumhaltigen Nahrungsmitteln einzunehmen. Im Regelfall hat sich der Hormonhaushalt nach der Einnahme von Thyreostatika in 12-18 Monaten wieder normalisiert.

Manchmal wird die Therapie mit einer Radiojodtherapie oder einer Operation abgeschlossen – vor allem bei einer schwer verlaufenden Hyperthyreose. Bei der weiteren Behandlung mit radioaktivem Jod werden Schilddrüsenzellen, deren Hormonstoffwechsel gesteigert ist, zerstört. Die Erfolgsrate ist relativ hoch. Jedoch kommt es in manchen Fällen im Anschluss zu einer Schilddrüsenunterfunktion, die auch noch Jahre nach der Behandlung auftreten kann. Eine Operation wird nötig, wenn die Schilddrüse zu stark vergrößert ist und womöglich auf die Luftröhre drückt oder der Verdacht auf einen bösartigen Tumor besteht. Eine Operation am Hals ist riskant und die spätere Einnahme von Schilddrüsenhormonen und Jodid dennoch erforderlich.

Als pflanzliches Medikament bei Schilddrüsenüberfunktion wird häufiger Wolfstrapp (Lycopus europaeus) empfohlen. Das aus dem europäischen Lippenblütler hergestellte Pulver oder Extrakt, hat eine hemmende Wirkung bei Schilddrüsenüberfunktion. Das pflanzliche Thyreostatika hat jedoch noch weitere Auswirkungen auf den Hormonhaushalt. So werden bei Einnahme auch andere Hormonwerte wie Gonadotropin und Prolaktin gesenkt.

Eine Behandlung ohne Medikamente muss unbedingt mit dem Arzt besprochen werden und ist in den seltensten Fällen ratsam. Jedoch kann man die Hyperthyreose ganzheitlich behandeln und dazu gehören neben schulmedizinischer Behandlung eine nährstoffreiche Ernährung, ausreichend Bewegung und Entspannung.

Wie kann ich vorbeugen?

Im Falle einer Schilddrüsenüberfunktion, die als Symptom von anderen Erkrankungen auftritt, kann man selbst wenig zur Vorbeugung unternehmen. Eine Hyperthyreose entsteht aber auch durch äußere Faktoren, die man durchaus begrenzen oder vermeiden kann. So kann eine Hyperthyreose zum Beispiel durch Überdosierung von Schilddrüsenhormonen oder Anwendung jodhaltiger Substanzen (wie z.B. Medikamente oder Röntgenkontrastmittel) entstehen. Diese sollten nur in der vorgeschriebenen Dosis eingenommen und verabreicht werden. Vor der Einnahme von jodhaltigen Substanzen sollten daher auch immer die Schilddrüsenwerte geprüft werden.

Auch die Ernährung spielt bei einer Hyperthyreose eine große Rolle. So sollte man trotz einer Schilddrüsenüberfunktion auf eine ausreichende Jodzufuhr durch Meeresfische oder jodiertem Speisesalz achten. Vorsicht ist bei einem übermäßigen Verzehr von Meeresalgen geboten, weil der Jodgehalt von Algen stark schwankt und sehr hoch sein kann. Weiter sollte man den Stoffwechsel bei einer Schilddrüsenüberfunktion nicht zusätzlich mit Alkohol und Koffein anregen.

Wie sind die Heilungschancen?

Die Erkrankung sollte in der Regel im ersten Schritt medikamentös und immer unter Aufsicht eines Arztes behandelt werden. Mögliche Folgen einer Schilddrüsenüberfunktion bei Nichtbehandlung sind langfristige Schäden an Herz und Kreislauf. Die Überproduktion an Schilddrüsenhormonen belastet viele Bereiche des Körpers. Neben Herz und Kreislauf werden auch Magen und Darm, Nerven und Muskeln sowie die Persönlichkeit, Psyche, Sexualität und Fruchtbarkeit beeinträchtigt.

Bei Morbus Basedow sind die Heilungschancen gut. Bei etwa 50% der Fälle bildet sich die Krankheit von selbst wieder zurück, wobei sie nach einigen Jahren aber wieder auftreten kann (Rezidiv). Eine Schilddrüsenautonomie hat dagegen keine so gute Prognose. Bei dieser Form sind eine Operation oder die Radiojodtherapie das Mittel der Wahl. Im Anschluss müssen die Patienten weiter Schilddrüsenhormone einnehmen, um ihren Hormonhaushalt zu regulieren. Bleibt die Autonomie unentdeckt oder unbehandelt, kann es im schlimmsten Fall zu einer thyreotoxischen Krise führen, die letztlich mit Bewusstseinsstörungen, Koma und Kreislaufversagen enden kann.