Gesundheit kompakt

Schmerz

Was ist Schmerz?
Wie entsteht Schmerz?
Welche Schmerz-Formen sind häufig?
Wie geht der Arzt bei der Diagnose vor?
Wie wird Schmerz behandelt?
Wie kann ich Schmerz vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei Schmerz?

Was ist Schmerz?

Schmerz ist ein wichtiges Warn- und Schutzsignal. Es zeigt dem Körper, dass an irgendeiner Stelle im Organismus etwas nicht stimmt. Das können Verletzungen wie Knochenbrüche oder gerissene Sehnen, aber auch Gewebeschädigungen wie Schnittwunden, Verbrennungen, Prellungen  oder Zerrungen sein. Mediziner unterscheiden den akuten und chronischen Schmerz.

Akuter Schmerz: Das Symptom „Schmerz“ signalisiert, dass der Körper eine Schädigung oder Verletzung aufweist. Meist begrenzt sich der Schmerz lokal auf den Ort, an dem der Köper in Mitleidenschaft gezogen wurde. Ein Beispiel: Sie stoßen sich den Kopf an einem harten Gegenstand an, dann schmerzt nur der Kopf. Wie intensiv der Schmerz ist, hängt vom Ausmaß der Verletzung ab. Ein Armbruch tut zum Beispiel mehr weh als die Beule am Kopf. Der akute Schmerz verschwindet, sobald auch Schmerzursache beseitigt ist.

Chronischer Schmerz: Er entsteht zum Beispiel im Rahmen chronischer Krankheiten (z.B. Krebs) oder Entzündungen (z.B. rheumatoide Arthritis, Rheuma). Ein Chronischer Schmerz besteht laut Medizinern, wenn er seit mindestens drei bis sechs Monaten anhält und den Patienten körperlich (Mobilitätsverlust und Funktions-einschränkung), psychisch-kognitiv (Befindlichkeit, Stimmung und Denken) und sozial beeinträchtigt.

Der Schmerz kann sich im zentralen Nervensystem (ZNS) „einbrennen“ – es entsteht ein Schmerzgedächtnis. Ständig eintreffende Schmerzreize lassen das Nervensystem überempfindlich werden. Es reagiert danach sogar mit Schmerzsignalen auf harmlose Reize wie Berührungen. Der Schmerz hat sich in diesem Fall verselbstständigt – er ist immer noch da, obwohl es keine Schmerzursache mehr gibt. Ein Beispiel ist der Phantomschmerz nach einer Amputation. Dann ist der Schmerz nicht mehr nur ein Symptom, sondern eine eigenständige Krankheit.

Wie entsteht Schmerz?

Die Haut, Muskeln, Gelenke und Organe besitzen kleine „Fühler“ (freie Nervenenden), die Reize wie Schmerz, Druck, Wärme oder Kälte wahrnehmen. Werden zum Beispiel die Schmerzrezeptoren gereizt, setzt der Körper schmerzvermittelnde Botenstoffe wie Serotonin und Histamin frei. Umgekehrt schüttet das Gehirn Endorphine („körpereigene Opiate“) aus, die diesen Prozess verlangsamen oder stoppen sollen.

Der Schmerzreiz gelangt  über die Nervenfasern zum Rückenmark – der Schaltzentrale, in der eine erste Schmerzverarbeitung (Schmerzmodulation) stattfindet. Der eintreffende Schmerzreiz wird interpretiert. Dabei gibt es eine enge Wechselwirkung zwischen  der Schmerzwahrnehmung und der Psyche eines Menschen. Wie der Schmerz wahrgenommen wird, hängt unter anderem von der Lebenssituation, Sorgen, Stress oder positiven Gefühlen wie Freude ab. Gelangt der Schmerz schließlich ins Gehirn, ist er für einen Menschen spürbar. Dann reagiert der Körper zum Beispiel mit Herzrasen oder Schweißausbrüchen.

Welche Schmerz-Formen sind häufig?

Ob Zahnschmerzen, Rückenschmerzen oder Kopfschmerzen – Schmerz ist immer ein unangenehmes Gefühl, das die Lebensqualität deutlich einschränken kann. Trotzdem ist Schmerz nicht gleich Schmerz. Denn es gibt unterschiedliche Ursachen und verschiedene Entstehungsmechanismen. Bei der Schmerztherapie ist nicht die Schmerzintensität wichtig, sondern auch der Schmerzmechanismus.

Die häufigsten Schmerzformen sind:

  • Arthroseschmerzen (Gelenkschmerzen): Verschleißerkrankung der Gelenke
  • Fibromyalgie: Muskel- und Gelenkschmerzen in allen Körperbereichen und andere Symptome
  • Kopfschmerzen: z.B. Spannungskopfschmerzen, Migräne, Cluster-Kopfschmerz
  • Nervenschmerzen: Schmerzleitungssystem selbst ist geschädigt, z.B. nach Operation,  Gürtelrose, Bandscheibenvorfall, Diabetes oder nach Trigeminusneuralgie
  • Rückenschmerzen: oft ohne ernste Krankheiten wie Rheuma oder Bandscheibenvorfall, sondern Fehlbelastungen und Verspannungen (Schmerzen oberer Rücken, unterer Rücken, Hexenschuss)
  • Rheumaschmerzen: Erkrankungen der Gelenke, Knochen, Muskeln, Sehnen und Bänder, die mit starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen einhergehen
  • Tumorschmerzen: Krebserkrankung als Ursache der Schmerzen.

Wie geht der Arzt bei der Diagnose vor?

Manchmal ist die Schmerzdiagnose für den Arzt einfach, zum Beispiel bei einem Knochenbruch. Um aber in anderen Fällen der Schmerzursache auf die Spur zu kommen, brauchen Ärzte verschieden Diagnosemethoden. Dazu zählen.

  • Krankheitsgeschichte (Anamnese): Zum Beispiel welche Vorerkrankungen oder frühere Verletzungen hatte der Patient
  • Psychosoziale Faktoren wie Stress in Job und Alltag, belastende Ereignisse (z.B. Todesfall oder Pflegefall in der Familie)
  • Körperliche Untersuchung
  • Neurologische Untersuchung
  • Orthopädische Untersuchungen
  • Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgen, Computertomografie oder Kernspin (Magnetresonanztomografie, MRT), Elektronenzephalografie (EEG) oder Elektrokardiografie (EKG)

Wie wird Schmerz behandelt?

In der Schmerztherapie werden meist verschieden Behandlungsansätze kombiniert. Akute Schmerzen lassen sich wirksam mit Schmerzmitteln behandeln und beseitigen. Schwieriger ist die Behandlung bei chronischen Schmerzen. Hier versuchen Ärzte den Prozess der Chronifizierung zu bremsen oder zu stoppen. Eingesetzt werden Schmerzmedikamente und psychologische Methoden der Schmerzbewältigung. Häufige Therapien sind:

  • Medikamente:  Schmerz- und Entzündungshemmer (z.B. Paracetamol, Acetylsalicylsäure = ASS,  Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen), pflanzliche Arzneimittel, Opioide (Abkömmlinge des Morphins)
  • Physikalische Therapie (Physiotherapie): z.B. Massage, Wärme, Kälte, Wasseranwendungen
  • Bewegungstherapie: z.B. Radfahren, Schwimmen, Walking, Aqua-Jogging
  • Psychologisch-verhaltensmedizinische Therapie: z.B. kognitive Verhaltenstherapie, Entspannungstechniken wie Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training oder Yoga, Hypnose, Biofeedback, Atem- und Meditationstechniken.
  • TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation) soll Schmerzreize überlagern.
  • Komplementärmedizin: Akupunktur, Akupressur, Homöopathie, Qigong, Tai-Chi, Osteopathie, naturheilkundliche Verfahren

Wie kann ich Schmerz vorbeugen?

Schmerzen haben keine einheitliche Ursache – deshalb können Sie dem Schmerz auch nicht vorbeugen. Aber Sie können verhindern, dass sich ein Schmerzgedächtnis bildet und sich der Schmerz chronifiziert. Suchen Sie sich auf jeden Fall ärztliche Hilfe. Sonst geraten Sie möglichweise in einen Teufelskreis aus Schmerz, Bewegungslosigkeit, Fehlhaltungen und Verspannungen und neuen Schmerzen. Versuchen Sie, zum aktiven Manager Ihrer Schmerzkrankheit zu werden.

Ein gesunder Lebensstil bieteten einen gewissen Schutz vor Schmerzen:

  • Wichtig sind Bewegung und sportliche Aktivitäten – am besten mit Gleichgesinnten. Schonung und Bettruhe empfehlen Mediziner heute nicht mehr! Beispiele sind Spaziergänge, Nordic Walking oder Laufen.
  • Wichtig ist auch eine gesunde Ernährung. Sie stärkt die Knochen und kann später vor der schmerzhaften Osteoporose schützen.
  • Versuchen Sie, soziale und psychologische Stressfaktoren zu reduzieren. Am besten lernen Sie eine Entspannungstechnik.

Wie sind die Heilungschancen bei Schmerz?

Der akute Schmerz ist gut heilbar – er verschwindet wieder, wenn die Schmerzursache beseitigt ist, also zum Beispiel der Knochenbruch ausgeheilt ist. Beim chronischen Schmerz ist aus dem Symptom eine eigenständige Krankheit entstanden. Aber auch hier gibt es Möglichkeiten der Schmerzbekämpfung und Schmerzbewältigung (siehe Therapie).