Haut, Haare & Nägel

Schuppenflechte (Psoriasis)

Wenn sich der Körper selbst angreift, ist man häufig machtlos. So auch bei der Schuppenflechte. Noch immer ist unklar, warum Menschen ihr ganzes Leben mit einer Haut im Ausnahmezustand zu kämpfen haben. Möglichkeiten der Behandlung gibt es aber.

Was ist Schuppenflechte?
Was löst Schuppenflechte aus?
Welche Symptome verursacht die Erkrankung?
Welche Folgen kann eine Schuppenflechte haben?
Wie erkennt der Arzt die Erkrankung?
Wie lässt sich die Hautkrankheit behandeln?
Wie kann man Schübe verhindern?

Was ist Schuppenflechte?

Schuppenflechte ist eine chronische Entzündung der Haut. Mit rund zwei Millionen Betroffenen allein in Deutschland gilt die Psoriasis, wie der Fachausdruck lautet, als eine der häufigsten Hautkrankheiten überhaupt. Sie ist nicht ansteckend, nicht bösartig, bleibt aber für immer. Bislang gibt es keine Heilung, doch die Symptome lassen sich lindern.

Um zu verstehen, was bei einer Schuppenflechte falsch läuft, lohnt ein genauer Blick auf die Haut. Unser größtes Organ erneuert sich alle vier Wochen – und zwar so: In der untersten Schicht der Oberhaut entstehen frische Zellen, die nach und nach an die Oberfläche wandern. Dabei reifen sie, trocknen allmählich aus und verhornen. An der Hautoberfläche (der Hornschicht) werden die abgestorbenen Zellen irgendwann abgetragen.

Bei einer Schuppenflechte ist dieser Zyklus fehlerhaft. Abwehrzellen der Haut verursachen eine Entzündung und bringen das Zellwachstum durcheinander. Die Hautzellen vermehren sich plötzlich rasend schnell und gelangen nach nur wenigen Tagen (drei bis fünf) an die Hautoberfläche. Dort führt die beschleunigte Produktion irgendwann zu einer Stauung. Die Hornschicht ist mit den vielen unreifen Zellen überfordert. Die Folge: Sie lagern sich als silbrig schimmernde Beläge (sogenannte Plaques) ab, die schuppen und jucken.

Zur Erkrankung kommt es unabhängig vom Alter und Geschlecht. Allerdings wird in einen Früh- und einen Spättyp (Typ I und II) unterschieden. Ersterer tritt vor dem 40. Lebensjahr auf, beginnt häufig aber schon zwischen zehn und 25 Jahren. Der seltenere Typ II zeigt sich später, jenseits der 40, und verläuft meist harmloser.

Was löst Schuppenflechte aus?

Warum das Hautwachstum bei manchen Menschen außer Kontrolle gerät und bei anderen nicht, wird immer noch erforscht. Bisher weiß man, dass eine Störung im Immunsystem vorliegt. Es arbeitet schlicht zu viel. Und man weiß auch: Die Veranlagung dafür wird vererbt.

Schuppenflechte kann auch spontan auftreten, wenn verschiedene Auslöser zusammenkommen. Eine Reihe von Risikofaktoren spielen bei der Krankheitsentstehung eine Rolle und können einen Schub begünstigen oder die Symptome verschlimmern. Zum Beispiel diese:

  • Psychische Belastungen wie etwa Stress
  • Hautverletzungen, Tätowierungen, Verbrennungen
  • Ständige Hautreizungen wie mechanischer Druck durch Kleidung
  • Infektionen (zum Beispiel durch Streptokokken infolge einer Mandelentzündung)
  • Ungesunder Lebensstil (Rauchen, Alkohol, Übergewicht)
  • Bestimmte Medikamente (Betablocker oder Anti-Malaria-Präparate beispielsweise)

Welche Symptome verursacht die Erkrankung?

Psoriasis äußert sich bei jedem Betroffenen anders: Mal ist der Körper übersät mit rötlichen, schuppigen Arealen. Mal sind nur einzelne, wenige Hautpartien betroffen. Bei den einen bleiben die Entzündungsherde dauerhaft, bei den anderen treten sie schubweise auf. Sie können zusammenwachsen oder einzeln stehen.

Wie sieht Psoriasis-Haut aus? Durch das krankhafte Wachstum der Oberhaut entstehen scharf abgegrenzte, stark durchblutete Zonen. Meist an den Streckseiten der Arme und Beine (häufig am Ellenbogen, Knie oder Schienbein) und am Kopf. Aber auch Gesäß, Brust, Rücken, Hände, Füße und Bauchnabel können betroffen sein. Auf den rötlichen Stellen, die münz- bis handtellergroß sind, sammeln sich Schuppen. Sie bilden eine Art erhabenen Panzer, der weiß-silbrig oder manchmal auch gelblich schimmert. Diese sogenannten Plaques können starken Juckreiz sowie Schmerzen verursachen.

Verstecken, einigeln, zurückziehen: Die schuppende Haut ist das eine Problem, die psychischen Folgen das andere

Die schuppende Haut ist das eine Problem, die psychischen Folgen das andere


Je nachdem welches Ausmaß die Schuppenflechte annimmt, wie sie aussieht und wo sie besonders stark auftritt, unterscheidet man eine Reihe von Unterformen. Psoriasis vulgaris, die gewöhnliche Schuppenflechte, ist die verbreitetste. Bei einer Sonderform erscheinen eitrige Bläschen (Psoriasis pustulosa). Bei einer anderen sitzt die Schuppenflechte unter den Nägeln an Händen und Füßen – die sind dann krümelig, eingesenkt oder gefleckt (Nagelpsoriasis). Ist das ganze Hautorgan entzündet (Erytrhodermie), fiebern die Patienten meist stark und der Körper schwächelt. Dieser schwere Verlauf ist lebensbedrohlich.

Welche Folgen kann eine Schuppenflechte haben?

Früher ging man davon aus, dass Psoriasis allein die Haut betrifft. Heute weiß man, dass sie Einfluss auf den ganzen Körper hat. Zwar zeigt sich die Krankheit zumeist an der Oberfläche in Form von Schuppung und Schwellung, darunter aber lodern entzündliche Prozesse. Über die Blutbahn kann sich die Entzündung ausbreiten – auf Gelenke zum Beispiel, dann ist von Psoriasis-Arthritis die Rede. Oder auf andere Organe. Es wird vermutet, dass Betroffene ein höheres Risiko für Diabetes, chronische Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall haben.

Wie erkennt der Arzt die Erkrankung?

Oft genügt dem Arzt ein Blick, um die Diagnose zu stellen. Er wird sich die Haut genau anschauen und vielleicht auch leicht an der Oberfläche kratzen. Typisch für Psoriasis nämlich ist, dass sich unter der Schuppenschicht ein dünnes Häutchen (das sogenannte letzte Häutchen) befindet. Wird es entfernt, blutet die Stelle punktförmig (genannt: Blutiger Tau oder Auspitz-Phänomen). Um letzte Zweifel auszuräumen oder andere Krankheiten auszuschließen, nimmt der Arzt unter Umständen zusätzlich Blut- und Gewebeproben.

Was ist der PASI-Wert?

Die Schwere einer Schuppenflechte wird mit dem PASI-Wert angegeben. PASI steht für Psoriasis Area and Severity Index (Fläche und Ausmaß der Erkrankung). Ärzte errechnen den Wert unter Berücksichtigung der betroffenen Körperfläche und der Ausprägung einzelner Psoriasis-Herde. Ein PASI unter 10 beschreibt eine leichte Form. Bei einem PASI über 10 gehen Mediziner von einer mittelschweren bis schweren Schuppenflechte aus.

Eine typgerechte Hautpflege ist die Grundlage jeder Schuppenflechte-Behandlung

Eine typgerechte Hautpflege ist die Grundlage jeder Schuppenflechte-Therapie


Wie lässt sich Schuppenflechte behandeln?

Psoriasis ist zwar (noch) nicht heilbar, mithilfe verschiedener Behandlungsformen können aber lang anhaltende symptomfreie Phasen gesichert werden.

Die Therapie richtet sich nach der Schwere der Schuppenflechte. Leichte Formen (unter einem PASI von 10) können lokal mit Lotionen, Cremes, Badezusätzen und Shampoos behandelt werden. Voraussetzung dafür, dass die entzündungshemmenden Wirkstoffe überhaupt an die kranke Haut kommen: Die Schuppenschicht muss weg. Um sie zu lösen, werden meist Salben mit Salicylsäure oder Harnstoff auf die Stellen gecremt.

Danach beginnt die eigentliche Therapie: Zum Einsatz kommen Vitamin-D-Präparate und kortinsonhaltige Salben, die gegen die Entzündung vorgehen und das Zellwachstum hemmen.

Vorsicht! Kortison schädigt die Haut auf Dauer und dünnt sie aus. Nach dem Absetzen reagiert Psoriasis-Haut häufig mit heftigen Schüben. Sogenannte Kortikoide sollten darum nur kurze Zeit lang angewendet werden.

Genügt die äußerliche Anwendung nicht, um die Symptome erheblich zu bessern, wird sie um eine innerliche Therapie ergänzt. Zum Einsatz kommen Tabletten oder Spritzen mit Wirkstoffen, die das überschießende Immunsystem ausbremsen: Fumarsäure, Retinoide, Methotrexat und Ciclosporin zum Beispiel. Genetisch hergestellte Biologika unterdrücken die Schuppenflechte ebenfalls und gehen zusätzlich gegen Begleitentzündungen im ganzen Körper vor – wie die Psoriasis-Arthritis. Diese speziellen Präparate sind allerdings sehr teuer. Auf sie greifen Ärzte nur zurück, wenn alle anderen Alternativen ausgeschöpft wurden.

UV-Strahlung unterstützt die entzündete Haut dabei, sich zu regenerieren. Ein Urlaub am (toten) Meer, mit viel Sonne und Salzwasser auf der Haut, verhilft vielen Patienten aus schlimmen Schüben. Aber Achtung: Auf zu viel Sonne oder einen Sonnenbrand wiederum reagiert die kranke Haut extrem empfindlich.

Die positive Wirkung klimatischer Bedingungen wird auch therapeutisch genutzt. Bei der Photochemotherapie setzen Dermatologen ultraviolette Strahlung ein, sie normalisiert das Zellwachstum der Haut und wirkt entzündungshemmend. In Kombination mit salzigen Wasserbädern oder einem oral eingenommenen Lichtsensibilisator (Psoralen) wirkt die Bestrahlung stärker. Nach einer zweiwöchigen Therapie (drei bis fünf Sitzungen pro Woche) kann bei vielen Patienten eine erhebliche Besserung erreicht werden. Vereinzelte, hartnäckige Psoriasis-Herde bearbeitet der Arzt mit einem Laser, um gezielter vorzugehen.

Ergänzend raten Experten zu einer psychosomatischen Therapie. Weil Betroffene häufig unter emotionalen Druck stehen, sich für ihre Krankheit schämen und den Kontakt zu anderen meiden.

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Wie kann man Schübe verhindern?

Um Psoriasis-Schübe zu vermeiden, müssen Patienten erstens die Auslöser kennen und sie zweitens abstellen. Es gibt einiges, was man tun kann, um die Schuppenflechte im Zaum zu halten:

  • Sport treiben und Übergewicht reduzieren: Studien haben gezeigt, dass zu viele Kilos auf den Rippen einen negativen Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben. Wer abnimmt, kann Beschwerden hingegen langfristig mindern.
  • Finger weg von Nikotin und Alkohol: Beides verschlimmert die Symptome.
  • Druck nehmen: Bandagen, Schienen, ein Rucksack oder zu enge Kleidung können Schübe begünstigen.
  • Knabbern lassen: Immer beliebter wird der Einsatz sogenannter Doktorfische, die sich an den Hautschüppchen laben und so für Besserung sorgen.
  • Runterkommen: Stress spielt bei der Entstehung von Schuppenflechte eine große Rolle. Im Umkehrschluss sollten sich Patienten Techniken zur Entspannung aneignen: Progressive Muskelrelaxation, Yoga oder Ausdauersport zum Beispiel.
  • Gut pflegen: Die regelmäßige, sorgfältige und typgerechte Hautpflege ist Bestandteil der Basistherapie. Psoriasis-Haut neigt zur Trockenheit, feuchtigkeitsspendende Lotionen oder Cremes mit Urea (Harnstoff) zum Beispiel können dem entgegenwirken.