Gesundheit kompakt

Sepsis (Blutvergiftung)

Schürf- oder Schnittwunden gründlich zu säubern ist wichtig, weil sonst Keime in den Körper gelangen und eine Infektion verursachen können. Gerät die außer Kontrolle, ist von Blutvergiftung (Sepsis) die Rede – ein absoluter Notfall. Denn: Wird nicht schnell genug behandelt, besteht akute Lebensgefahr.

Was ist eine Sepsis?
Was löst eine Sepsis aus?
Welche Symptome verursacht die Erkrankung?
Wie erkennt der Arzt die Erkrankung?
Wie wird eine Sepsis behandelt?
Wie kann man einer Sepsis vorbeugen?
Welche Spätfolgen gibt es?

Was ist eine Sepsis?

Genau genommen handelt es sich bei einer Sepsis nicht um die Blutvergiftung selbst, sondern um eine radikale Entzündungsreaktion des Körpers. Eine heftige Immunantwort des Organismus auf eine Infektion – ausgelöst durch eine mit Bakterien verschmutzte Wunde zum Beispiel.

Die Infektion und die Überreaktion des Körpers richten in Kombination erheblichen Schaden an. Einzelne oder gar mehrere Organe können versagen. Je nachdem, welche Organe betroffen sind, ergibt sich daraus eine lebensbedrohliche Situation. In Deutschland überlebt etwa jeder dritte Sepsis-Erkrankte nicht, insgesamt ist die Blutvergiftung die dritthäufigste Todesursache.

Was löst die Erkrankung aus?

Am Anfang jeder Blutvergiftung steht eine Infektion. In der Regel hervorgerufen durch Bakterien und deren giftige Stoffwechselprodukte. Eher selten sind Viren oder Pilze im Spiel.

Häufige Ausgangsstellen der Infektion (Infektionsherde) sind:

Was passiert bei einer Blutvergiftung im Körper?

Normalerweise ist das Immunsystem imstande, Keime im Bereich der Eintrittsstelle abzuwehren und eine Infektion einzudämmen. Ist das Abwehrsystem aber geschwächt oder sind die Erreger besonders aggressiv, vermehren sich die Bakterien und breiten sich über die Blutbahn im Körper aus.

Infolge der massiven Ausbreitung kommt es zu einer überschießenden Antwort des Immunsystems, das versucht, die Erreger zu bekämpfen. Allerdings schädigt die dadurch verursachte systemische Entzündungsreaktion in erster Linie den Organismus selbst. Sie schafft einen Nährboden, auf dem sich ausgeprägte Durchblutungsstörungen einstellen können: Der Blutdruck sinkt, die Gerinnungsneigung des Blutes steigt, es kommt zur Unterversorgung der Organe. Lebensgefährliches Organversagen ist die Folge. Daher handelt es sich bei einer Sepsis immer um einen Notfall.

Welche Symptome verursacht die Erkrankung?

Die Beschwerden infolge der Erkrankung fallen unterschiedlich aus und lassen häufig nicht direkt auf eine Sepsis schließen. Es stellt sich ein allgemeines Krankheitsgefühl ein, das oft mit dem eines grippalen Infekts verwechselt wird.

Symptome können sein:

  • Zu hohe oder zu niedrige Körpertemperatur: über 38 °C oder unter 36 °C
  • Deutlich erhöhter Herzschlag (Tachykardie: mehr als 100 Schläge pro Minute)
  • Erhöhte Atemfrequenz (Tachypnoe) mit mehr als 25 Atemzügen pro Minute
  • Niedriger Blutdruck, Kreislaufprobleme
  • Unruhe und Verwirrtheit
  • Beeinträchtigungen der Organe, wie Seh- oder Bewusstseinsstörungen

Ein roter Strich auf der Haut ist übrigens – entgegen der weitverbreiteten Annahme – kein typisches Symptom einer Blutvergiftung. Er entsteht im Zusammenhang mit einer Entzündung der Lymphgefäße. Zum Arzt sollte man trotzdem, sobald die Verfärbung auffällt. Denn auch aus dieser Entzündung könnte sich eine Sepsis entwickeln.

Die Schweregrade

Typischerweise verschlimmern sich die Symptome innerhalb kurzer Zeit. Ihrer Intensität nach wird die Erkrankung in verschiedene Stadien unterteilt:

  • Systemisches inflammatorisches Response-Syndrom (SIRS): Eine Entzündungsreaktion, die den gesamten Organismus betrifft – erkennbar an erhöhter Temperatur, einer Störung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten), erhöhter Herz- und Atemfrequenz. Wenn das SIRS in Verbindung mit einer Infektion steht, spricht man von Sepsis.
  • Schwere Sepsis: Es kommt zu mindestens einer akuten Organschädigung (akutes Nieren- oder Lungenversagen).
  • Septischer Schock: Schwerer Verlauf mit stark erniedrigtem Blutdruck (trotz Infusion). Ein lebensgefährlicher Zustand, der unbehandelt zum Kreislauf- und Organversagen führt.

Wie erkennt der Arzt die Erkrankung?

Besteht Verdacht auf eine Blutvergiftung, aufgrund einer stark verschmutzten Wunde etwa, können die Erreger durch eine Blutanalyse nachgewiesen werden – direkt oder indirekt anhand spezifischer Immunabwehr-Botenstoffe im Blut.

Die Laboranalyse dauert einige Zeit – die ist aber knapp bemessen, wenn die schnelle Einleitung der Therapie lebensrettend sein kann. Deshalb achtet der Arzt schon bei der körperlichen Untersuchung des Patienten sehr genau auf Symptome.

Weitere Hinweise liefert die Anamnese, also die Befragung des Patienten nach seiner Krankheitsgeschichte. Menschen mit transplantierten Organen, Leber- oder Nierenschäden oder Diabetes haben häufig ein geschwächtes Immunsystem und damit ein erhöhtes Sepsis-Risiko.

Wie wird eine Sepsis behandelt?

Zur Erregerbekämpfung verabreicht der Arzt zunächst ein Breitbandantibiotikum, das grundsätzlich unterschiedliche Bakterienarten bekämpft. Sobald die tatsächliche Erreger-Art durch den Labortest ermittelt ist, kommt ein auf diesen Erreger spezialisiertes Antibiotikum zum Einsatz. Ist der Erreger ein Pilz, wird ein Antimykotikum, ein Anti-Pilz-Wirkstoff, gegeben. Zudem behandelt der Arzt den Infektionsherd chirurgisch, das heißt: Er entfernt das infizierte Gewebe.

In den fortgeschrittenen Stadien einer Sepsis und bei Patienten mit einem geschwächten Immunsystem ist eine Verlegung auf die Intensivstation notwendig, um die Vitalfunktionen (Herz-Kreislaufsystem, Atmung) fortlaufend überwachen und im Bedarfsfall unterstützen zu können. Bei akutem Organversagen müssen lebenserhaltende Maßnahmen eingeleitet werden.

Wie kann man einer Sepsis vorbeugen?

Vor einer Blutvergiftung schützt keine Impfung umfassend wie beispielsweise bei Wundstarrkrampf (Tetanus). Es gibt aber Vorsorgeimpfungen gegen Pneumokokken, die Erreger der bakteriellen Lungenentzündung, und gegen Meningokokken, die Erreger der bakteriellen Hirnhautentzündung. Experten zufolge gehen etwa acht bis zehn Prozent aller Erkrankungsfälle auf eine Infektion mit diesen Erregern zurück.

Von den genannten Impfungen profitieren vor allem Menschen mit schwächerem Immunsystem. Darunter fallen Kinder, deren Abwehrsystem noch nicht vollständig entwickelt ist, Ältere, Patienten mit chronischen Grunderkrankungen und Menschen, deren Milz entfernt wurde. Denn das unscheinbare Organ im Oberbauch erfüllt wichtige Funktionen in der Immunabwehr und insbesondere bei der Abwehr von Pneumokokken und Meningokokken.

Welche Spätfolgen gibt es?

Wer eine schwere Sepsis überlebt hat, leidet möglicherweise auch Jahre danach noch unter der Erfahrung. Seelisch, weil das Erlebte (Operationen, Intensivstation, Konfrontation mit dem Tod) mitunter nur schwer zu verarbeiten ist, aber auch körperlich – Organschmerzen, Gewichtsverlust, neurologische Störungen und physische Einschränkungen können späte Folgen der Extremsituation für den Körper sein.

Umso wichtiger ist es, dass Patienten nach einer überstandenen Sepsis nicht allein gelassen werden. Die “Deutsche Sepsis-Hilfe“, ein gemeinnütziger Verein, bietet ein kompetentes Informationsforum und eine Anlaufstelle, die auf dem Prinzip „von Betroffenen für Betroffene“ beruht.