Gesundheit kompakt

Syphilis

Über Geschlechtskrankheiten spricht niemand gerne. Wenn sie dann noch nicht einmal große Beschwerden verursachen, werden sie gerne ignoriert und verdrängt. Dabei sollte niemand eine mögliche Ansteckung mit Syphilis auf die leichte Schulter nehmen, denn die Spätfolgen sind dramatisch.

Was ist Syphilis?
Was sind die Ursachen von Syphilis?
Was sind die Syphilis-Symptome?
Wie erkennt der Arzt Syphilis?
Wie wird Syphilis behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei Syphilis?

Was ist Syphilis?

Syphilis ist eine sexuell übertragbare Krankheit und wird oft auch als Lues, Franzosenkrankheit oder harter Schanker bezeichnet. Das lateinische Wort „Lues“ bedeutet dabei „ansteckende Krankheit“, denn Syphilis ist im Frühstadium höchst ansteckend. Die Geschlechtskrankheit ist weltweit auf dem Vormarsch. Auch in Deutschland breitet sie sich seit 2010 immer mehr aus. Allein zwischen 2010 und 2016 hat sich die Anzahl der Neuerkrankungen mehr als verdoppelt.

Als Grund dafür wird die steigende Nachlässigkeit in Sachen Verhütung angeführt. Denn seit die Angst vor einer Ansteckung mit HIV schwindet, verzichten viele Menschen auf Kondome. Zur Risikogruppe zählen homosexuelle Männer, die über 80 Prozent aller Syphilis-Fälle ausmachen. Aber auch Menschen mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern können sich schnell mit Syphilis anstecken, wenn sie nicht ausreichend verhüten.

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Was sind die Ursachen von Syphilis?

Auslöser der Syphilis ist das Bakterium Treponema pallidum. Der Erreger wird in den meisten Fällen durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Doch auch Oralverkehr und Küssen kann zur Ansteckung führen, wenn das Bakterium über kleine Verletzungen und Risse in den Schleimhäuten durch den Speichel übertragen wird. Sogar durch Hautkontakt kann eine Infektion stattfinden, da der Erreger über Verletzungen und kleine Wunden ins Blut gelangen kann.

Eine Ansteckung mit Syphilis durch Blut bei einer Transfusion kam in den vergangenen 20 Jahren nicht mehr vor. Durch ausführliche Tests wird in Deutschland nur einwandfreies Blut verwendet. Allerdings kann es beim Konsum von Drogen durch die Verwendung derselben Spritze zur Infektion kommen.

Syphilis bei Schwangeren

Erkrankt eine Frau während der Schwangerschaft an Syphilis, besteht ein geringes Risiko, die Krankheit bei der Geburt auf das Baby zu übertragen. Diese angeborene Form der Erkrankung bezeichnen Ärzte als Lues connata.

Was sind die Syphilis-Symptome?

Die Inkubationszeit zwischen der Ansteckung bis zum Ausbruch der ersten Syphilis-Anzeichen beträgt durchschnittlich 14 bis 24 Tage. Die Symptome sind jedoch oft nicht ganz eindeutig oder bleiben völlig aus, weshalb viele Betroffene lange Zeit gar nichts von ihrer Erkrankung wissen. Von schmerzlosen Hautveränderungen bis zu schweren geistigen Einschränkungen sind die Beschwerden sehr vielseitig.

Außerdem treten bei Frauen und Männern manchmal unterschiedliche Anzeichen auf, die auf Syphilis hindeuten können, oft aber auch als Symptom einer anderen Krankheit fehlgedeutet werden. In der Regel verläuft die Krankheit über vier Stadien, die sich durch jeweils unterschiedliche Symptome äußern:

Primärstadium (in den ersten zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung):

  • Ein kleines, schmerzloses Knötchen tritt an der Stelle auf, an der die Infektion mit dem Erreger stattgefunden hat, meist an den Geschlechtsorganen an der Eichel oder an den Schamlippen, am Mund oder am Anus. Diese Stelle wird als Eintrittspforte bezeichnet.
  • Daraus entsteht ein schmerzloses Geschwür, das zu nässen beginnt.
  • Umgeben ist diese Hautveränderung von einer harten Begrenzung, daher die oft gebräuchliche Bezeichnung harter Schanker (Ulcus durum).
  • Anschließend beginnen die Lymphknoten im betroffenen Bereich anzuschwellen.

Die Symptome der Primärphase der Syphilis verschwinden oft nach wenigen Wochen wieder von alleine. Das nässende Sekret der Geschwüre ist jedoch hochansteckend und kann beim Hautkontakt übertragen werden.

Sekundärstadium (nach zwei bis drei Monaten):

Da der Erreger sich über den Blutkreislauf und die Lymphbahnen über den ganzen Körper ausgebreitet hat, kommt es nun zu unterschiedlichen Krankheitsanzeichen, wie

  • allgemeines Unwohlsein
  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Gelenkschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Abgeschlagenheit
  • geschwollene Lymphknoten am ganzen Körper, besonders am Hals und an den Achseln
  • Haarausfall
  • fleckiger Hautausschlag, meist ohne Jucken. Er tritt oft auch an Handflächen und Fußsohlen auf.
  • Aus dem Syphilis-Ausschlag entstehen kleine, bräunliche Knötchen, die schuppen oder nässen und dadurch ansteckend sind.

Zusätzlich kann im Mund eine Verdickung der Schleimhaut oder Rötung im Rachen auftreten. Diese zweite Phase kommt oft in Schüben und bricht immer wieder aus, vergeht jedoch nach etwa einem Jahr von selbst wieder. In etwa 30 Prozent der Fälle kann die Syphilis dann tatsächlich überstanden sein. Für die meisten Betroffenen ist die Krankheit jedoch noch längst nicht vorbei, denn der Erreger ist weiterhin versteckt aktiv (latente Syphilis).

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Je nach Stadium können weitere Beschwerden auftreten. (c)Siriluk/Fotolia

Tertiärstadium (mehrere Jahre bis Jahrzehnte nach der Infektion):

Wurde die die Erkrankung bisher nicht erkannt und behandelt, kann der Krankheitsverlauf bei etwa jedem vierten Betroffenen in die dritte Phase gehen. Diese Symptome setzen jedoch oft erst Jahrzehnte nach der Infektion mit den Syphilis-Bakterien ein:

  • Knoten und Geschwüre auf Haut, Zunge, Nase und an den Organen, die aufbrechen und ein Sekret absondern können (sogenannte Gummen)
  • Durchblutungsstörungen
  • Aussackungen der Gefäßwände
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Sehstörungen
  • Schäden an den Knochen

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Quartärstadium (nach weiteren Jahren):

Im weiteren Verlauf kann die Krankheit Beschwerden verursachen, die oft schmerzhaft sind, die Lebensqualität stark einschränken und zum Tod führen können:

  • Schäden der Nerven und des Rückenmarks
  • Gefühlsstörungen
  • Schmerzen in Bauch, Beinen und Rücken
  • Gangunsicherheit
  • Lähmungen
  • Störungen der Blasen- und Darmfunktion
  • Halluzinationen, Wahnvorstellungen
  • Gedächtnisstörungen, Demenz

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Symptome einer Neurosyphilis

Befallen die Erreger vor allem das zentrale Nervensystem, sprechen Ärzte von einer Neurosyphilis. Typische Symptome sind dann

  • Kopfschmerzen
  • Sehstörungen
  • Hörstörungen
  • steifer Nacken
  • Lähmungen

Ansteckungsgefahr bei Syphilis

Das Tückische an der Syphilis ist, dass sie oft ohne Schmerzen verläuft und den Betroffenen keine größeren Beschwerden bereitet. Viele gehen also nicht einmal zum Arzt, um sich untersuchen zu lassen, und können unbewusst andere Menschen infizieren. Nach dem Sekundärstadium nimmt die Ansteckungsgefahr jedoch ab.

Wie erkennt der Arzt Syphilis?

Bei der Untersuchung wird der Arzt zuerst in einem Gespräch die Symptome und deren Dauer erfragen. Beim Verdacht auf Syphilis kommen für die Diagnose weitere Untersuchungen in Frage:

  • Abstrich des nässenden Sekrets des Hautausschlags
  • Abstrich der Schleimhäute
  • Bluttest

Bei allen Tests kann der Arzt die Bakterien nachweisen, bzw. beim Bluttest die Antikörper, die das Immunsystem zur Abwehr der Erreger gebildet hat. Um Schäden am zentralen Nervensystem festzustellen, kann der Arzt das Hirnwasser aus dem Rückenmark untersuchen.

Wurde die Diagnose gestellt, sollten sich Betroffene zusätzlich auf HIV testen lassen. Denn durch eine Syphilis-Erkrankung erhöht sich das Risiko einer HIV-Infektion. Der Nachweis des Syphilis-Erregers muss außerdem dem Robert-Koch-Institut gemeldet werden. Eine Namensnennung ist dabei jedoch nicht verpflichtend.

Wann die Krankheit diagnostiziert wird, spielt eine entscheidende Rolle. (c) Colourbox

Wie wird Syphilis behandelt?

In manchen Fällen heilt die Erkrankung ohne Behandlung von alleine wieder ab, ist bis dahin jedoch sehr ansteckend. Sehr viel häufiger ist jedoch eine Therapie notwendig, um die Bakterien zu bekämpfen. Als Antibiotikum haben sich Penicillin oder Ceftriaxon bewährt. Die Dauer der Behandlung richtet sich ganz danach, wie frühzeitig der Arzt die Krankheit erkennen konnte und wie fortgeschritten die Symptome sind.

Da sich bei der Syphilis-Therapie durch das Absterben der Bakterien vermehrt Zellgifte bilden, die grippeähnliche Symptome auslösen können, bekommen Patienten meist zusätzlich Cortison verabreicht. Das Medikament soll das Ausbrechen der Grippe-Beschwerden verhindern. Eine Behandlung in den ersten beiden Stadien dauert meist zwei bis vier Wochen. Während dieser Zeit sollten die Betroffenen auf Küssen und Sex verzichten.

Behandlung auch beim Sexualpartner

Auch der Partner sollte ein Antibiotikum gegen die Erreger einnehmen. Denn selbst wenn sich noch keine Symptome zeigen, kann bereits eine Infektion stattgefunden haben. Die Therapie des Partners soll außerdem einer erneuten Ansteckung vorbeugen.

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Wie kann ich vorbeugen?

Eine Syphilis-Impfung gibt es leider nicht. Die beste Vorbeugung ist deshalb Safer Sex.

Durch die Verhütung mit Kondomen bei Oral-, Anal- und Vaginalverkehr sinkt das Ansteckungsrisiko enorm. Zusätzlich wird dadurch auch die Ansteckung mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten wie Tripper und AIDS verhindert.

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Wie sind die Heilungschancen bei Syphilis?

Die Heilungschancen hängen davon ab, ob die Krankheit rechtzeitig festgestellt und behandelt wird. Denn unbehandelt kann es zu schweren Spätfolgen kommen: Das Gehirngewebe baut sich zunehmend ab und Gedächtnisstörungen, Kopfschmerzen, Lähmungen und Demenz können als Folge auftreten.

Das Bakterium zerstört nach mehreren Jahrzehnten im Endstadium die Nervenzellen. Es kommt zu einem veränderten Schmerz- und Temperaturempfinden, Inkontinenz, Problemen beim Gehen, einem Verlust der Reflexe und bei Männern oft zu Impotenz.

Rechtzeitig erkannt ist die Syphilis jedoch sehr gut heilbar. Im Primär- und Sekundärstadium kann eine Antibiotika-Therapie den Erreger bekämpfen und Spätfolgen verhindern.

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