Hals, Nase & Ohren

Tinnitus (Ohrgeräusche)

Was ist ein Tinnitus?
Was sind die Ursachen für einen Tinnitus?
Was sind die Symptome bei einem Tinnitus?
Wie erkennt der Arzt einen Tinnitus?
Wie wird ein Tinnitus behandelt?
Wie kann ich einem Tinnitus vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen?

Was ist ein Tinnitus?

Tinnitus ist die Bezeichnung für Geräusche oder ein Sausen in einem oder beiden Ohren oder im Kopf, für die keine äußeren Geräuschquellen verantwortlich gemacht werden können.

Die meisten Menschen nehmen solche Geräusche im Ohr ab und zu wahr, beispielsweise wenn sie einen sehr ruhigen Raum betreten. Bei vielen Menschen kann sich der Tinnitus (lateinisch für “Klingeln der Ohren”) kurzfristig verstärken, verschwindet dann in der Regel aber recht schnell wieder. Bei einigen Betroffenen verschwinden die Geräusche jedoch nicht wieder, sie hören die Geräusche hartnäckig die ganze Zeit, was sehr belastend sein kann.

Besteht er länger, unterscheiden Ärzte zwei Kategorien, je nachdem wie lange die Beschwerden andauern:

  • akut: Beschwerden dauern weniger als drei Monate an, oft tritt eine spontane Besserung ein.
  • chronisch: Beschwerden dauern länger als drei Monate an, eine spontane Besserung tritt eher seltener auf.

Ohrgeräusche von Mensch zu Mensch unterschiedlich wahrgenommen, am häufigsten beschreiben die Betroffenen ein durchgängiges Klingeln oder Pfeifen in den Ohren. Andere hören einen pulsierenden Rhythmus. Außenstehende können diese Geräusche nicht wahrnehmen.

Bei Tinnitus handelt es sich um keine eigenständige Krankheit. Tinnitus ist vielmehr ein Symptom für ein anderes, zugrunde liegendes physisches (oder manchmal auch psychisches) Problem ist. Er kann plötzlich auftreten oder sich schleichend entwickeln.

Wer bekommt einen Tinnitus?

Ohrgeräusche können jeden treffen. Schätzungsweise 10 Prozent der Bevölkerung leiden regelmäßig an den Symptomen. Bei rund 3,9 Prozent sind die Symptome hartnäckig und unangenehm und beeinträchtigen die Lebensqualität, etwa indem sie die Betroffenen am Einschlafen hindern. In Deutschland klagen rund 3 Millionen Menschen über chronische Ohrgeräusche.

Sie treten bei Frauen und Männern gleich häufig auf. Hin und wieder leiden auch Kinder an Tinnitus, am häufigsten sind jedoch Personen zwischen 40 und 70 Jahren betroffen. Die gute Nachricht: Selbst nach jahrelangem Soundcheck im Ohr nehmen die Geräusche häufig wieder ab.

Was sind die Ursachen für einen Tinnitus?

Was genau im Ohr zum Tinnitus führt, ist bis heute nicht ganz geklärt. Man geht jedoch davon aus, dass diese „Zusatzgeräusche“ auf eine Störung der Funktionsweise der Nerven bei der Signalübertragung zwischen Ohr und Gehirn zurückzuführen sind.

Tinnitus ist ein Zustand, bei dem die Betroffenen in einem oder in beiden Ohren Geräusche hören. Die Ursachen sind vielfältig:

Laute Musik bei Rockkonzerten oder in Diskotheken, die Arbeit in einer lauten Umgebung oder Schwerhörigkeit können zu Tinnitus führen. Das Symptom kann auch bei Menschen auftreten, die ansonsten keine Probleme mit ihren Ohren haben.

Häufigen Ursachen:

  • Stress: Obwohl Stress nicht direkt Tinnitus verursacht, konnte nachgewiesen werden, dass er die Symptome verschlimmert. Versuchen Sie den Stress, dem Sie eventuell ausgesetzt sind, zu reduzieren, dann wird nicht nur das ständige Summen in Ihren Ohren leiser.

  • Schwerhörigkeit: Der Hörverlust wird manchmal von Ohrgeräuschen begleitet, vermutlich weil die normalen äußeren Geräusche verstummen und das Gehirn versucht, die fehlenden Frequenzen mit Phantomgeräuschen zu kompensieren.

  • Ohrenschmalz: Jede Störung an der Außenseite des Trommelfells kann zu den Symptomen führen, lässt sich in der Regel aber leicht behandeln.

  • Mittelohrenentzündung: Bakterielle Infektionen hinter dem Trommelfell sprechen in der Regel gut auf Antibiotika an.  Virusinfektionen im Innenohr können vorübergehend ebenfalls zum Pfeifen im Ohr und Schwindel führen.

  • Verstopfte Ohren: Verstopfte Ohren treten besonders häufig bei kleinen Kindern auf. Es handelt sich hierbei um eine Komplikation einer Ohrenentzündung, in der Regel nach einer Erkältung oder einer Grippe. Statt mit Luft füllt sich das Ohr mit einer klebstoffartigen Substanz. Durch diese Verstopfung entsteht ein Tinnitus.

  • Hörsturz: 70 Prozent aller Betroffenen leiden nach einem Hörsturz anschließend an Tinnitus. Ursache dafür sind Durchblutungsstörungen des Innenohrs.

  • Menière-Krankheit: Diese Krankheit betrifft ungefähr 1 von 1.000 Personen und ist gekennzeichnet durch Schwindel, Übelkeit, Hörverlust und Tinnitus.

  • Knall- und Lärmtrauma: Lärm ist einerseits eine direkte Ursache, andererseits verschlimmert er einen bereits bestehenden Tinnitus. Achten Sie also darauf, sich nicht zu viel Lärm auszusetzen (etwa wenn Sie sich ins Nachtleben stürzen oder mit Kopfhörern unterwegs sind).

  • Halswirbelsäulenerkrankungen (z. B. Schleudertrauma)

  • Bluthochdruck: Bluthochdruck kann zu einem durchgehenden Tinnitus oder einem pulsierenden Tinnitus führen.

  • Verspannung der Muskulatur der Wirbelsäule und des Kiefergelenkes, Fehlstellungen des Gebisses
  • Medikamente: Bestimmte Arzneimittel, darunter Diuretika, Chemotherapie und bestimmte Antibiotika können als Nebenwirkung zu einem Tinnitus führen. Sprechen Sie Ihren Arzt auf Alternativen an.

Weniger häufige Ursachen:

  • Gutartige Tumore (Akustikusneurinomen): Hierbei handelt es sich um einen seltenen Tumor, der zu Symptomen wie Hörverlust, Schwindel und Tinnitus führt.

  • Störungen des zentralen Nervensystems: Zu diesen seltenen Ursachen für Tinnitus zählen Epilepsie, Gehirnerschütterungen und ein pathologische Blutgefäßwachstum, eine sogenannte „vaskuläre Malformation“.

  • Arterienverkalkung, Allergien, Herzgeräusche oder Anämie: Auch sie können – in seltenen Fällen – ebenfalls Tinnitus verursachen.

Wann hören wir einen Tinnitus?

Die meisten Menschen hören ihn, wenn sie sich in einem stillen, schallisolierten Raum aufhalten. 90-95 % der Menschen berichten in einer ruhigen Umgebung von vorübergehenden Symptomen. In den folgenden Situationen haben die meisten von uns schon einmal einen Tinnitus wahrgenommen:

  • In einem sehr ruhigen Raum.

  • Bei einer verstopften Nase im Rahmen einer Erkältung.

  • Nachdem wir Lärm ausgesetzt waren, zum Beispiel nach einem Rockkonzert.

Ein gelegentliches Pfeifen im Ohr ist normal und Bestandteil der Funktionsweise unserer Ohren. Es wird erst dann zum Problem, wenn die wahrgenommenen Geräusche lauter als die normale Umgebung sind und man das Geräusch ständig bewusst wahrnimmt.

Jeder Mensch nimmt die Geräusche anders wahr. Während manche Betroffenen in der Lage sind, sich an das Problem zu gewöhnen und es zu ignorieren, werden andere durch die Geräusche in ihren Ohren gereizt, wütend und unruhig.

Was sind die Symptome bei einem Tinnitus?

Es pfeift, rauscht, brummt, saust, summt oder singt. Das Ohrensausen kann in einem oder in beiden Ohren auftreten. Manche Menschen hören in einem Ohr ein Geräusch und im anderen Ohr ein anderes. Die meisten berichten von einem durchgehenden, gleichbleibend hartnäckigem Pfeifen oder Klingeln. Doch auch an- und abschwellende rhythmische oder pulsierende Geräusche sind möglich.

Tinnitus kann zu einer Reihe von Problemen führen, darunter Stress, Müdigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten und Depressionen. Auch berufliche und soziale Bereiche können betroffen sein.

Die Symptome haben unterschiedliche Schweregrade. Bei manchen sind die Symptome so schwach ausgeprägt, dass sie die Betroffenen gar nicht beeinträchtigen, während bei anderen Menschen der Tinnitus massive Auswirkungen auf den Alltag hat.

Welche Schweregrade werden unterschieden?

  • Schweregrad 1:  Ohrgeräusch wird kompensiert, kein großer Leidensdruck.
  • Schweregrad 2: Tinnitus wird weitgehend kompensiert, jedoch bei Stille wahrgenommen. Geräusch wird als störend empfunden, vor allem in Stresssituationen sowie bei körperlicher oder seelischer Anstrengung.
  • Schweregrad 3: Der Tinnitus belastet dauerhaft sowohl im privaten und beruflichen Bereich. Betroffene klagen über Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Verspannungen und emotionalen Verstimmungen.
  • Schweregrad 4: Die Lebensqualität ist durch den Tinnitus extrem beeinträchtigt. Betroffene können ihrer beruflichen Tätigkeit nicht mehr nachkommen, ziehen sich aus dem Sozialleben zurück und leiden an Ängsten und Depressionen.

Wenn Sie an Tinnitus leiden, sollten Sie versuchen, die Ursache des Problems zu ergründen. Dies erleichtert es, eine geeignete Behandlung zu finden.

Wie erkennt der Arzt einen Tinnitus?

Falls Sie bei sich eines der oben beschriebenen Symptome beobachten und die Beschwerden anhalten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, der dann eine genaue Diagnose stellen kann.

Wenn Ihr Hausarzt keine genaue Ursache für Ihren Tinnitus feststellen kann (beispielsweise eine Mittelohrentzündung), wird er sie in der Regel an einen Hals-Nasen-Ohren-Facharzt überwiesen. Dieser kann verschiedenen Untersuchungen durchführen. Dazu zählen beispielsweise:

  • ohrmikroskopische Untersuchung
  • Blutprobe
  • Test des Gehör- und Gleichgewichtssinns
  • orthopädische Untersuchung
  • Untersuchung des Kiefergelenkes
  • Tympanogramm (Untersuchung der Beweglichkeit des Trommelfells)
  • Ultraschall-Untersuchung
  • MRT-Untersuchung (Magnetresonanztomografie)
  • Tinnitus-Matching und -masking

Hier finden Sie eine Checkliste: Tipps für den Arztbesuch.

Wie wird ein Tinnitus behandelt?

Falls eine zugrunde liegende Erkrankung als Ursache für den Tinnitus festgestellt werden kann, konzentriert sich die Behandlung auf diesen Aspekt. Jemand, der etwa an einer bakteriellen Ohrenentzündung leidet, wird mit Antibiotika behandelt. Bauarbeiter, die mit lauten Bohrern arbeiten und dabei keinen Gehörschutz tragen, sollten einen Hörschutz verwenden.

Die Behandlungsmöglichkeiten bei Tinnitus sind vielfältig. Um eine geeignete Therapieform zu finden, muss der Arzt zunächst herausfinden, welche konkreten Ursachen vorliegen und in welchem Stadium (akut oder chronisch) sich der Patient befindet.

Liegt ein chronischer Tinnitus vor, wird in Beratungsgesprächen versucht, dem Betroffenen ein Verständnis für die Erkrankung und die Behandlungsoptionen zu vermitteln, sodass er besser mit seinen Symptomen umzugehen lernt.

Die Behandlungsmethoden im Überblick:

Bei akutem Tinnitus:

  • Cortison
  • Mittel, um die Fließeigenschaft des Blutes zu verbessern (Infusion)
  • gefäßerweiternde Mittel
  • physikalische/physiotherapeutische Behandlung
  • hyperbare Sauerstofftherapie (Druckkammertherapie)
  • kieferorthopädische Maßnahmen

Bei chronischem Tinnitus:

  • Entspannungstechniken (z. B. autogenes Training, Yoga)

  • Körpertherapien (z. B. Atemtherapie, Biofeedback)

  • psychologische Diagnostik und therapeutische Maßnahmen
  • Tinnitus-Retraining (Eindämmen der Wahrnehmung des Tinnitus-Tons)
  • Hörsystemanpassung mit Tinnitusmasker (Unterdrückung des Tinnitus-Geräuschs durch ein Hörgerät, das den Tinnitus-Ton verdeckt oder das Ohrgeräusch abmildert)
  • Selbsthilfegruppen und Tinnitus-Hotlines helfen Ihnen dabei, Ihr Problem besser zu verstehen

  • pflanzliche Arzneimittel, wie etwa Ginkgo biloba

  • andere alternative Methoden, etwa Akupunktur

  • Ernährungsumstellung

 

Wie kann ich einem Tinnitus vorbeugen?

Bestimmte Lebensstilfaktoren, insbesondere die Ernährung, können Ihre Symptome verschärfen. Schaffen Sie die besten Voraussetzungen für eine Linderung der Symptome:

Tipps zum Lebensstil

  • Reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum auf ein Minimum.

  • Senken Sie Ihren Koffeinkonsum. Das bedeutet, dass bestimmte Softdrinks und Schokolade sowie – natürlich! – Kaffee und Tee tabu sind.

  • Käse und übermäßig viel Salz können einen Tinnitus ebenfalls verschlimmern.

  • Treiben Sie regelmäßig Sport, um Ihren Kreislauf in Schwung zu halten. Das heißt nicht, dass Sie jeden Tag 15 Kilometer joggen müssen – den meisten von uns reicht ein 30-minütiger Spaziergang.

Wie sind die Heilungschancen?

Die Zahlen der Deutschen Tinnitus-Liga sind vielversprechend: Bei 80 Prozent der Betroffenen verschwindet ein akuter Tinnitus mit und ohne Behandlung vollständig. Die Liga rät dennoch, sich rechtzeitig in Behandlung zu begeben, da die Heilungschancen dadurch erhöht werden. Wer an Symptomen leidet, sollte immer so schnell wie möglich einen Termin bei seinem HNO-Arzt vereinbaren.

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