Gesundheit kompakt

Typ-2-Diabetes

Was ist ein Typ-2-Diabetes?
Was sind die Ursachen von Typ-2-Diabetes?
Was sind die Symptome von Typ-2-Diabetes?
Wie erkennt der Arzt Typ-2-Diabetes?
Wie wird Typ-2-Diabetes behandelt?
Wie kann ich Typ-2-Diabetes vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei Typ-2-Diabetes?

Was ist ein Typ-2-Diabetes?

Diabetes ist eine Stoffwechselerkrankung, die mit einem zu hohen Blutzuckerspiegel einhergeht. Es gibt zwei Hauptformen der Zuckerkrankheit: Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes. Typ-1-Diabetes bricht oft schon in jungen Jahren aus – die Zuckerkrankheit ist die häufigste Stoffwechselstörung im Kindes- und Jugendalter. Typ-2-Diabetes tritt am häufigsten nach dem 40. Lebensjahr auf. Die Körperzellen von Typ-2-Diabetikern reagieren entweder zu wenig empfindlich auf das blutzuckersenkende Hormon Insulin oder die Bauchspeicheldrüse schüttet zu geringe Mengen des Botenstoffs aus. In beiden Fällen steigt der Blutzuckerspiegel.

Das Hormon Insulin ist für den Transport des über die Nahrung aufgenommenen Zuckers aus dem Blut in die Muskel- und Fettzellen verantwortlich. Ein Insulinmangel führt dazu, dass der Blutzuckerspiegel steigt und die Körperzellen zu wenig mit Zucker versorgt sind.

Diabetes zählt zu den Volkskrankheiten. Derzeit sind in Deutschland etwa sechs Millionen Menschen an Diabetes erkrankt. 90 Prozent leiden an einem Typ-2-Diabetes, 300.000 an Typ-1-Diabetes – davon sind 25.000 Kinder. Zu diesen Zahlen kommt der Gesundheitsbericht Diabetes 2013. Allerdings schätzen Experten die Dunkelziffer als sehr hoch ein. Oft bleibt die Zuckerkrankheit lange unentdeckt, weil sich die Symptome erst spät zeigen.

Männer und Frauen sind ungefähr gleich häufig betroffen. Am höchsten sei der Prozentsatz der Diabetiker in der Altersgruppe der 60- bis 79-Jährigen, so die International Diabetes Federation (IDF). Bis zum Jahr 2030 werde die Zahl der Diabetiker in Deutschland auf rund acht Millionen steigen, so die Prognose der IDF. Weltweit lebten im Jahr 2010 etwa 285 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 79 Jahren mit Diabetes – Tendenz steigend.

Was sind die Ursachen von Typ-2-Diabetes?

Bei Personen mit Typ-2-Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse zwar noch Insulin, aber die Körperzellen reagieren zu wenig empfindlich auf das blutzuckersenkende Hormon . Mediziner sprechen von Insulinresistenz. Die Bauchspeicheldrüse versucht dies zu kompensieren und produziert immer größere Mengen des Botenstoffs, was schließlich zu einer Überlastung führt. Dann versiegt die Insulinproduktion und es kommt zum Insulinmangel. Auch die Ausschüttung des Insulins aus den Beta-Zellen der Langerhans’schen Inseln der Bauchspeicheldrüse kann gestört sein. In beiden Fällen ist ein zu hoher Blutzuckerspiegel die Folge.

Typ-1-Diabetes zählt dagegen zu den Autoimmunerkrankungen. Hier zerstört das körpereigene Immunsystem die insulinproduzierenden Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse. Der Insulinmangel führt ebenfalls zu erhöhten Blutzuckerwerten.

Risikofaktoren für einen Typ-2-Diabetes sind:

  • eine genetische Veranlagung für Typ-2-Diabetes; oft gibt es mehrer Zuckerkranke in der Familie. Ist ein Elternteil an Typ-2-Diabetes erkrankt, haben die Kinder ein erhöhtes Risiko für Diabetes.
  • Das Alter: mit zunehmenden Jahren sinkt die Insulinproduktion
  • falsche Ernährung
  • starkes Übergewicht (Fettleibigkeit oder Adipositas) – die Mehrzahl der Typ-2-Diabetiker ist übergewichtig
  • zu geringe körperliche Aktivität wie Sport und Bewegung.
  • erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin, Triglyceride), Übergewicht und Bluthochdruck gehen oft mit einer Vorstufe des Diabetes (Prädiabetes) oder Diabetes einher. Mediziner nennen die Kombination aus diesen vier Faktoren Metabolisches Syndrom.
  • Medikamente können ebenfalls den Zuckerstoffwechsel stören und Diabetes auslösen (diabetogene Medikamente)

Was sind die Symptome von Typ-2-Diabetes?

Typ-2-Diabetes beginnt meist schleichend. Betroffene haben lange Zeit keine oder nur unspezifischen Symptome, die auch bei anderen Krankheiten auftreten können. Oft erkennen Ärzte einen Typ-2-Diabtes nur durch Zufall im Rahmen von anderen Untersuchungen. Stellen Mediziner die Diagnose Diabetes, leiden Patienten oft schon unter diabetischen Folgeerkrankungen, zum Beispiel Schäden an den Augen oder den Nieren.

Die wichtigsten Diabetes-Symptome beim Typ-2 sind:

  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kraftlosigkeit
  • Häufige Infektionen, vor allem Haut- und Harnwegsinfekte
  • Klassische Symptome des Typ-1-Diabetes, etwa häufiges Wasserlassen oder Durstgefühl kommen selten vor.

Die fehlenden Symptome sind auch ein Grund, warum Typ-2-Diabetes im Schnitt erst acht bis zehn Jahr nach Ausbruch der Krankheit diagnostiziert wird.

Wie erkennt der Arzt Typ-2-Diabetes?

Die Diagnose Typ-2-Diabetes lässt sich anhand einer Blutzuckermessung stellen. Es gibt verschiedene Arten der Blutzuckermessung:

Nüchternblutzucker: Die Messung des Nüchternblutzuckers beweist, ob ein Diabetes vorliegt. Der Patient bleibt acht Stunden ohne Nahrungsaufnahme, der Wert wird morgens vor dem Frühstück aus dem Blut bestimmt. Ein Diabetes liegt vor, wenn der Wert bei ≥126 mg/dl bzw. ≥7,0 mmol/l liegt.

Gelegenheitsblutzucker: Liegt der Gelegenheitsblutzucker bei  ≥200 mg/dl bzw. ≥11,1 mmol/l, liegt ein Diabetes vor.

Oraler Glukosetoleranztest: Bei diesem Zuckerbelastungstest trinkt der Patient eine Flüssigkeit, die 75 Gramm Zucker enthält. Vor und zwei Stunden nach dem Trinken wird der Blutzucker gemessen. Beträgt er nach zwei Stunden ≥200 mg/dl bzw. ≥11,1 mmol/l, liegt ein Diabetes vor.

HbA1c-Wert: Das HbA1c zeigt, wie hoch die Konzentration des Blutzuckers im Durchschnitt der letzten sechs bis acht Wochen war. Mediziner nennen dies auch das Blutzuckergedächtnis. Ein Diabetes liegt vor, wenn das HbA1c ≥6,5 % bzw. ≥48 mmol/mol beträgt.

Steht die Diagnose Typ-2-Diabetes, werden Augenhintergrund, Nierenwerte, Blutfette, Nervenfunktion, Urin, Blutdruck und die Füße kontrolliert. So lassen sich eventuelle Folgeerkrankungen des Diabetes aufdecken.

Wie wird Typ-2-Diabetes behandelt?

Ein Typ-2-Diabetes lässt sich oft auch ohne Medikamente und Insulin behandeln. Die meisten Typ-2-Diabetiker haben Übergewicht, das es zu reduzieren gilt. Übergewicht verstärkt die Insulinresistenz. Im Zentrum steht eine Umstellung des Lebensstils mit einer gesunden Ernährung und mehr Bewegung.

Ernährung – weniger Kalorien

Ein Mensch nimmt ab, wenn er weniger Kalorien aufnimmt, als er täglich verbraucht. Diabetologen empfehlen eine Mischkost, die viele Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette enthält. Je ballaststoffreicher diese Kost ist, desto größer ist der Sättigungseffekt und desto leichter ist eine Kalorienreduktion zu erreichen. Viele Ballaststoffe lassen außerdem die Blutzuckerwerte nach dem Essen langsamer ansteigen.

Bewegung – auch im Alltag

Bewegung und Sport helfen beim Abnehmen und mindern die Insulinresistenz – dies gilt auch unabhängig davon, ob ein Mensch sein Gewicht durch Bewegung reduziert oder nicht. Empfehlenswert sind Ausdauersportarten wie Nordic Walking, Schwimmen, Laufen oder Radfahren. Auch Krafttraining wirkt sich positiv auf die Zuckerkrankheit aus. Der Anstieg der Muskelmasse lässt den Kalorienverbrauch klettern. Der Grund ist, dass Muskelzellen mehr Energie verbrauchen als Fettzellen.

Medikamente

Ein beginnender Typ-2-Diabetes lässt sich ergänzend mit  oralen Antidiabetika behandeln. Die Tabletten sorgen dafür, dass eine noch vorhandene Insulinproduktion und das vorhandene Insulin genutzt werden. Erst im weiteren Verlauf kann eine Insulintherapie nötig sein.

Gängige orale Antidiabetika sind Alpha-Glukosidase-Hemmer, Biguanide, Glitazone, GLP-1-Rezeptor-Agonisten, DPP-4-Hemmer, Sulfonylharnstoffe und Glinide sowie SGLT-2-Hemmer. Sie arbeiten nach verschiedenen Wirkprinzipien und greifen an unterschiedlichen Stellen des Körpers an. Oft werden die Medikamente in Kombination eingesetzt.

Wie kann ich Typ-2-Diabetes vorbeugen?

Typ-2-Diabetes entwickelt sich oft in Zusammenhang mit Übergewicht und Bewegungsmangel. Mit einem gesunden Lebensstil können Sie die Entwicklung von Diabetes verzögern oder die Zuckerkrankheit ganz verhindern.

Ihr Diabetesrisiko sinkt durch folgende Strategien:

  • Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht und Ihren Bauch- bzw. Taillenumfang – es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Bauchfett und Diabetesrisiko gibt. Wenn Sie übergewichtig sind, versuchen Sie, einige Kilos abzunehmen.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig – am besten an allen Tagen der Woche mindestens 30 Minuten. Gesund sind Ausdauersportarten wie Wandern oder Schwimmen. Versuchen Sie auch, mehr Bewegung in Ihren Alltag zu bringen, indem Sie mit dem Fahrrad zum Supermarkt fahren, die Treppen statt den Aufzug nehmen oder Spaziergänge machen. Schon fünf Minuten Bewegung bringen mehr als auf der Couch zu liegen.
  • Achten Sie auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukten (Ballaststoffe!), gesunden ungesättigten Fettsäuren (z.B. Olivenöl, Leinöl), wenig tierischen Fetten (z.B. Butter) und häufiger Fisch statt Fleisch.  Wählen Sie beim Fleisch eher weißes Fleisch wie Pute oder Hähnchen statt Rind-, Schweine-, Kalb- oder Lammfleisch.
  • Falls Sie Raucher sind – versuchen Sie einen Rauchstopp und bleiben Sie Nichtraucher.

Wie sind die Heilungschancen bei Typ-2-Diabetes?

Einen Typ-2-Diabetes können Sie über lange Zeit im Griff behalten durch eine gesunde Ernährung, ein normales Körpergewicht und Bewegung. Achten Sie darauf, dass Ihr Blutzucker dauerhaft gut eingestellt ist, sonst können Folgeerkrankungen auftreten. Dazu zählen:

  • Gefäßverkalkung mit Bluthochdruck, Schlaganfall und koronare Herzerkrankung (KHK) mit Herzinfarkt als Folgen
  • Nierenkrankheiten (Diabetische Nephropathie)
  • Augenkrankheiten (Diabetische Retinopathie, Grauer Star)
  • Nervenschädigung (Diabetische Polyneuropathie)
  • Störungen der Wundheilung und Diabetisches Fußsyndrom
  • Potenzstörungen (Erektile Dysfunktion)
  • Unterzucker oder Zuckerkoma (Hyperosmolares Koma)

Diabetiker können ein ganz normales Leben führen, zum Beispiel auch auf Reisen gehen. Wichtig sind also eine gute Blutzuckereinstellung und regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen bei Typ-2-Diabetes.