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Volvulus

Ein Volvulus wird in der Medizin auch Darmverschlingung oder Darmverdrehung genannt. Es handelt sich um eine seltene Erkrankung, die bereits pränatal diagnostiziert werden kann oder im frühen Säuglings- oder Kleinkindalter erkannt wird. Hier entsteht der Volvulus durch eine sogenannte Malrotation – eine gestörte Darmdrehung, die während der Schwangerschaft beim Embryo entsteht. So leidet auch Germany’s Next Topmodel (2014) Stefanie Giesinger an einem angeborenen Volvulus durch Malrotation. Aber auch erwachsene Patienten können an einer Darmverschlingung erkranken.

Was ist Volvulus?
Was sind die Ursachen von Volvulus?
Was sind die Symptome von Volvulus?
Wie erkennt der Arzt Volvulus?
Wie wird Volvulus behandelt?
Wie kann ich Volvulus vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei Volvulus?

Was ist Volvulus?

Volvulus beschreibt eine Drehung des Darms um seine mesenteriale Achse. Meist handelt es sich um einen Abschnitt des letzten Teil des Dickdarms, der sich um sich selbst dreht oder sich längsseitig einstülpt. Das wird dann im speziellen als Invagination oder Darmeinstülpung bezeichnet.

Im Dünndarmbereich tritt der Volvulus meist als Folge einer Malrotation im Kindesalter auf. Durch die Darmverdrehung wird die Blutversorgung eingeschränkt und der Darminhalt nicht weiter befördert. Folglich kommt es zu starken Bauchschmerzen.

Wenn der Darm nicht mehr mit genug Blut versorgt wird, kann dieser Darmabschnitt auch absterben. Das Absterben des Gewebes nennt man auch Nekrose. Dieser Zustand kann dann lebensbedrohlich werden. Auch ernste Bauchfellentzündungen können die Folge sein.

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Was sind die Ursachen von Volvulus?

Die Ursachen für eine Darmverschlingung sind noch nicht ausreichend geklärt. Bei erwachsenen Patienten kommt der Volvulus aber häufiger vor, wenn Menschen einen langen Dickdarm vorweisen. Auch eine schwere, ballaststoffreiche Ernährung führt zu einem größeren Dickdarm und erhöht somit das Risiko, an einer Darmverschlingung zu erkranken.

In manchen Krankheitsfällen wird die gestörte Darmdrehung bereits in der Embryonalentwicklung während der Schwangerschaft angesetzt. In diesem Fall spricht man von Volvulus durch Malrotation. Im ersten Trimester der Schwangerschaft bildet sich der Darm aus. In dieser Zeit kann es vorkommen, dass sich der Darm in einer untypischen Art dreht und nicht wie vorgesehen an der hinteren Bauchwand anliegt. Dann spricht man von Lageanomalien des Darms, die je nach Ausprägung auch Nonrotation oder Malrotation genannt werden.

Was sind die Symptome von Volvulus?

Bei einem Volvulus durch Malrotation kommt es zu einer Fehlbildung des Enddarms, die man anhand von Röntgenaufnahmen oder Ultraschall-Bildern erkennen kann. Ältere Menschen, die an einer Darmverschlingung leiden, zeigen Symptome wie Verstopfungen, aufgeblähten Magen und starke, krampfartige Bauchschmerzen.

Viele Patienten haben bei einem akuten Volvulus keinerlei Stuhl- oder Windabgang. Einige leiden auch unter Erbrechen und Übelkeit. Je schlimmer die Erkrankung wird, desto permanenter werden die Schmerzen, der Magen empfindlicher und die Patienten schwächer. Auch Fieber kann als Symptom hinzukommen und eine drohende Bauchfellentzündung andeuten.

Bei manchen Betroffenen entwickelt sich ein Volvulus zu einem Darmverschluss (Ileus). In diesem Fall spricht man von einem typisch mechanischen Darmverschluss. Patienten klagen über starke, meist plötzlich auftretende Bauchschmerzen, Erbrechen oder Verstopfung. Bei einem mechanischen Ileus ist eine Operation unbedingt erforderlich, um ein Absterben der Darmschlingen zu vermeiden.

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Eine Frau mittleren Alters schaut angestrengt aus.

Ein akuter Volvulus führt zu unangenehmen Verstopfungen. (c) Aaron Amat/Fotolia

Wie erkennt der Arzt Volvulus?

Bei Verdacht auf Volvulus muss der Erkrankte sofort einen Arzt aufsuchen. Im ersten Schritt werden Röntgenbilder oder Ultraschall-Aufnahmen des Abdomens gemacht. Bei Babys und Kinder weist in manchen Fällen lediglich ein geschwollener Bauch auf eine Darmverschlingung hin. In vielen Fällen muss der Arzt zusätzlich computertomographische Aufnahmen (CT) des Darms machen, auch um den genauen Ausgangspunkt der Erkrankung abzuklären.

Beim Volvulus des Colon sigmoideum – auch Sigmadarm, der letzte Teil des menschlichen Dickdarms genannt – findet sich häufig ein spezifisches Bild in den Aufnahmen. Durch massive Blähungen kommt es zu einem sogenannten Kaffeebohnenzeichen, bei dem eine aufsteigende Darmschlinge nah an eine absteigende gelegt ist, sodass sich die Silhouette einer überdimensionierten Kaffeebohne darstellt. Auch beim Volvulus des Zökums (Blinddarm) wird dieses Bild manchmal sichtbar.

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Wie wird Volvulus behandelt?

Bei Volvulus bleibt ein operativer Eingriff leider nicht aus. Durch die Verschlingung kommt es sehr schnell zur abgeschnittenen Blutzufuhr, das Absterben des betroffenen Gewebes erfolgt dann meist sehr rasch.

Durch eine Operation versucht der Arzt, den Darm wieder in seine natürliche Lage zurückzuversetzen. Falls Teile des Darms bereits betroffen sind, können diese im Rahmen der Operation entfernt werden. Bei sehr fortgeschrittener Krankheit kann ein künstlicher Darmausgang nötig sein. Um weiteren Verschlingungen vorzubeugen, fixiert der Arzt den Darm, indem er diesen beispielsweise an der Bauchwand festnäht.

Falls ein Volvulus durch eine Malrotation aufgetreten ist, wird meist eine Prozedur nach Ladd empfohlen. Hier bilden sich oft zwischen dem Blinddarm und der Bauchwand bindegewebsartige Stränge, die den Zwölffingerdarm einengen. Diese sogenannten Ladd’schen Bänder werden operativ oder im Rahmen einer Bauchspiegelung durchtrennt.

Wie kann ich Volvulus vorbeugen?

Einem Volvulus kann man per se nicht vorbeugen, vor allem nicht, wenn er durch Malrotation bereits im Kindesalter auftritt.

Allgemein kann man jedoch auf seine Darmgesundheit achten und somit das Risiko, an einer Darmverschlingung zu erkranken, minimieren. Dazu zählen eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit wertvollen Nährstoffen aus pflanzlichen Lebensmitteln, Gemüse und Obst. Ebenfalls für den Darm wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr in Form von Wasser oder ungesüßten Tees.

Speisen die schwer verdaulich sind, Alkohol und Nikotin sollten weitestgehend vermieden werden. Auch Sport ist gut für den Darm, da regelmäßige Bewegung die Verdauung anregt.

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Wie sind die Heilungschancen bei Volvulus?

Volvulus ist eine ernstzunehmende Erkrankung des Darms, die unbedingt behandelt werden muss. Die Prognose bei Volvulus ist abhängig von der Größe des betroffenen Darmbereichs und wie lange der Darm bereits von der Versorgung abgeschnitten ist.

Ohne Behandlung kann der Darm in äußersten Fällen reißen und Bakterien aus den Exkrementen können zu einer Blutvergiftung führen, die tödlich enden kann. Vor allem auch bei einem akuten Dünndarmvolvulus kann es zum Absterben von Darmabschnitten kommen, die zu einem Kurzdarmsyndrom führen können. Dann kommt es zu Störungen in der Verdauung und Nahrungsaufnahme, welche in manchen Fällen lebenslang zu Komplikationen führen können.

Um eine weitere Darmverschlingung zu verhindern, kann der Arzt den letzten Darmabschnitt operativ entfernen oder fixieren. Ein Rückfall ist dann äußerst selten.

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