Knochen, Muskeln & Gelenke

Kompartmentsyndrom: Ursachen, Symptome, Behandlung

Ein Kompartmentsyndrom tritt häufig bei einem Bruch des Unterschenkels auf. Es gehört zu den typischen Komplikationen. Etwa 70 Prozent der Fälle entstehen durch einen Unfall. Lesen Sie hier, wie die Erkrankung entsteht und wie Sie diese erkennen und behandeln.

Ärzte unterscheiden zwei Arten des Syndroms: ein akutes und ein funktionelles oder auch chronisches Kompartmentsyndrom.

Was bedeutet eigentlich Kompartment?

Ein Kompartment bezeichnet eine Muskelgruppe, die von einer straffen, nicht elastischen Bindegewebsschicht (Faszie) umschlossen ist. Typische, durch Faszien begrenzte Bereiche sind beispielsweise bestimmte Muskelgruppen an Armen und Beinen.

Kompartmentsyndrom: Was sind die Ursachen?

Auslöser eines akuten Kompartmentsyndroms sind in der Regel Blutergüsse, Schwellungen und Brüche. Durch die Verletzung erhöht sich der Gewebedruck innerhalb der verletzten Muskelgruppe. Ein Kompartmentsyndrom entsteht, wenn das Gewebe nach der Verletzung anschwillt und sich nicht ausdehnen kann. Zum Beispiel, weil es von Bindegewebe eng umschlossen ist. Oder weil es durch einen Gips daran gehindert wird. Der dadurch entstehende Druck, schadet dem Gewebe. Der Muskel ist nicht mehr gut durchblutet und Nervenbahnen sind unterbrochen. Auch eine Infusion oder Medikamente können das Syndrom verursachen.

Ein ganz besonderer Fall des Syndroms ist, wenn sich im Bauchraum der Druck erhöht. Das sogenannte abdominelle Kompartmentsyndrom tritt vor allem bei Patienten auf, die auf der Intensivstation liegen.

Immer häufiger beobachten Ärzte vor allem bei Extremsportlern oder Bodybuildern die funktionelle oder chronische Form des Syndroms. Dieses entsteht, wenn die Muskulatur zu rasch aufgebaut oder ständig zu stark belastet wird. Schwillt das Gewebe nach einer Verletzung an, kann es sich nicht ausdehnen, da das durchtrainierte Bindegewebe nicht nachgibt. Auch die Einnahme von Anabolika kann ein funktionelles Kompartmentsyndrom auslösen.

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Kompartmentsyndrom

Eincremen kann den Schmerz bei Kompartmentsyndrom lindern. (c) Colourbox.de

Kompartmentsyndrom: Was sind die Symptome?

Ein typisches Zeichen für eine Erkrankung ist ein akut einsetzender und bohrender Schmerz. Er kann auch krampfartig auftreten. Typisch ist, dass der Schmerz sich im Laufe der Zeit auch noch steigert. Er ist selbst mit einem starken Schmerzmittel kaum in den Griff zu bekommen.

Weitere Kennzeichen sind:

  • Druckschmerz
  • Störungen der Muskelfunktion
  • Verhärtung über der betroffenen Muskelgruppe (Kompartment)

Im weiteren Verlauf:

  • Parästhesien. Sie äußern sich zum Beispiel durch Kribbeln, „Ameisenlaufen“, Pelzigkeit oder Taubsein im betroffenen Bereich.
  • Hypästhesien, also starke Empfindlichkeit bei Berührungen und Druck
  • rasch folgende Sensibilitätsausfälle

Der Arzt diagnostiziert die Erkrankung meist nach einer Druckmessung im Muskel.

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Kompartmentsyndrom: Wie wird es behandelt?

  • Ein akutes Kompartmentsyndrom wird operiert. Während der Operation spaltet der Arzt die Faszien, die die betroffenen Muskeln umschließen.
  • Ein funktionelles oder chronisches Kompartmentsyndrom behandelt der Arzt konservativ: Betroffene müssen die sportliche Betätigung sofort einstellen und das schmerzende Körperteil kühlen. Damit das Syndrom nicht erneut auftritt, ist es ratsam, das Training schrittweise wieder aufzunehmen und in einem gesunden Rahmen zu halten.

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