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Medizinisches Cannabis – wem hilft es wirklich?

Große Teile der USA legalisierten in den vergangenen Jahren Cannabis, in Deutschland ist es mittlerweile für medizinische Zwecke zugelassen. Weltweit scheint sich etwas zu tun im Umgang mit einer Substanz, die im 20. Jahrhundert als Droge und nicht als Arzneimittel galt. Doch welchen medizinischen Nutzen birgt diese Pflanze wirklich?

Die Menschheit nutzt die Hanfpflanze (Cannabis) schon seit Jahrtausenden. Die Blattfasern dienen zum Beispiel als robuster Stoff für Kleidung und die Samen ergeben einen gesunden Snack. Neben Nutzhanf (Cannabis sativa) gibt es auch Hanfsorten mit berauschenden Inhaltsstoffen. Schon alte Hochkulturen in China oder Ägypten setzten diese Form von Hanf als Medizin ein. So war die Pflanze während des Großteils der Menschheitsgeschichte legal.

Erst im letzten Jahrhundert haben die meisten Staaten Hanf per Gesetz verboten – wegen der unberechenbaren psychoaktiven Wirkung der Pflanze, aber teils auch aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen. Dies bedeutete eine Hürde für Wissenschaftler, die die Wirkstoffe der Pflanze, sogenannte Cannabinoide, für Arzneimittel erforschen wollten. Daher gibt es vergleichsweise wenig Studien zu Cannabis. Doch seit einigen Jahren ist (nicht zuletzt wegen der staatlichen Liberalisierung vielerorts) eine Trendwende zu erkennen.

Welche Wirkstoffe sind in Cannabis enthalten?

Der bekannteste Cannabis Wirkstoff ist THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol). THC ist für den Rauschzustand verantwortlich und wirkt zudem appetitanregend, schmerzlindernd und entspannend. Weniger bekannt, aber in den meisten Sorten auch in relativ hoher Konzentration vorhanden, ist CBD (Cannabidiol). Cannabidiol kann unter anderem Entzündungen hemmen und Schmerzen lindern; es ist nicht psychoaktiv und verursacht daher keinen Rausch.

Neben diesen Bestandteilen gibt es viele weitere Cannabinoide, die meist nur in kleinen Mengen auftreten und über deren Wirkung Forscher noch wenig wissen. Doch die voranschreitende Liberalisierung der Gesetzeslage erlaubt Wissenschaftlern neue Gattungen zu züchten. Diese enthalten auch weniger bekannte Cannabinoide in zum Erforschen ausreichenden Mengen.

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Cannabis enthält u.a. krampflösende und entzündungshemmende Wirkstoffe. (c) Colourbox

Diese Patienten können von Hanf profitieren

In Deutschland wurde am 10. März 2017 ein neues Gesetz verabschiedet. Seither dürfen prinzipiell alle Ärzte Cannabis oder THC-haltige Medizin verschreiben, welche einer strengen Zulassung unterliegt. Entscheidend ist hierbei nicht vorrangig das Krankheitsbild an sich, sondern die Schwere der Erkrankung.

Eine vom Arzt verschriebene Cannabis-Therapie kann bei folgenden Beschwerden helfen:

  • Chronische Schmerzen
  • Multiple Sklerose
  • neurologische Leiden wie Epilepsie und Spastiken
  • Übelkeit und Erbrechen, infolge von Chemotherapien und anderen Behandlungen
  • starke Abmagerung (Kachexie), etwa bei schwerkranken Krebs- und Aids-Patienten

Auch Patienten mit Angststörungen, ADHS oder dem Tourette-Syndrom können die Cannabinoide helfen. Palliativmediziner verabreichen medizinisches Cannabis in einigen Fällen als sanftere Alternative zu Opiaten.

Zudem soll medizinisches Cannabis auch Menschen mit Morbus Crohn oder Rheuma helfen. Um den Nutzen für diese Patienten zu beweisen, bedarf es jedoch weiterer Studien.

Darreichungsformen von medizinischem Cannabis

Statt getrockneter Cannabisblüten (medizinisches Marihuana) zum Rauchen verschreiben Ärzte in der Regel Tabletten, Dragees oder Inhalatoren mit Cannabis-Extrakten. Diese gelten als wirksamer und verträglicher. Bekannte Arzneistoffe sind Dronabinol, Nabilon oder Nabiximols.

Medizinisches Cannabis: Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Cannabidiol-haltigen Arzneimitteln.

Neben klassischem Marihuana gibt es auch Cannabis-Medikamente. (c) eight8 / Fotolia

Dennoch ist medizinisches Cannabis nicht frei von negativen Folgen. Ob es zu Nebenwirkungen kommt, hängt vor allem von der Therapiedauer und der verabreichten Dosis ab.

Folgende Beschwerden können auftreten:

  • Schwindelgefühle
  • Blutdruckabfall und Müdigkeit
  • erhöhter Puls und Herzrasen
  • Kopfschmerzen
  • Psychosen
  • Augenreizungen
  • trockener Mund

Eine Abhängigkeit von Cannabis ist bei einer ärztlich überwachten Behandlung übrigens sehr unwahrscheinlich.

Sonderfall Cannabidiol

Im Gegensatz zu getrocknetem Cannabis oder Medikamenten mit THC, sind Arzneimittel mit reinem Cannabidiol (CBD) frei verkäuflich. Die Voraussetzung hierfür ist, dass sie weniger als 0,2% THC enthalten. CBD ist vor allem als Öl erhältlich (z.B. in Drogerien) und wird oral eingenommen.

CBD kann u.a. bei folgenden Beschwerden helfen:

  • Schlafprobleme
  • Stress
  • kleinere Entzündungen und dadurch bedingte Schmerzen

Aktueller Stand zu Cannabis als Medizin

Die bisherige Devise lautet hierzulande noch immer: Ärzte sollen Cannabis-Produkte erst verschreiben, wenn alle anderen Mittel versagen. Bislang nutzt die Medizin die Hanfpflanze vor allem, um Schmerzen zu lindern. Dies hängt aber wie bereits erwähnt vor allem damit zusammen, dass eine exakte Forschung zu Wirkung und Dosierung noch nicht vorliegt. Es gibt jedoch erste Ansätze, die ein großes Potenzial von Cannabis für den medizinischen Gebrauch vermuten lassen und wir können daher gespannt auf die Zukunft blicken.

Die Gesetzeslage vom März 2017 löst die davor benötigte Sondergenehmigung ab, die nur extrem selten vergeben wurde. Außerdem ist neu, dass gesetzliche Krankenkassen die Kosten für eine Behandlung mit medizinischem Cannabis im Regelfall übernehmen müssen. Dies hat zuletzt zu einer starken Nachfrage und damit verbundenen Liefer-Engpässen in Apotheken geführt.

Zugleich sind Ärzte sind gehemmt, was die Verschreibung eines Rezepts betrifft. Denn medizinisches Cannabis ist sehr teuer – es führt schnell zu einer Überschreitung des Praxisbudgets und bürokratischen Problemen mit den Krankenkassen. Außerdem befürchten viele Mediziner, als „Drogenärzte“ bezeichnet zu werden. In jedem Falle sollten Patienten eine Behandlung nur in ärztlicher Betreuung und auf keinen Fall in Eigenregie erproben.

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