Hausstaub-Milbenallergie: Das können Betroffene tun

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Hausstaub-Milbenallergie: Das können Betroffene tun

Wir teilen unser Zuhause mit Millionen von Mitbewohnern ─ den Milben. Die winzigen Tierchen sind an sich harmlos, auf ihre Ausscheidungen reagieren jedoch viele Menschen allergisch. Weil sich der Milben-Kot im Hausstaub sammelt, spricht die Medizin von einer sogenannten Hausstaub-Milbenallergie. Wir erklären, wie Betroffene den Milben Einhalt gebieten können.

Milben leben in fast jedem Haushalt und sind kein Zeichen für mangelnde Sauberkeit. Sie übertragen auch keine Krankheiten. Sie begleiten den Menschen seit Jahrtausenden und folgen ihm fast überall hin, weil er ihnen Nahrung liefert. Milben stechen oder beißen aber nicht, sondern ernähren sich von abgestorbenen Hautschuppen. Genauer gesagt fressen sie winzige Pilze, die auf den Schuppen wachsen. Im Schnitt verliert jeder Mensch ein bis zwei Gramm Hautschuppen täglich ─ genug, um über eine Million Milben einen Tag lang satt zu machen.

Was ist eine Hausstaub-Milbenallergie?

Da Milben viel fressen, hinterlassen sie auch ständig Ausscheidungen. Trocknet der Milben-Kot aus, zerfällt er und verbindet sich mit dem Hausstaub. Betroffene reagieren also nicht auf den Hausstaub an sich allergisch, sondern auf den Kot der Hausstaubmilben. Der Grund: Er enthält allergenhaltige Verdauungsstoffe.

Beim Einatmen von Hausstaub gelangen die Allergene an die Schleimhäute von Augen und Nase und lösen bei Allergikern eine starke Immunreaktion aus. Ihr Immunsystem reagiert überempfindlich und bekämpft das Allergen mit eigenen Antikörpern. Diese setzen dabei das Gewebehormon Histamin frei, welches dann Entzündungen und andere Beschwerden verursacht. Da sie unmittelbar gesundheitliche Probleme verursacht, gehört die Milbenallergie zum sogenannten Sofort-Typ beziehungsweise Allergie-Typ-I.

Symptome einer Milbenallergie

  • geschwollene Schleimhäute im Nasen-Rachen-Raum, Halsschmerzen
  • allergischer Fließ-Schnupfen (Rhinitis) oder eine verstopfte Nase
  • Hustenreiz und Niesanfälle
  • Kopfschmerzen
  • juckende, brennende oder gerötete Augen
  • allergische Bindehautentzündung
  • Hautprobleme: Ausschlag, Schwellungen, Rötungen, Bläschen
  • Schlafprobleme

Akute Hilfe gegen die Milbenallergie

Starke allergische Reaktionen können kurzfristig mit Medikamenten behandelt werden. Antihistaminika hemmen die allergische Reaktion, indem sie Rezeptoren im Körper blockieren, an die das Histamin sonst andocken würde. Auch Glucocorticoid-Medikamente können helfen, da sie entzündungshemmend und anti-allergisch wirken. Hautreizungen können mit Pflegeprodukten gelindert werden, die Inhaltsstoffen wie Dexpanthenol oder Urea enthalten.

Trotzdem bleibt bei all diesen Mitteln der Allergieverursacher bestehen. Besser ist es daher, die Milben direkt zu bekämpfen.

Die Milben-Anzahl reduzieren

Ein komplett milbenfreier Wohnraum ist kaum möglich, da die Tierchen sich zu schnell vermehren und auch jederzeit wieder von außen eingeschleppt werden. Allerdings gibt es viele einfache Maßnahmen, um die Milben in Schach zu halten und einen allergenarmen Wohnraum zu schaffen.

Die Luftfeuchtigkeit senken

Milben bevorzugen eine hohe Luftfeuchtigkeit von etwa sechzig bis achtzig Prozent. Liegt sie darunter, können die Tierchen weniger gut überleben. In Gebirgsregionen gibt es zum Beispiel kaum Milben, weil die Luft dort sehr trocken ist. Deswegen kann es hilfreich sein, die Luftfeuchtigkeit zu reduzieren. Dazu mehrmals täglich in allen Räumen für einige Minuten Stoßlüften, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Die optimale Raumfeuchtigkeit sollte bei etwa vierzig bis sechzig Prozent liegen.

Achtung: Im Winter senkt die Heizungsluft zwar die Luftfeuchte, sie kann aber allergische Beschwerden sogar begünstigen. Denn bei zu trockener Luft sterben viele Milben auf einmal. Ihre Körper setzen dann beim Zerfallen viele Allergene frei, die sich im Hausstaub sammeln. Zugleich steigt die erwärmte Zimmerluft nach oben und erzeugt kleine Luftwirbel, durch die sich der Hausstaub noch mehr verteilt. Daher ist es besonders im Winter wichtig regelmäßig zu putzen, um den Hausstaub zu beseitigen.

Das Bett vor Milben schützen

Milben lieben Betten, da es dort meistens warm und feucht ist und sie dort außerdem reichlich Hautschuppen zum Fressen finden. Folglich finden sich dort besonders viele Allergene. Ein weiteres Problem: Im Schlaf wälzen sich viele Menschen umher und wirbeln durch diese Bewegungen Staub und Allergene auf. Aus diesem Grund haben Betroffene besonders im Bett mit allergischen Reaktionen zu kämpfen. Sie sollten daher spezielle Überzüge für Matratzen und Bettwäsche verwenden. Diese sogenannten Encasings sind wasser- und luftdurchlässig und sorgen dafür, dass sich keine Feuchtigkeit im Bett staut. Zugleich sind sie so engmaschig vernäht, dass die Milben nicht nach außen dringen, sondern in Matratze und Laken eingeschlossen bleiben. So dringen keine Allergene nach außen, was die Allergien der Betroffenen abmildern kann. Übrigens übernimmt die Krankenkasse meist die Kosten für die Überzüge, wenn die Hausstaub-Milbenallergie nachgewiesen wurde.

Wichtig ist außerdem, die Bettwäsche regelmäßig und bei mindestens sechzig Grad zu waschen, um Milben abzutöten. Die Bettdecke, egal, ob aus Synthetik oder Daunen, sollte ebenfalls regelmäßig gewaschen werden. Eine Matratzenreinigung sollte jährlich erfolgen.

Beim Bettenmachen gilt: weniger ist mehr. Die Bettwäsche sollte nicht ausgeschüttelt werden, da sich dadurch allergenhaltiger Hausstaub im Raum verteilt. Besser ist es, die Decke einfach zurückzuschlagen. Dabei entweicht Feuchtigkeit, die durch nächtliches Schwitzen entstanden ist. Damit erst gar nicht so viel Luftfeuchte entsteht, muss die Luft im Schlafzimmer gut zirkulieren und entweichen können. Dabei helfen Bettgestelle mit Bettfüßen. Allergiker wählen am besten Bettenmodelle ohne Bettkasten und Stoffpolsterung, damit Milben dort nicht siedeln können.

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Eine Frau mit Milbenallergie

Im Bett haben Milben-Allergiker häufig starke Beschwerden. (c) Photographee.eu / Fotolia

Richtig sauber machen

Staubfänger wie offene Bücherregale sollten Sie am besten täglich mit einem feuchten Tuch abwischen. Auch Plüschtiere, Sofakissen und andere Gegenstände aus Stoff sind besonders große Milbenherde und sollten daher regelmäßig bei sechzig Grad oder mehr gewaschen werden. Tipp: Alles, was nicht so heiß gewaschen werden darf, in eine Plastiktüte packen und einen Tag lang ins Gefrierfach legen. Danach die abgetöteten Milben bei niedriger Temperatur  abwaschen.

Prinzipiell werden Allergikern keine Teppiche, sondern glatte Bodenbeläge empfohlen. Diese sind aber nur dann besser, wenn sie mindestens alle zwei Tage feucht gewischt werden. Andernfalls wirbelt der Hausstaub darauf ungebremst umher und kann allergische Reaktionen verschlimmern. Für Betroffene, die nicht ständig putzen möchten, sind Teppiche mit kurzem Flor besser. Sie halten die Staubteilchen fest, wodurch der Staubgehalt in der Luft wesentlich geringer ist. Diese Teppiche lassen sich auch problemlos mit einem Staubsauger reinigen.

Normale Staubsauger sind hierbei allerdings nicht empfehlenswert. Sie haben keinen speziellen Filter und blasen Staubteilchen durch die Lüftung wieder nach außen. Beim Kauf daher auf Staubsauger mit TÜV-Siegel für Allergiker achten. Diese haben einen sogenannten HEPA-Filter, auch bekannt als Schwebstofffilter, der selbst feinsten Hausstaub einsaugt und sicher festhält.

Weitere Tipps gegen Milben

  • (Kunst-)Ledermöbel statt Stoffpolster
  • Fußbodenheizung
  • Spezielle Luftfilter für Klimaanlagen und Dunstabzugshauben
  • Anti-Milbensprays
  • Keine Haustiere halten oder zumindest nicht ins Schlafzimmer lassen

Ob die Maßnahmen erfolgreich waren, können Betroffene ganz leicht selbst testen. Ein Milbentest aus der Apotheke misst die Anzahl der Milben-Allergene pro Gramm Hausstaub. Der Wert sollte bei Allergikern auf jeden Fall unter 10 Milligramm pro Gramm Staub liegen.

Hypo-Sensibilisierung

Wird die Milbenallergie nicht behandelt, oder haben Betroffene immer noch starken Kontakt mit Hausstaub, droht eine dauerhafte Überreizung mit den Allergenen. Die Beschwerden können sich verschlimmern und chronisch werden. Dabei kommt es häufig zu einem sogenannten Etagenwechsel: Die Symptome verlagern sich von den oberen auf die unteren Atemwege und es können chronische Bronchitis und Asthma entstehen. Um das zu vermeiden, kann eine sogenannte Hypo-Sensibilisierung (umgangssprachlich: Desensibilisierung) helfen.

Bei der Therapie verabreicht der Arzt Spritzen oder Tropfen, die den allergenen Stoff enthalten. Das geschieht in regelmäßigen Abständen, wobei die Dosis langsam erhöht wird. Das Ziel: Das Immunsystem soll sich an den Allergieauslöser gewöhnen und somit nicht mehr überempfindlich auf ihn reagieren. Im besten Fall bleiben allergische Beschwerden irgendwann ganz aus.

Eine Hypo-Sensibilisierung dauert jedoch meist drei bis fünf Jahre und erfordert Durchhaltevermögen. Die Therapie ist prinzipiell für Kinder und Erwachsene geeignet, es sind aber Nebenwirkungen wie Hautrötungen bis hin zu allergischen Schocks möglich. Bei Menschen, die an mehreren Allergien leiden, kann es zudem vorkommen, dass sich die Milbenallergie zwar verbessert, sich andere Allergien aber verschlimmern. Daher entscheidet der Arzt je nach Patient, ob die Therapie angewendet werden darf oder nicht.

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