Gesunde Ernährung

Milch: Ungesund oder zu Unrecht verteufelt?

Milch enthält viel Kalzium, das ist gut für Knochen und Zähne, also kommt sie auf den Tisch – so einfach war es früher. Was jahrelang als gesund galt, ist heute in Verruf geraten. Wer morgens sein Müsli mit Milch mixt, muss auf einmal Krankheiten und Übergewicht fürchten. Und was stimmt jetzt? Ist Milch ungesund oder vielleicht doch ungefährlich?

Die Milch macht’s oder eben nicht – daran scheiden sich die Geister. Einigen Studien zufolge erhöht Milch das Risiko, an Osteoporose und Krebs zu erkranken. Andere legen wiederum nahe, dass sie Herz und Kreislauf guttut. Bei so unterschiedlichen Ergebnissen verliert man leicht den Überblick. Milch trinken oder lieber nicht? Wir haben die wichtigsten Fragen gesammelt und beantwortet.

Was ist eigentlich drin in Milch?

Viel Gutes, daran lässt sich nicht rütteln. In Milch und Milchprodukten stecken Spurenelemente, Proteine und wichtige Aminosäuren, die unser Körper selbst nicht herstellen kann. Dazu noch fettlösliche Vitamine wie D, E und K, Vitamin A und B-Vitamine und natürlich Kalzium – davon findet sich in Milchprodukten mehr als in anderen Lebensmitteln. Der Vitalstoff ist die Basis unserer Knochen und Zähne und spielt bei zahlreichen Stoffwechselvorgängen eine wichtige Rolle.

> Kalzium hält die Knochen fit

Wie viel Milch ist gesund?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt 200 bis 250 Gramm Milch und Joghurt pro Tag. Hinzu kommen noch 50 bis 60 Gramm Käse, das sind zwei bis drei Scheiben. Dabei sind laut DGE fettarme Produkte zu bevorzugen, um die tägliche Fettzufuhr gering zu halten.

Milch ist in Deutschland ein beliebtes Nahrungsmittel mit Tradition – pro Kopf verdrücken wir etwa 90 Kilogramm Milchprodukte jährlich, daran hat sich in den letzten zehn Jahren nichts geändert. Die DGE-Tagesempfehlungen werden aber unterschritten: Durchschnittlich nehmen wir etwa 154 Gramm Milch bzw. Milcherzeugnisse und 38 Gramm Käse täglich zu uns.

Ist Milch nur etwas für Babys?

Ein häufiges Argument von Milchkritikern: Erwachsenen schadet Milch. Tatsächlich konnte sie vor 8000 Jahren noch kein Erwachsener richtig verdauen. Das dazu erforderliche Enzym schaltet sich automatisch ab, sobald wir aus dem Säuglingsalter und damit aus der Stillzeit raus sind. Mit dem Beginn der Viehzucht in der Jungsteinzeit hielt Kuhmilch als Nahrungsmittel Einzug. Und je mehr Milch die Menschen tranken, desto verträglicher wurde sie. Über all die Jahre hat sich unser Körper angepasst und wieder ein Enzym zur Verdauung des Milchzuckers eingeschaltet: Laktase.

Doch auch heute verträgt nicht jeder Kuhmilch. In Deutschland leiden etwa 15 Prozent unter einer sogenannten Laktoseintoleranz. Betroffene bilden zu wenig Laktase. Der Milchzucker Laktose kann nicht in seine verwertbaren Bestandteile zerlegt werden und landet unverdaut im Dickdarm. Dort gärt er und verursacht Magenschmerzen, Blähungen, Übelkeit und Sodbrennen.

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Die Tendenz? Experten gehen davon aus, dass wir Milch in Zukunft immer besser vertragen werden.

Die empfohlene Tagesmenge: ein Viertelliter Milch und zusätzlich ein oder zwei Scheiben Käse

Empfohlene Tagesmenge: ein Viertelliter Milch und zusätzlich ein bis drei Scheiben Käse.

Macht Milch dick?

Vollmilch schlägt mit 64 Kilokalorien pro 100 Milliliter ordentlich zu Buche und überbietet damit Säfte und Softdrinks. Aufgrund des hohen Nährstoffgehalts wird Milch übrigens zu den Nahrungsmitteln und nicht zu den Getränken gezählt.

Dass sich Milch in Massen – wie andere kalorienreiche Lebensmittel auch – irgendwann auf der Waage bemerkbar macht, dürfte logisch sein. Auch fettarme Milch ist mit 47 Kilokalorien immer noch ein Schwergewicht. Trotzdem: Eine ursächliche Verbindung zwischen Milchkonsum und Fettleibigkeit konnte bis jetzt wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden.

Die Überraschung: Einige Studien legen nahe, dass ein gesundes Maß an Milch sogar beim Abnehmen unterstützen kann. Angeblich soll sich das Kalzium positiv auf die Fettverbrennung auswirken. Damit der Effekt eintritt, müsste man aber an anderer Stelle einsparen, also eine kleine Diät halten.

Erhöht Milch das Risiko für Krebs?

Einigen Studien zufolge steigt bei Vielmilchtrinkern (mehr als ein Liter am Tag) das Risiko für Prostatakrebs an. Die übermäßige Zufuhr von Kalzium soll demnach ein Wachstumshormon im Blut erhöhen, das die Zellteilung in der Prostata ungewöhnlich zu fördern scheint. Das Max Rubner-Institut (MRI) stuft in seiner Bewertung von Milchprodukten den Zusammenhang von Kalzium und Prostatakrebs als „möglich“ und „wahrscheinlich“, nicht aber als bewiesen ein.

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Im Fall von Dickdarmkrebs sieht es anders aus: Hier wird hohem Milchkonsum sogar ein schützender Effekt zugesprochen. Zwei Gläser täglich sollen das Risiko für diese Krebsart verringern.

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Halten wir fest: Milch und Milchprodukte beeinflussen möglicherweise das Krebsrisiko. Männer sollten ihren Verbrauch im Blick haben, Frauen können beruhigt sein. Zu anderen Krebsarten sieht das MRI keine Verbindung. Außerdem: Die Entstehung von Krebs hängt von einer Reihe äußerer und innerer Faktoren ab, pauschale Aussagen können darum kaum getroffen werden.

Gesunde Ernährung ist vor allem pflanzlich

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Schützt Milch vor Osteoporose?

Ein Liter Milch enthält etwa 1.200 Milligramm Kalzium. Unsere Knochen sind auf dem Mineral aufgebaut, darum liegt es nahe, dass Milch sie vor Brüchigkeit schützt.

Richtig ist, dass eine regelmäßige Kalziumzufuhr gerade für Kinder im Wachstum wichtig ist, damit die Knochen auch im Alter möglichst lange möglichst stark und stabil bleiben. Beim Knochenaufbau kann Milch also unterstützend wirken. Der Abbau von Knochenmasse infolge von Osteoporose hingegen lässt sich nicht durch Milchtrinken vermeiden. Bei der Entstehung der Krankheit spielen neben ungenügender Kalziumversorgung andere Faktoren eine Rolle – genetische Veranlagung, Bewegungsmangel oder zu wenig Tageslicht und in der Folge zu wenig Vitamin D zum Beispiel.

Für neue Aufregung in der Milch-Diskussion sorgte zuletzt eine schwedische Studie. Die Forscher wollen herausgefunden haben, dass mit dem Milchkonsum auch das Risiko für Osteoporose steigt. Ernährungswissenschaftler vom Max Rubner-Institut geben Entwarnung: Sie sehen zwischen Milchverzehr und Knochenbrüchen im Alter keine Verbindung – weder schützt das tägliche Glas vor Osteoporose noch erhöht es die Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken. Trotzdem gilt: Wer sich an die empfohlene Tagesmenge hält, ist auf der sicheren Seite.

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Beugt Milch Krankheiten vor?

Gute Nachrichten für Milchliebhaber: Studien deuten darauf hin, dass Milch das Risiko für Bluthochdruck verringert. Das gilt vor allem für fettreduzierte Produkte. Auch für Diabetes Typ 2 wird ein schützender Effekt angenommen.

Gesundmacher Rohmilch? Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München zufolge haben Kinder seltener mit Atemwegserkrankungen, Fieber und Mittelohrentzündungen zu kämpfen, wenn sie regelmäßig Frischmilch trinken. Die schützenden Effekte führen sie auf hitzeempfindliche Inhaltsstoffe roher Milch zurück, die bei industrieller Aufbereitung verloren gehen. Dennoch: Weil das unbehandelte Produkt bakteriell belastet sein kann, führt an der Verarbeitung kein Weg vorbei. Die Wissenschaftler raten daher zu schonenden Verfahren.

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Geht’s auch ganz ohne?

Milch und Milchprodukte sind gute Quellen für viele Nährstoffe – allen voran Kalzium. Die einzigen sind sie aber nicht. Brokkoli, Grünkohl, Haselnüsse und Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen und Linsen sowie bestimmte Mineralwasser liefern ebenfalls Kalzium.

Unser Fazit: Niemand muss sich vor Milchprodukten fürchten. Stattdessen sollten wir lernen, wieder mehr auf unser Bauchgefühl zu setzen. Am Ende ist es wie mit jedem anderen Lebensmittel: Der Nutzen für unsere Gesundheit steht und fällt mit einem gesunden (Mittel)Maß. Wem die Milch allerdings nicht schmeckt, der muss sie auch nicht trinken.


Quellen: