Nieren & Harnwege

Organspende: Das sollten Sie wissen

Organspende – das ist ein hochsensibles Thema, mit dem sich die meisten nicht gern befassen. Richtig oder falsch gibt es hier nicht. Wichtig ist allein, rechtzeitig eine Entscheidung zu treffen. Und dafür braucht es Information. Wir haben für Sie die Antworten auf die 10 häufigsten Fragen zur Organspende.

Heilung oder neue Lebensqualität – für 11.000 schwer kranke Menschen in Deutschland erfüllt sich diese Hoffnung nur, wenn ihr krankes Organ ersetzt wird – durch eine Transplantation. Das bedeutet wiederum, dass ein anderer Mensch dieses Organ nach seinem Tod spendet.

Was in der Theorie einfach klingt, ist in der Praxis nach wie vor schwierig. Noch entscheiden sich zu wenige Menschen dafür, im Falle des Falles Organspender zu sein. Die Gründe dafür sind vielfältig und individuell ganz unterschiedlich.

Wichtig ist: Sich gegen eine Organspende zu entscheiden, ist Ihr gutes Recht – ohne Angabe von Gründen oder gar Rechtfertigung. Entscheidend ist jedoch, dass Sie eine Entscheidung treffen. So kann im entscheidenden Moment einem schwer kranken Menschen geholfen werden und gleichzeitig bleibt Ihren Angehörigen eine schwere Entscheidung erspart.

Frage 1: Muss ich mich als Organspender offiziell registrieren lassen?

Nein. Als Organspender muss man sich nicht registrieren lassen. Entsprechend wird die Entscheidung, Organspender zu sein, auch nirgendwo gespeichert. Organspender ist, wer einen korrekt ausgefüllten Organspendeausweis bei sich trägt. Wer das nicht möchte oder kann, sollte eine Person seines Vertrauens über die Entscheidung informieren und ihr mitteilen, wo der Organspendeausweis zu finden ist. Liegt kein Organspendeausweis vor, können die Angehörigen einer Organentnahme zustimmen.

Frage 2: Was ist die medizinische Voraussetzung beim Spender für eine Organspende?

Ein eigenes Gesetz regelt, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit Organe gespendet werden können. Zum einen muss beim möglichen Spender ein unumkehrbarer Ausfall aller Hirnfunktionen, der sogenannte Hirntod, festgestellt worden sein. Der Hirntod kann die Folge einer Hirnblutung, -verletzung oder eines Hirntumors sein. Zur Feststellung wird ein strenges Verfahren angewandt, das in einer Richtlinie der Bundesärztekammer genau festgelegt ist.

Zum anderen muss der Verstorbene oder seine Angehörigen einer Organspende zugestimmt haben.

Frage 3: Wie sicher ist die Diagnose des Hirntods?

Das Risiko, dass die Feststellung des Hirntods fehlerhaft ist, ist bei einem Organspender sogar niedriger als bei einem Nicht-Organspender. Der Grund: Bei einer Organspende müssen zwei Ärzte unabhängig voneinander den Hirntod feststellen. Das ist normalerweise nicht der Fall.

Wird ein Intensiv-Patient für hirntot erklärt und ist er Organspender, wird die Intensivbehandlung fortgesetzt bis zum Zeitpunkt der Organspende. Bei einem Nicht-Spender werden die Maschinen nach der Hirntod-Diagnose abgestellt.

Frage 4: Wann bin ich zu alt dafür, Organe zu spenden?

Es gibt keine Altersgrenze bei der Organspende. Auch eine „alte“ Niere kann für einen Dialyse-Patienten die Rettung sein. Ob Organe für eine Transplantation geeignet sind, wird erst dann medizinisch geprüft, wenn der Fall einer möglichen Organspende eintritt. In Deutschland gab es bereits Spender, die über 90 Jahre alt waren.

Frage 5: Sind Organspender immer Unfallopfer?

Prinzipiell kommt jeder Hirntote auf einer Intensivstation als Organspender in Frage. Nur etwa 15 Prozent der Spender sind Opfer eines Unfalls. Derzeit stammen Spenderorgane vor allem von Menschen, die an einer Hirnblutung gestorben sind.

Frage 6: Wenn ich einer Organspende zugestimmt habe, wie kann ich sichergehen, dass im Falle des Falles alles getan wird, um mein Leben zu retten?

Ärzte und Pfleger sind dem Wohl ihrer Patienten verpflichtet – das heißt: Sie setzen zu jeder Zeit ihre ganze Energie dafür ein, Leben zu erhalten. Aus demselben Grund finden Ärzte und Pfleger Organentnahmen oft belastend – denn die Operation dient nicht dem Wohl des Menschen, an dem der Eingriff stattfindet.

Frage 7: Welche Erfolgsaussichten hat eine Transplantation überhaupt?

Transplantationen haben sehr häufig Erfolg. Ein Jahr nach einer Nierentransplantation leben noch 95 Prozent der Patienten. Nach drei Jahren sind es noch 91 Prozent. Drei Jahre nach einer Herztransplantation leben noch 75 Prozent der Menschen. Viele Empfänger können nach der Transplantation ein völlig normales Leben führen.

Frage 8: Wer erhält meine Organe?

Die Verteilung von Organen erfolgt ausschließlich nach medizinischen Kriterien, wie der Dringlichkeit und den Erfolgsaussichten der Transplantation. Um sicher zu gehen, dass die Transplantation so erfolgreich wie möglich ist, werden folgende Faktoren bei Spender und Empfänger berücksichtigt: Blutgruppe, Alter, Gewicht und Gewebemerkmale. Je ähnlicher sie sich sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Organ später abgestoßen wird.

Frage 9: Wie wird mit dem Körper eines Spenders nach der Organentnahme umgegangen?

Die Entnahme der Organe findet in einem normalen Operationssaal statt. Beim Eingriff wird der Körper würdevoll behandelt und keinesfalls entstellt. Anschließend wird er wieder verschlossen, so dass die Angehörigen sich von ihrem Verstorbenen verabschieden können und eine normale Bestattung möglich ist.

Frage 10: Gibt es Krankheiten, die eine Organspende unmöglich machen?

Wer unter Infektionen wie Hepatitis oder HIV beziehungsweise unter einer Krebserkrankung leidet, kann keine Organe spenden. Bei allen anderen Erkrankungen entscheiden die Ärzte nach gründlicher Untersuchung, ob eine Organspende infrage kommt.

Leidet ein Organspender an einer chronischen Krankheit, sollte er dies auf seinem Organspendeausweis vermerken.


Einen Organspendeausweis können Sie hier herunterladen. Einfach ausdrucken, ausfüllen und zusammen mit dem Personalausweis immer bei sich tragen.