Gesunde Ernährung

Podcast “sag mal, Anna”: Wer is(s)t gesünder – Veganer oder Vegetarier?

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WER IS(S)T GESÜNDER: VEGANER ODER VEGETARIER?

Welche Ernährungsfragen brennen euch unter den Nägeln? Schreibt mir einfach unter: anna@rtv.de
Vielleicht beantworte ich eure Frage dann schon in der nächsten Folge von “sag mal, Anna”.

Alles Liebe,
eure Anna

Bitte beachten Sie: Gerne beantwortet Anna Ihnen allgemeine Fragen zur Ernährung. Die Bereitstellung von Gesundheitsdaten ist dabei nicht Bestandteil der Nutzung von „Sag mal, Anna“.


Fleischlos essen ist längst kein kurzfristiger Hype mehr, sondern hat fest in unseren Alltag Einzug genommen. Ganz gleich, ob nur hin und wieder Fleisch auf den Tisch kommt, wie bei den sogenannten Flexitariern oder ob Fleisch und Fisch gestrichen werden oder sogar alle tierischen Lebensmittel einschließlich Eier und Honig vom Speiseplan verschwinden.

Ganz klar: Für viele Vegetarier, Flexitarier und Veganer geht es dabei um das Tierwohl. Dennoch legt die Mehrzahl auch Wert darauf, dass ihr Essen auch gesünder ist als das der „Allesesser“. Aber stimmt das auch? Ist es wirklich gesünder kein Fleisch zu essen? Und wenn ja, wer liegt vorne: Vegetarier oder Veganer?

Vegetarier haben einen gesünderen Lebensstil

Seit den 1980er Jahren gibt es zahlreiche, großangelegte Vegetarierstudien, die untersuchen, welchen Einfluss Fleischverzicht auf die Gesundheit hat. Doch das ist gar nicht so einfach zu untersuchen, denn Vegetarier leben insgesamt gesünder als der durchschnittliche Fleischesser. Sie essen mehr Gemüse, rauchen weniger, trinken seltener Alkohol und treiben mehr Sport.

Das bedeutet: beim direkten Vergleich von Vegetariern mit der Gesamtbevölkerung/Durchschnittsbevölkerung schneiden Vegetarier immer besser ab. Aber ob das tatsächlich mit dem Fleischverzicht zu tun hat, kann man von den Ergebnissen nicht ableiten.

Deshalb wurden in den aussagekräftigen Studien nicht Vegetarier mit der Durchschnittsbevölkerung verglichen, sondern mit Fleischessern, die ebenfalls gesund leben, also nur wenig Fleisch essen, wenig Alkohol trinken, selten Rauchen, kein Übergewicht haben und sich viel bewegen.

Die wichtigsten Ergebnisse, die man aus diesen Studien gezogen hat:

Beide Gruppen: Vegetarier und gesundheitsbewusste Fleischesser haben eine nur halb so hohe Sterblichkeitsrate wie die Durchschnittsbevölkerung. ODER ANDERS: Beide Gruppen haben eine ähnlich hohe Lebenserwartung. ABER weil Vegetarier weniger von den ungesunden tierischen Fetten aufnehmen, sterben sie seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Und auch insgesamt sind Vegetarier seltener von Herzerkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt betroffen, genauso wie von Krebs, bekommen seltener Typ-2-Diabetes, haben bessere Cholesterinwerte und deutlich seltener Übergewicht.

Leider wurden in den Studien nur selten Veganer untersucht. Und wenn dann nur am Rande. Die wenigen Studien, die auch Veganer berücksichtigen, konnten zeigen, dass diese oft in den gleichen Kategorien noch etwas besser abschnitten als die Vegetarier, weil sie mit rein pflanzlicher Ernährung gar kein Cholesterin zu sich nehmen, ausschließlich pflanzliche Fette und noch mehr Ballaststoffe.

Auf diese Nährstoffe sollten Vegetarier und Veganer besonders achten

Egal ob Vegetarier oder Veganer: Wer auf bestimmte Lebensmittel verzichtet und seinen Speiseplan einschränkt, muss in jedem Fall aufpassen genug Nährstoffe zu bekommen. Für Veganer ist das eine schwierigere Aufgabe als für Vegetarier. Denn: Je größer der Verzicht, desto bessere Kenntnisse und desto mehr Anstrengungen sind nötig, um keinen Mangel zu bekommen.

Vegetarier müssen vor allem achten auf

  • Eisen
  • Zink und
  • Omega 3 Fettsäuren (EPA und DHA)

Veganer sollten auf folgende Nährstoffe achten

  • Kalzium
  • Vitamin B12
  • Vitamin B2
  • Vitamin D
  • Jod
  • Eiweiß

Und deshalb wurde in den Studien auch festgestellt, dass Veganer schlecht mit diesen Nährstoffen versorgt sind. Bei Vitamin B12 hatte sogar die mehr als die Hälfte einen Mangel und auch das Defizit an Kalzium spiegelt sich in einem höheren Osteoporoserisiko wider.

Wer is(s)t nun gesünder: Veganer oder Vegetarier?

Die Frage ob Vegetarier oder Veganer gesünder essen, ist schwierig zu beantworten, da fast nur Studien zu Vegetariern existieren. Veganer wurden nur ab und zu und wenn dann nur am Rande untersucht. Außerdem sind die Studien fast alle schon 20 bis 30 Jahre alt. Die modernen Veganer finden in den Supermärkten mittlerweile eine Vielzahl an Ersatzprodukten: von der Pflanzenmilch über Fleischersatzprodukte bis zum veganen Käse- und Ei-Ersatz. Wie sich der Konsum dieser Produkte langfristig auswirkt, ist überhaupt noch nicht untersucht. Genauso wenig wie eine langfristige vegane Lebensweise.

Zwar haben Veganer an einigen Punkten die Nase vorn, aber das Risiko für einen Nährstoffmangel und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken ist auch ziemlich hoch. Vegan sollte also wirklich nur durchziehen, wer sich sehr gut auskennt und wer bereit ist viel Zeit ins Austüfteln eines geeigneten Ernährungsplans zu stecken. Außerdem gehören jährliche Kontrollen beim Arzt mit dazu.

Bei Vegetariern gibt es hingegen gut untersuchte Vorteile. Weniger Herz-Kreislauferkrankungen (wie Bluthochdruck, Schlaganfall, Herzinfarkt) und Krebs, seltener Typ-2-Diabetes oder Übergewicht. Dennoch ist die Sterblichkeitsrate ODER Lebenserwartung gleich mit derer, die wenig Fleisch essen und gesund leben.

Was man nicht vergessen darf: der Einfluss anderer Faktoren auf die Gesundheit ist viel größer als das Fleischessen selbst. Zu den größten Risikofaktoren zählen Rauchen (erhöht die Sterblichkeit um 70%), Alkohol (fördert Krebs) und Bewegungsmangel (steigert das Risiko für Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 30%). Übergewicht hat ebenfalls negativen Einfluss auf die Herzgesundheit.

Mein Fazit für euch

Wer gerne Fleisch isst, muss nicht komplett darauf verzichten. Selten Fleisch essen, dafür reichlich Pflanzliches und ein insgesamt gesunder Lebensstil sind sinnvoller als der reine Fleischverzicht. Und dann habt ihr auch keine gesundheitlichen Nachteile zu erwarten.

 

Bis zum nächsten Mal,

Eure Anna


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