Alternativmedizin & Naturheilkunde

Rolfing – Den Körper ins Lot bringen

Rolfing gehört zu den manuellen Körpertherapien. Die Behandlung soll Ihren Körper wieder ins Gleichgewicht bringen und Beschwerden wie Rücken-, Schulter- oder Knieschmerzen auflösen.

Rolfing konzentriert sich auf Ihr Bindegewebe. Spezielle Handgriffe des Therapeuten machen Körperstellen, die durch Überlastung oder Verletzung schmerzhaft versteift sind, wieder geschmeidiger und flexibler. Genau dosierter Druck löst Verklebungen und Verhärtungen. Die Anwendungen erreichen nicht nur Ihre äußeren Körperschichten, sondern auch das tiefe Bindegewebe, die Faszien.

Die US-amerikanische Naturwissenschaftlerin Ida Rolf entwickelte die Methode in den 1950er Jahren. Anfangs hieß sie strukturelle Integration. Heute praktizieren mehr als 2200 Therapeuten in über 50 Ländern die Methode unter dem Namen “Rolfing”.

Worauf basiert Rolfing?

Ida Rolf schuf ihre körpertherapeutische Methode aus ihren Erfahrungen mit Osteopathie, Chiropraktik und Yoga. Alle drei Lehren basieren auf dem Bewusstsein, dass sich Körper, Geist und Seele bestenfalls in Balance zueinander befinden. Die Ordnung innerhalb des Körpers und daher auch die Ausrichtung seiner Teile und deren Verhältnis zueinander spielen eine wichtige Rolle für das Wohlbefinden. Dieser ganzheitliche Ansatz bildet die Basis des Rolfings.

Ida Rolf erkannte eine weitere Beziehung: Die Schwerkraft übt einen entscheidenden Einfluss auf unseren Körper aus. Um mit der Schwerkraft in Einklang zu sein, sollten laut Rolf Kopf, Rumpf, Becken, Beine und Füße möglichst gerade entlang einer Lotlinie angeordnet sein. So findet der Körper Halt auf dem Boden und benötigt weniger Energie und Kraft für Aufrichtung und Bewegung.

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Das Ziel der Therapie

Rolfing will die Statik des Körpers verändern und ihn in Einklang mit der Erdanziehung bringen. Jeder Mensch hat seine eigene Statik und Dynamik, die sich in der Körperhaltung zeigt. Ziel des Rolfings ist eine mühelose, aufrechte, entspannte Körperhaltung. Der Patient soll eine tiefe, freie Atmung und uneingeschränkte Bewegungsfreiheit gewinnen.

Therapeuten behandeln mit speziellen Grifftechniken, die gezielt auf die Faszien wirken. Faszien sind ein körperweites Netzwerk, sie geben uns Halt und Form. Sie umhüllen alle Muskeln, Organe und Gefäße, bilden Sehnen und Bänder. Die Therapie erfolgt im Liegen, im Sitzen, teils im Stehen. Zum Teil wirkt der Patient aktiv mit. Ziel ist es, Haltungsmuster zu entdecken und gegebenenfalls zu ändern.

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Ein Rolfing-Therapeut behandelt das Knie einer Patientin.

Durch spezielle Handgriffe soll der Körper wieder ins Gleichgewicht kommen. (c) Colourbox

Wie verläuft die Behandlung?

Kernstück der Rolfing-Therapie sind zehn aufeinander abgestimmte Sitzungen zur inneren und äußeren Aufrichtung des Menschen. Sie sollen Ihren Körper Schritt für Schritt wieder ins Lot bringen. Zuerst lösen sie äußere Verspannungen, um danach in tiefere Schichten vorzudringen und ältere Haltungs- und Bewegungsmuster zu optimieren.

Sitzung 1 bis 3

Die ersten drei Sitzungen sollen Ihre inneren Spannungsmuster auflösen. Ihre Atmung sollte danach freier fließen, Schulter, Nacken, Arme und Hände sich beweglicher anfühlen.

Sitzung 4 bis 7

Sie gelten als die Kernsitzungen, die tiefere Faszienschichten ansprechen. Sie werden so gelöst, dass Ihre Muskeln wieder frei in ihrer Gewebehülle gleiten können.

Der Oberkörper richtet sich auf, das Becken bewegt sich fließend und ermöglicht den Beinen einen größtmöglichen Bewegungsspielraum. Die störungsfreien Verbindungen von Kopf, Rumpf und Beinen entlasten alle Abschnitte der Wirbelsäule.

Sitzung 8 bis 10

Der Schwerpunkt der letzten Sitzungen liegt auf dem freien Fließen der Bewegung und der Frage, welche Körperstrukturen das noch verhindern. Ziel ist es, ein vertieftes Gespür für Verbindungen der Strukturen des eigenen Körpers zu entwickeln. Dieses Spüren ermöglicht eine verfeinerte Innen-Wahrnehmung. Es ermöglicht, auch nach Abschluss der Therapie immer wieder zu einer gelösten, aufrechten Haltung zurückzufinden.

Für wen eignet sich die Therapie?

Rolfing eignet sich für Menschen jeden Alters. Zu den Beschwerdebildern zählen:

  • chronische Rückenschmerzen,
  • Verspannungen im Nacken und Schulterbereich,
  • Bewegungseinschränkungen oder Schmerzen in Hüfte, Knien oder Füßen.

Rolfing soll außerdem

  • nach Unfällen oder Operationen dazu beitragen, Schonhaltungen aufzulösen und zu freier Beweglichkeit zurückzufinden,
  • Sportlern helfen, effizientere Bewegungsabläufe zu erreichen,
  • Musiker, Tänzer oder Schauspieler unterstützen, ihre Körperwahrnehmung und Ausdrucksmöglichkeiten zu verbessern.

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Für wen kommt die Behandlung nicht infrage?

Wenn Sie unter einer der folgenden Beschwerden oder Krankheiten leiden, sollte Sie sich nicht mit Rolfing behandeln lassen:

  • akuter Bandscheibenvorfall
  • Aneurysemen (Gefäßerweiterung)
  • Atherosklerose (Gefäßverengung)
  • degenerative Muskelerkrankungen
  • frische Verletzungen
  • Krebsleiden
  • Osteoporose
  • rheumatoide Arthritis (entzündliche Gelenkerkrankung)
  • schwere Herzerkrankungen
  • Schwangerschaft
  • Venenentzündung

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Kritik am Rolfing

Bisher gibt es keine seriösen wissenschaftlichen Studien, die die Wirksamkeit des Rolfings beweisen können. Deshalb übernehmen Krankenversicherungen üblicherweise die Kosten der Therapie nicht.

Wie finden Sie einen Therapeuten?

Rolfing-Therapeuten finden Sie beispielsweise über den Rolfing Verband Deutschland e.V.