Schlafwandler kennen nachts keine Schmerzen

Kopf & Psyche

Schlafwandler kennen nachts keine Schmerzen

Schlafwandler spüren in der Nacht häufig keinen Schmerz. Das zeigte eine Studie. Warum ist das so und wieso schlafwandeln wir überhaupt?

Schlafwandler verlassen nachts ihr Bett und geistern über Stock und Stein. Sie befinden sich in einem Zustand irgendwo zwischen Schlaf und Wachsein und bei vielen von ihnen ist auch die Schmerzempfindung heruntergefahren. Diesen kuriosen Fakt brachte eine Studie aus Frankreich ans Licht.

Schlafwandler: Was ist Schlafwandeln?

Schlafwandeln (Fachbegriff: Somnambulismus oder Somnambulie) ist ein Phänomen, bei dem der Betroffene während er schläft das Bett verlässt und mehr oder weniger aktiv wird. Der Zustand dauert meist nur wenige Minuten an. Am nächsten Morgen kann sich der Schlafwandler an seinen nächtlichen Ausflug nicht erinnern.

Die schlafwandlerischen Eskapaden dauern von 30 Sekunden bis hin zu mehreren Minuten. Häufig erinnern sich die Schlafwandler am nächsten Morgen nicht an ihre nächtlichen Aktivitäten. Ein Blick auf ihr Gehirn zeigt größtenteils die gleichen Muster wie im Tiefschlaf (REM-Schlafphasen). Nur die motorischen Bereiche sind überraschend aktiv.

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Ist Schlafwandeln gefährlich?

Faszinierend und kennzeichnend für dieser Schlafstörung ist, dass die Betroffenen während des Schlafes alltägliche oder völlig sinnlose Tätigkeiten ausführen. Obwohl diese Aktivitäten meist sehr kurz andauern reichen sie vom relativ ungefährlichen Verlassen des Bettes bis hin zu gefährlichen und waghalsigen Handlungen wie Autofahren oder aus dem Fenster klettern.

Schlafwandelnde Frau

Schlafwandeln kann zu Verletzungen führen, (c) Africa Studio /Fotolia

Ursache des Schlafwandelns

Schlafwandler stellen die Wissenschaft immer noch vor Rätsel. Warum einige Menschen im Schlaf das Bett verlassen, ist noch unklar. Es scheint zumindest einen genetischen Zusammenhang zu geben. Wenn beide Eltern Schlafwandler sind, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ein gemeinsames Kind ebenfalls schlafwandelt bei 60 Prozent.

Schlafwandeln bei Kindern

Schlafwandeln (Somnambulismus) tritt häufig bei Kindern auf und verwächst sich meist im Laufe des Lebens (bis zur Pubertät) oder wird zumindest viel seltener als im Kindesalter. Schätzungen zufolge sind bis zu 15 Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens mindestens einmal von dieser Schlafstörung betroffen.

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Schlafwandlern tut der Schmerz nicht weh

Zu weiteren überraschenden Eigenschaften des Schlafwandelns zählt die stark verminderte Schmerzempfindung. Ein Schlafwandler sprang nachts aus dem Fenster und erlitt beim Sprung aus dem dritten Stockwerk schwere Knochenbrüche. Ein weiterer brach sich beim Sturz von einem Dach ein Bein. Bei beiden Schlafwandlern setzte der Schmerz erst ein, als sie erwachten.

Régis Lopez vom Gui-de-Chauliac Hospital in Montpellier wollte das genauer wissen. Er und sein Team befragte 55 männliche und 45 weibliche Schlafwandler zu ihren Krankheitssymptomen und Schmerzempfindungen und verglich die Aussagen mit 100 „Normalschläfern“. Die Schlafqualität wurde bei allen Teilnehmern mittels einer Polysomnografie untersucht und war bei allen gleich gut.

47 Schlafwandler berichteten von mindestens einer Verletzung durchs Schlafwandeln. Nur zehn von ihnen gaben an, vom Schmerz geweckt worden zu sein. Die 37 anderen Personen, die sich beim nächtlichen Schlafwandeln ernsthaft verletzt hatten, registrierten den Schmerz erst später oder morgens beim Erwachen.

Schlafwandler: Warum spüren sie keinen Schmerz?

Unklar sind die Ursachen für das fehlende Schmerzempfinden. Wissenschaftler vermuten, dass es bei einigen Schlafwandlern zu einer kompletten Trennung vom Bewusstsein und somit dem Schmerzempfinden kommt.

Schlafwandler leiden vier Mal häufiger an Kopfschmerzen

Die Kehrseite der Medaille: Während die schmerzfreien Schlafwandler nachts keinen Schmerz kennen, leiden sie tagsüber häufiger unter Schmerzen. Betroffene klagten im Gegensatz zum Rest der Kontrollgruppe fast viermal öfter über Kopfschmerzen und sogar 10 Mal häufiger über Migräneattacken. Erklären konnten die Forscher diese Häufung von Kopfschmerzen und Migräne nicht.

Therapie gegen das Schlafwandeln: Was hilft?

Wenn Sie mitbekommen, dass ein Mensch in Ihrer Umgebung schlafwandelt, sollten Sie ihn am besten wecken. Das ist die sicherste Form zu verhindern, dass der Betroffene sich verletzt. Manchmal hilft es auch denjenigen am Arm zu fassen und zurück ins Bett zu geleiten.

Bisher gibt es keine Therapie für Schlafwandler. Auch Medikamente sind dabei nicht empfehlenswert.

Vorbeugend kann es hingegen helfen Übungen wie die progressive Muskelentspannung nach Jacobson durchzuführen. Die Entspannung kann helfen Schlafwandeln und andere Schlafprobleme vorzubeugen.

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Quelle (Originalstudie):