Knochen, Muskeln & Gelenke

Sehnenscheidenentzündung: Wunder Punkt im Gelenk

Wer unermüdlich in die Tasten haut oder einmal zu schwere Kisten schleppt, kann sein Handgelenk schnell überlasten. Es folgen stechende und ziehende Schmerzen,  die Symptome einer Sehnenscheidenentzündung. Die Chancen, so eine Entzündung wieder loszuwerden, stehen gut – wenn der Betroffene die Beschwerden ernst nimmt und frühzeitig eingreift.

Sehnen verbinden unsere Muskeln und Knochen miteinander. Dort, wo sie besonders beansprucht werden, kommen die schützenden Sehnenscheiden zum Einsatz. Sie umhüllen die Bindegewebe und federn die Reibung an Gelenken und Knochen ab. Eine mit sogenannter Gelenkschmiere ausgestattete Pufferzone quasi, die der Sehne hilft, in fließenden Bewegungen hin und her zu gleiten. Folglich finden wir Sehnenscheiden überall dort, wo Sehnen oft bewegt werden – und überall dort können sie sich auch entzünden.

Besonders häufig treten Sehnenscheidenentzündungen (medizinisch: Tendovaginitis) an den Händen auf. Aber auch die folgenden Gelenke können daran erkranken:

  • Schultern,
  • Unterarm bzw. Ellenbogen,
  • Knie,
  • Sprunggelenk und
  • Achillessehne.

Wieso entzünden sich Sehnenscheiden?

In den meisten Fällen ist die Entzündung auf eine extreme Belastung des Gelenks zurückzuführen. Genauer: Monotone, immer wieder ausgeführte Bewegungsabläufe – wie zum Beispiel das Tippen auf der Computer-Tastatur oder dem Smartphone-Bildschirm – führen dazu, dass die Sehne permanent und mit der immer gleichen Bewegung an der Innenseite der Sehnenscheide reibt. Das reizt und schwächt die Schutzhülle mit der Zeit. Sie kann sich entzünden und ihre schützende Funktion verlieren.

Theoretisch wird das Sehnengleitgewebe durch alle Tätigkeiten abgenutzt, die ein Gelenk auf einseitige Weise fordern: beim Zupfen der Gitarre, beim Stricken oder bei ungewohnten Handgriffen wie Unkraut zupfen im Garten. Sehnenscheidenentzündungen sind daher oft Berufskrankheiten. Musiker, Schreibkräfte, Programmierer, Bäcker oder Masseure haben häufig damit zu kämpfen.

Seltener können auch stumpfe Gewalteinwirkungen oder chronisch entzündliche Erkrankungen wie Rheuma hinter einer Sehnenscheidenentzündung stecken. Manchmal sind sogar bakterielle Infektionen dafür verantwortlich. Dann sind meistens Streptokokken oder Staphylokokken die Übeltäter, die durch offene Wunden (z.B. Stichverletzungen) in die Sehnenscheide gelangen. In diesen Fällen bekämpft der Arzt die Infektionen mit Antibiotika.

> Morbus Bechterew

Was sind die Symptome?

Sind die Sehnenscheiden akut entzündet, merkt der Betroffene das schon bei kleinsten Belastungen. Trifft es das Handgelenk, kann schon das Schließen von Türen Schwierigkeiten bereiten. Es drückt höllisch, zusätzlich kommt es häufig zu Schwellungen, die mit Rötungen und einem unangenehmen Wärmegefühl einhergehen. Bei chronischen Entzündungen können irgendwann erhebliche Einschränkungen in der Beweglichkeit und knotige Verformungen der Sehne hinzukommen.

> Was sind Schnappfinger?

Was macht der Arzt?

Die Vorgeschichte des Patienten und einige Bewegungstests genügen dem Fachmann meist, um schnell die Diagnose Sehnenscheidenentzündung stellen zu können. Im Zweifelsfall hilft eine Ultraschalluntersuchung weiter. Da die Sehne – und nicht der Knochen – betroffen ist, kann auf eine Röntgenuntersuchung verzichtet werden.

> Was hilft bei einem Karpaltunnelsyndrom?

Wie wird behandelt?

Bei akuten Sehnenscheidenentzündungen sollten die geschwollenen Bereiche gekühlt und ruhig gestellt werden. Lassen die Schmerzen nicht bald nach, muss der Arzt einen Blick auf die Entzündung werfen. Denn: Wird aus dem akuten ein chronisches Problem, riskiert der Betroffene sowohl stärkere Schmerzen als auch eine langwierige Therapie.

Behandelt wird die Tendovaginitis in der Regel mit entzündungshemmenden und schmerzlindernden Medikamenten. Seltener spritzt der Arzt auch Kortison. Krankengymnastik und Elektrotherapie sind ebenfalls bewährte Behandlungsmethoden. Sind die Schmerzen sehr stark, stützt der Arzt das Gelenk mit einer Schiene oder Verbänden. Das ist sowieso das Wichtigste, auch wenn es nach Ausheilung der Entzündung wieder an die Arbeit geht: nachhaltige Schonung des betroffenen Gelenks. Heißt auch: Die Arbeitsbelastung muss angepasst werden – zum Beispiel durch ausgiebige Pausen.

Schlägt keine der oben genannten Maßnahmen an und ist die Beweglichkeit des Problembereichs stark eingeschränkt, kann ein operativer Eingriff infrage kommen. Dabei erweitert der Chirurg die verengten Kanäle und entfernt – wenn nötig – Teile des entzündeten Gewebes.

Auch nach der Entzündung wichtig: Pausen und Lockerungsübungen am Arbeitsplatz

Auch nach der Heilung wichtig: Pausen und Lockerungsübungen am Arbeitsplatz. (c) Colourbox

> Schleimbeutelentzündung: Welche Therapien helfen?

Sehnenscheidenentzündung am Handgelenk vorbeugen

Bis zu einer Operation muss es aber nicht kommen – wenn man die Auslöser der Erkrankung vermeidet, seine Sehnenscheiden also schont und im Alltag ein paar Dinge beachtet. Vor allem gilt es, einseitige Bewegungen so gering wie möglich zu halten. Geht das nicht, weil die Bewegungsabläufe zum Job gehören, dann sollte man Folgendes beachten:

  • beim Tippen die Handgelenke auf dem Tisch abstützen und so entlasten
  • eine flache Tastatur verwenden, weil die Handgelenke dann nicht so stark angewinkelt werden müssen
  • spezielle Polster vor die Tastatur legen und eine größere, ergonomisch geformte Computer-Maus benutzen – das schont die Gelenke ebenfalls
  • den Händen hin und wieder eine Pause gönnen: Finger von der Tastatur lösen und Handgelenke zwischendurch lockern oder dehnen.

Abgrenzung zum Mausarm

Sehnenscheidenentzündung und RSI-Syndrom (Repetitive-Strain-Injury-Syndrom), auch Mausarm oder Sekretärinnenkrankheit genannt, sind nicht dasselbe – obwohl sich die Symptome sehr ähneln. Beim RSI-Syndrom handelt es sich um winzige Verletzungen in Muskeln, Sehnen oder Nerven als Folge jahrelanger Überanstrengung. Im Gegensatz zur Sehnenscheidenentzündung wird beim sogenannten Mausarm von einer Schonhaltung (längere Ruhigstellung und Unterbrechung der PC-Arbeit) abgeraten. Stattdessen stehen physiotherapeutische Behandlungen im Vordergrund: Kräftigungs- und Dehnübungen sowie Sportarten, die sanft zu Armen und Händen sind – Schwimmen, Radfahren und Joggen zum Beispiel.