Skorbut – Was wirklich hinter der Seefahrerkrankheit steckt

Blut & Immunsystem

Skorbut – Was sich hinter der Seefahrerkrankheit verbirgt

Noch vor einigen hundert Jahren war Skorbut eine gefürchtete Krankheit, die Seeleute heimsuchen und bis zum Tod führen konnte. Erfahren Sie hier mehr dazu.

Was die Menschen damals nicht wussten: Skorbut ist das Krankheitsbild, das entsteht, wenn dem Körper nicht ausreichend Ascorbinsäure zugeführt wird, was einen starken Vitamin-C-Mangel zur Folge haben kann. Doch spielt die sogenannte Seefahrerkrankheit auch heute noch eine Rolle?

Skorbut in der Seefahrt

Dank Doktor James Lind, einem britischen Marine-Arzt, wissen wir heute, dass es sich bei Skorbut um eine Erkrankung handelt, die durch einen starken Mangel an Vitamin-C ausgelöst wird. Während damals unzählige Seeleute ihr Leben lassen mussten und niemand genau wusste warum, ging Doktor James Lind der Sache auf den Grund. Er fand heraus, dass die Ernährung auf See mit stark gesalzenem Fleisch, hartem Brot und schlechter Trinkwasserqualität viel zu einseitig war und keinerlei Vitamine enthielt. Also verabreichte er den Seefahrern entsprechende Nahrungsmittel wie Orangen, Zitronen, Essig, Sauerkraut oder Apfelwein. Die Symptome besserten sich und von da an war klar, welche Lebensmittel von nun an mit an Bord mussten.

Was genau ist Skorbut?

Skorbut ist eine Vitaminmangelerkrankung, die nach etwa drei Monaten auftritt. Auslöser hierfür ist ein dauerhafter Mangel an Vitamin-C. Der Vitamin-C-Mangel führt dazu, dass wichtige Eiweißstrukturen des Bindegewebes und der Haut abgebaut werden. Dadurch kann kein Kollagen mehr gebildet und auch kein Eisen absorbiert werden. Das auch als Ascorbinsäure bekannte Vitamin-C kann vom Körper nicht selbst hergestellt werden und muss durch die Nahrung aufgenommen werden (Ascorbinsäure bedeutet wörtlich übersetzt so viel wie „Säure zur Vermeidung von Skorbut“).

Durch das vielseitige Angebot an Lebensmitteln wie Obst, Gemüse und anderen Vitamin-C-haltigen Nahrungsmitteln gilt Skorbut in den Industrieländern als weitestgehend ausgerottet. Menschen, die hingegen in Entwicklungsländern leben und vorwiegend auf eine recht einseitige Ernährung angewiesen sind, sind auch heute noch entsprechend häufig von Skorbut betroffen.

> Vitaminmangel erkennen und vorbeugen

Zitronen schön auf einem Holzbrett angerichtet.

Zitrusfrüchte enthalten besonders viel Vitamin C. (c) photocrew / Fotolia

Skorbut: Die Symptome

Bei langanhaltender Unterversorgung mit Vitamin-C kann sich Skorbut durch folgende Symptome äußern:

  • Müdigkeit und Erschöpfungszustände
  • schlechte Wundheilung
  • Zahnfleischbluten und Zahnfleischwucherungen bis hin zum Ausfallen der Zähne
  • Entzündungen der Gelenke, Muskelschwund
  • Fieber
  • Durchfall
  • erhöhtes Risiko für Infektionen
  • geschwächtes Immunsystem
  • Hautprobleme wie Hautentzündungen und –blutungen
  • Schwindel
  • Knochenschmerzen aufgrund von Knochenblutungen
  • blasse Haut
  • Gewichts- und Appetitverlust

In vereinzelten Fällen konnten auch immer wieder Anzeichen von Depressionen beobachtet werden, die möglicherweise mit Skorbut in Verbindung stehen. Unbehandelter Skorbut kann tödlich verlaufen, vor allem, wenn er mit einer Herzschwäche einhergeht.

> Alle Fakten zu Depressionen

Vitamin-C-Mangel: Die Ursachen

Ein Mangel an Vitamin-C, wie er bei Skorbut vorkommt, kann neben einer unzureichenden Ernährung auch andere Gründe haben. Körperlich anstrengende Arbeit oder intensiver Sport kann den Bedarf der täglichen Vitamin-C-Zufuhr deutlich erhöhen. Auch während Schwangerschaft, Stillzeit und der Behandlung diverser Infektions- oder Krebserkrankungen muss dem Körper gegebenenfalls mehr Vitamin-C zugeführt werden, um den Stoffwechsel bei seinen täglichen Aufgaben bestmöglich zu unterstützen und einem Mangel vorzubeugen. Zudem kann die Einnahme von bestimmten Medikamenten wie Antibiotika, Acetylsalicylsäure, Abführmittel oder hormonellen Verhütungsmitteln eine erhöhte Vitamin-C-Zufuhr erfordern.

Die Behandlung von Skorbut

Bei den ersten Anzeichen von Skorbut oder Vitamin-C-Mangelerscheinungen kann der Verzehr von Lebensmitteln mit einem hohen Vitamin-C-Gehalt bereits für Abhilfe sorgen. Sind die Symptome und Beschwerden schon weiter fortgeschritten, so wie es in Entwicklungsländern oft der Fall ist, können Präparate mit hoch dosierter Ascorbinsäure verabreicht werden. Bei Skorbut kommen oft zusätzlich Medikamente gegen Schmerzen, Fieber und Durchfall zum Einsatz, um die Symptome bestmöglich zu lindern.

Skorbut vorbeugen

Hierzulande kann Skorbut gezielt vermieden werden, indem der Fokus auf einer gesunden und abwechslungsreichen Ernährungsweise liegt. Vor allem Obst, Gemüse und andere Nahrungsmittel mit einem hohen Anteil an Vitamin-C sollten in den täglichen Speiseplan integriert werden. Auf diese Weise können Mangelerscheinungen gar nicht erst entstehen. Menschen, die sich in Ländern aufhalten, die unter ernährungstechnischer Mangelversorgung leiden, können auf Vitamin-C in Tablettenform zurückgreifen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt gesunden Erwachsenen einen Tagesbedarf an Vitamin-C von 100 mg. Um Skorbut vorzubeugen, können jedoch bereits 10 mg täglich ausreichen.

> Mangelernährung im Alter