Tollwut: Eine gefährliche Krankheit

Blut & Immunsystem

Tollwut: Eine gefährliche Krankheit

Der 28. September ist der internationale Welt-Tollwut-Tag. Obwohl Deutschland seit 2008 als tollwutfrei gilt, ist die Infektionskrankheit global nicht vollständig ausgerottet. Tollwut ist weiterhin eine gefährliche Krankheit für Mensch und Tier. Am Welt-Tollwut-Tag wollen wir Sie über die Übertragungswege der Tollwut, Präventionsmaßnahmen und Therapiemöglichkeiten nach einen Tierbiss informieren.

Tollwut ist eine schnell fortschreitende Virusinfektion des zentralen Nervensystems, die von Tieren auf den Menschen übertragen wird. Sowohl bei Menschen als auch bei Tieren führt die Tollwut zu Bewusstseinsstörungen, Wesensveränderungen, Lähmungen, Krämpfen und letztendlich zum Tod.

So wird Tollwut übertragen

Der Tollwuterreger, das Rabies- oder Lyssavirus, sammelt sich massenhaft im Speichel infizierter Wild- oder Haustiere. Über einen Biss, den Kontakt mit der Schleimhaut (Mund, Augen) oder offene Wunden gelangt das Virus von der Eintrittsstelle über das Bindegewebe und die Muskelzellen in die Nervenzellen. Die Nervenfasern leiten den Erreger bis ins Gehirn weiter, wo es sich auf Herz, Nieren, die Haut und Speicheldrüse ausbreitet und zu Organversagen führt.

Afrika und Asien als Risikogebiete

In China, Indien, Südostasien und Afrika tritt die Infektion bei Tieren andauernd und gehäuft auf. In diesen Hauptendemiegebieten wird der Erreger überwiegend durch Hundebisse und Nutztiere auf den Menschen übertragen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, das jährlich 55.000 Menschen an den Folgen von Tollwut sterben, mit einer erheblichen Dunkelziffer für Asien und Afrika.

Im europäischen Raum wurden bis 2008 systematische Impfmaßnahmen durchgeführt, um die Ansteckung durch Wildtiere zu tilgen. Dabei stand besonders der Rotfuchs als Überträger im Fokus, der mit Impfködern in weiten Teilen Europas immunisiert wurde. Der letzte Infektionsfall mit der „Wilden Tollwut“ bestätigte sich 2006 bei einem Fuchs in Mainz. Auch die flächendeckende Vorsorgeimpfung von Haustieren hat dazu beigetragen, dass sich der Erreger nicht mehr weiterverbreitet hat. Seit 2008 gelten unter anderem Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande als tollwutfrei. In Polen, Ungarn, Estland und der Slowakei kam es in den letzten Jahren nur zu wenigen Einzelfällen.

Tiertransporte als Risikofaktor

Trotz der guten Statistik für europäische Länder ist Tollwut dennoch eine aktuelle Gefahr für den Menschen. Derzeit ist der Transport von Säugetieren aus dem Ausland einer der Hauptrisikofaktoren. Zuletzt wurden 2010 ein Hund aus Bosnien-Herzegowina und 2013 ein Hund aus Marokko positiv auf Tollwut getestet. Daher gibt es umfangreiche, gesetzliche Vorschrift bei der Einfuhr von Tieren, um eine Wiedereinschleppung des Erregers zu verhindern. Auch Rettungsaktionen in den Hauptendemiegebieten stellen ein hohes Risiko für die Helfer von Tierschutzorganisationen dar.

 Tollwut bei Fledermäusen

Das Lyssavirus ist weiterhin unter Fledermäusen verbreitet. Fledermäuse sind die ursprünglichen Wirte der Erreger. Sie stecken wildlebende Tiere wie etwa Füchse, Hunde oder Katzen an, die das Virus unter Umständen an Haustiere und somit an den Menschen übertragen. Die europäische Fledermausart attackiert jedoch nur in Akutsituationen, wenn sie angegriffen oder gefangen werden. Daher sollten Sie den direkten Kontakt mit dem Tier vermeiden, wenn etwa ihr Haustier eine Fledermaus erbeutet hat.

Prävention durch Schutzimpfung

Vor Tollwut kann man sich durch eine präventive Impfung schützen. Dies ist vor allem vor Auslandsreisen in die Hauptendemiegebiete und bei berufsbedingten Kontakt zu wildlebenden Tieren ratsam, um das Risiko einer Ansteckung einzudämmen. Der letzte bekannte Fall einer Ansteckung mit Tollwut wurde in Deutschland 2007 gemeldet, nachdem ein Mensch in Marokko von einem streunenden Hund gebissen wurde.

Tollwut

Bei Verdacht auf Tollwut sollten Sie einen Arzt aufsuchen. (c) Colourbox.de

Verhaltensregeln im Notfall

Falls Sie dennoch in die Notsituation geraten und nach einem Tierbiss den Verdacht auf eine Ansteckung haben, gibt es wirksame Therapiemaßnahmen. Zögern Sie nicht, zum Arzt zu gehen, denn in dieser Situation gilt das Credo: Je früher behandelt wird, desto höher sind die Heilungschancen. Nach einem Tierbiss sollten Sie die Wunde sorgfältig reinigen, um einen Großteil des Speichels auszuwaschen.

Beobachten Sie vor allem das Tier: Zeigt es Verhaltensauffälligkeiten wie fehlende Scheu oder erfolgte der Angriff grundlos, können Sie von einem Infektionsrisiko ausgehen. Der Arzt leitet eine Postexpositionsprophylaxe ein: Er verabreicht eine aktive Schutzimpfung und gleichzeitig Tollwut-Immunglobulin, fertige Antikörper, die direkt gegen das Virus wirken. Jährlich erhalten diese Therapie mehr als 15 Millionen Menschen nach ungeklärten Tierbissen. Ist zweifelsfrei bestätigt, dass das Tier keine Erreger in sich hat, kann die Therapie eingestellt werden.

Rechtzeitig zum Arzt gehen

Die Prophylaxe sollte spätestens vier Tage nach dem Tierkontakt eingeleitet werden. Sobald Erstsymptome auftreten, greifen keine medizinischen Maßnahmen mehr. Die Inkubationszeit beträgt im Durchschnitt 20-90 Tage, erste Anzeichen auf eine Infektion können jedoch zeitlich variieren. Anfangs verläuft die Erkrankung unauffällig. Der Patient leidet unter unspezifischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Fieber. Die ersten manifesten Anzeichen sind massive Unruhe, Ängstlichkeit, Schmerzen bis hin Krampfanfällen und Empfindungsstörungen. Die Wesensveränderungen äußern sich unter anderem durch Verwirrtheit, Halluzinationen und aggressives Verhalten, das in spontanen Zeitabständen auftritt.

Hydrophobie bewirkt den Schaum vor dem Mund

Der mit der Tollwut verbundene „Schaum vor dem Mund“ entsteht durch eine übermäßige Speichelproduktion mit einer gleichzeitigen Hydrophobie. Bei der „krankhaften Wasserangst“ setzt ein ungewollter Reflex des Zwerchfells und der Atem- und Schluckmuskulatur ein. Da der Schutzreflex das Schlucken des Speichels verhindert, entsteht der Schaum vor dem Mund.

Offene Fragen in der Medizin

Obwohl die Tollwut im europäischen Raum zu einer seltenen Erkrankung geworden ist, stellt sie die Medizin noch immer vor offene Fragen: Noch immer ist nicht restlos geklärt, was das Virus im Gehirn bewirkt. Die medizinische Forschung geht davon aus, dass es durch die fehlerhafte Ausschüttung von Botenstoffen zu einer Funktionsstörung der Nervenzellen kommt. In letzter Instanz greifen die eigenen Antikörper die Nervenzellen an und lösen sie auf.

Eine Tollwut-Infektion ähnelt in ihrer Symptomatik auch dem Guillain-Barré-Syndrom, das sich ebenfalls durch neurologische Fehlfunktionen und Lähmung der Extremitäten äußert. Auch in diesen Fällen wird zuvor eine Ansteckung mit Rabies- oder Lyssaviren abgeklärt.

Achtsamkeit – ihrer Gesundheit zuliebe

Am Welt-Tollwut-Tag möchten wir Sie daran erinnern, respektvoll und vorsichtig mit wildlebenden Tieren umzugehen und ein waches Auge für auffälliges Tierverhalten zu haben – ihrer Gesundheit zuliebe.