Kopf & Psyche

Waldbaden: Gesund und so entspannend

Ein “Waldbad” entspannt nicht nur, sondern fördert auch die allgemeine Gesundheit. So nutzen Sie die heilende Kraft des Waldes für sich.

Der Alltagsstress hat uns fest im Griff. Viele psychische und physische Erkrankungen lassen sich auf ihn zurückführen. Umso wichtiger ist es, Stress gezielt entgegenzuwirken. Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Achtsamkeit, Meditation oder auch Yoga sind beliebte Entspannungstechniken.

Seit Kurzem erfreut sich auch das sogenannte “Waldbaden” einer immer größeren Beliebtheit. Der Begriff ist eine Übersetzung des japanischen “Shinrin Yoku”. In Japan ist das Waldbaden längst eine anerkannte Stress-Management-Methode, die sogar vom Gesundheitswesen gefördert wird. Doch auch das Immunsystem profitiert davon.

Waldbaden heißt übrigens nicht, dass Sie sich im Wald in eine Wanne legen oder in einem Waldsee eine Runde schwimmen sollen. Es geht vielmehr darum, dass Sie sich wie bei einem entspannenden Vollbad fallen lassen und den Wald bewusst erleben. Lesen Sie hier, warum der Wald so gesund für uns ist und wie Sie durch aktives Waldbaden das Beste für sich herausholen.

Warum ist der Wald so gut für die Gesundheit?

Die Interaktion mit der Natur hat eine positive Wirkung auf uns Menschen, das ist mittlerweile wissenschaftlich erwiesen. Zu dem Ergebnis kam der Gesundheitswissenschaftler Roger Ulrich bereits Anfang der Achtzigerjahre in einer Studie: Frisch an der Gallenblase operierte Patienten, die durch das Krankenhausfenster auf einen Baum blickten, erholten sich schneller als die, die lediglich auf eine Wand sahen. Die Wunden der Testpersonen mit Blick ins Grüne heilten schneller, auch ihr Bedarf an Schmerzmitteln war geringer.

An der Nippon Medical School in Tokio fand der Immunologe und Waldmediziner Professor Qing Li obendrein heraus: Die Nähe zu Pflanzen kann vor Krankheiten schützen. Und das nicht nur auf dem Land, sondern auch in der Stadt, auch schon bei einem kurzen Verweilen im Grünen. Ein Baum alleine ist schon wirkungsvoll, ein ganzer Wald daher ein wahrer Gesundbrunnen. Woran liegt das?

Nicht nur die Luft des Waldes ist gesund. Der Wald hat einen positiven Einfluss auf uns Menschen. (c) colourbox

Gesunde Waldluft

Im Wald ist die Luft kühler als auf dem freien Feld oder in Ortschaften zwischen den Häusern. Die Luftfeuchtigkeit ist höher, das Licht- und die Lärmintensität niedriger und angenehmer. Insgesamt ist die Luft im Wald sauberer, da die Bäume sie filtern.

Die Interaktion mit Pflanzen stärkt unser Immunsystem

Pflanzen kommunizieren miteinander, indem sie Duftstoffe ausschütten, sogenannte Terpene. Auf diese Weise können sie sich zum Beispiel vor Schädlingen warnen. Die Gewarnten reagieren, indem sie ihr Immunsystem hochfahren.

Von diesem Vorgang profitieren auch wir Menschen: Wir atmen die Terpene ein oder nehmen sie über die Haut in unseren Körper auf. Dort wirken sie nicht nur desinfizierend, sondern stärken auch unsere Abwehrkräfte. Dadurch vermehren sich unsere körpereigenen „Killerzellen“. Sie erkennen und zerstören u.a. Viren und veränderte Zellen, aus denen bösartige Tumore entstehen könnten.

Waldbaden wirkt Zivilisationskrankheiten entgegen

Durch die Aufnahme der Terpene werden außerdem Neurotransmitter und Hormone ausgeschüttet, die ebenfalls gesundheitsfördernd auf uns einwirken. Das Hormon DHEA etwa stärkt das Herz-Kreislaufsystem und die Gefäße.

Auch das Risiko, an Diabetes zu erkranken, sinkt statistisch gesehen mit der Anzahl der Bäume in der Nähe eines Menschen. Auch der Blutdruck und der Schlaf werden durch Aufenthalte im Wald verbessert.

Bäume aktivieren unseren Parasympathikus

Auch auf die Psyche haben Bäume und Wälder einen positiven Einfluss. Und das nicht nur, weil die Farbe Grün beruhigend wirkt. Das bewusste Wahrnehmen des Waldes, seiner Geräusche und gesamten Atmosphäre aktiviert den sogenannten Parasympathikus. Er ist ein Teil unseres vegetativen Nervensystems und unter anderem dafür zuständig, dass unser Organismus zur Ruhe kommt und regenerieren kann. Im Wald nehmen erwiesenermaßen die Stresshormone Cortisol und Adrenalin ab.

Zum Waldbaden gehört es, ihn bewusst zu erleben. Beeren fühlen, daran riechen oder sie schmecken: Der Wald aktiviert die Sinne. (c) colourbox

Waldbaden in der Praxis

Das Waldbaden ist eine Form der Achtsamkeitsübung. Mindestens zwei Stunden sollten Sie für ein Bad einplanen, um von der Heilkraft zu profitieren. Dabei sollten Sie sich zwar immer wieder bewegen, jedoch nicht verausgaben. Es geht darum, dass Sie in den Wald eintauchen und mit allen fünf Sinnen genießen. Das kann im Gehen sein, aber auch beim gemütlichen Sitzen oder Liegen, gerne auch mit geschlossenen Augen.

Probieren Sie doch einmal folgende Übungen aus:

Specht

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Schließen Sie die Augen und atmen Sie tief ein. Lauschen Sie den Geräuschen um sich herum: dem Gezwitscher der Vögel, dem Klopfen eines Spechts, dem Rauschen der Blätter, den entfernten Stimmen von Spaziergängern.