Alternativmedizin & Naturheilkunde

Rettung aus dem Bienenstock: Was Honig gesund macht

Wir schätzen den goldgelben Sirup in erster Linie als süßen Brotaufstrich. Aber wie steht es um die heilsamen Eigenschaften, die Honig oft nachgesagt werden? Seinetwegen sollen Wunden besser abheilen und Entzündungen zurückgehen. Wir haben hinterfragt, was das Naturprodukt für die Gesundheit leistet – und was nicht.

Er schmeckt nicht nur gut auf einem krossen Toast, in Milch oder Tee macht Honig angenehm müde, lindert schmerzende Hälse und hat so manch einen nach durchzechter Nacht vor dem verkaterten Morgen bewahrt. So weit, so bekannt. Doch der süße Sirup soll noch mehr können, ein wahrer Wunderheiler sein.

Das macht Honig gesund

Mit einem Blick auf die Zusammensetzung wird klar: Statt Hokuspokus steckt im Honig Zucker, und davon reichlich. Um genau zu sein, besteht die klebrige Substanz aus 40 Prozent Fructose, 40 Prozent Glucose und Wasser. Welche dieser Inhaltsstoffe sind nun verantwortlich für die antiseptische und antibakterielle Wirkung, auf die schon die alten Ägypter und Griechen schworen?

Es sind spezielle Enzyme der Bienen und der hohe Zuckeranteil, die Honig zu einem natürlichen Bakterien-Killer machen. Krankheitserregern wird Wasser entzogen, das sie benötigen, um sich zu vermehren. Sie sterben ab. Auf diese Weise hält Honig den Stock der Bienen keimfrei. Seit Jahrtausenden profitiert auch der Mensch von den desinfizierenden Eigenschaften des Bienenprodukts.

Wissenschaftler begründen die antibakterielle Wirkung außerdem mit dem Zuckerabbauprodukt Methylglyoxal (MGO). Im handelsüblichen Honig stecken diese natürlichen Antibiotika nur in sehr geringen Dosen. Eine vergleichsweise ungewöhnlich hohe Konzentration weist Manuka auf, der Honig des neuseeländischen Teebaums. Statt null bis zehn Milligramm pro Kilo wie in anderen Honigsorten enthält Manuka bis zu 700 Milligramm MGO pro Kilo.

Einige Studien legen nahe, dass dieses Plus am besonderen Inhaltsstoff die heilenden Eigenschaften verstärkt. So soll Manuka zum Beispiel Helicobacter-pylori hemmen, die für Entzündungen der Magenschleimhäute verantwortlichen Bakterien. Ob der Honig aus Neuseeland deshalb viel gesünder ist als andere, gilt für Experten aus Mangel an wissenschaftlichen Beweisen noch nicht als erwiesen. Für die Medizin hat Manuka-Honig in den letzten Jahren dennoch an Bedeutung gewonnen.

Honig in der Medizin

Studien in verschiedenen Ländern haben gezeigt, dass Honig kleinere Wunden und Verbrennungen gut abheilen lässt, Entzündungen und Schwellungen gehen zurück. Der große Pluspunkt: Das Naturprodukt wirkt auch bei Bakterien, die gegen Antibiotika resistent sind.

Aber Vorsicht: Honig ist nicht gleich Honig. Herkömmliche Sorten aus dem Honigregal sind in erster Linie für den Genuss gedacht. Sie kommen auf unser Brötchen, in den Tee oder die Milch – kurz: Dieser Honig gehört in den Mund, nicht aber auf Wunden. Aus zwei Gründen: Erstens hat er nicht dieselbe medizinische Wirkung, weil viele Sorten nur thermisch sterilisiert ins Glas kommen und auch durch das schonende Erhitzen viele der heilsamen Inhaltsstoffe verloren haben. Zweitens ist das Lebensmittel trotz industrieller Aufbereitungsverfahren möglicherweise mit Keimen wie Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum verunreinigt. Weshalb Honig für Kinder unter zwölf Monaten ungeeignet ist und zu Vergiftungen führen kann.

Der aus Manuka hergestellte sogenannte Medihoney hat eine wesentlich stärkere antibakterielle Wirkung. Bevor er in der Medizin zum Einsatz kommt, wird dieser Honig mit Gammastrahlen sterilisiert. Seine Inhaltsstoffe bleiben ihm erhalten, zugleich ist er frei von Keimen.

Achtung Verwechslungsgefahr: Manukahonig ist auch innerlich anwendbar, kann also zum Beispiel in den Tee gerührt werden. Im Unterschied zu anderen Honigsorten ist er übrigens weniger hitzeempfindlich. Der spezielle Medihoney auf der Basis von Manuka sollte im Gegensatz dazu nur äußerlich, beispielsweise für die Wundbehandlung verwendet werden.

Immer mehr Krankenhäuser – auch in Deutschland – setzen den medizinischen Honig zur Wundheilung ein. Von Selbstversuchen zu Hause raten Fachleute aber ab. Selbst die, die von der heilenden Kraft des Honigs überzeugt sind. Zudem eignet sich nicht jeder Patient für die Honigtherapie. Bei großflächigen Wunden und Diabetikern gilt sie als umstritten bis gefährlich.

Herkömmlicher Honig gehört aufs Brot, nicht auf Wunden

Herkömmlicher Honig gehört aufs Brot geschmiert, nicht auf Wunden. (c) Fotolia

Honig als Hausmittel

Honig allein wird keine Krankheit heilen. Aber er schmeckt gut, liefert Energie, trägt zum Wohlbefinden bei. Gegen seinen Einsatz als Hausmittel ist darum nichts einzusetzen. Empfohlen wird naturbelassener Honig direkt vom Imker oder aus dem Reformhaus, da in ihm noch alle wertvollen Inhaltsstoffe stecken.

Honig bei Erkältung

Eine Tasse warme Milch oder Tee mit einem Schuss Honig hilft bei Husten und Halsschmerzen, davon hat schon Oma geschwärmt. Auch die WHO empfiehlt das altbewährte Hausmittel bei Erkältung. Den stichhaltigen Beleg für eine entsprechende Wirkung gibt es zwar nicht, aber sie ist – auch wissenschaftlich gesehen – theoretisch denkbar.

In Studien mit Kindern ging der Husten nach dem Genuss von Honig tatsächlich zurück. Ganz erklärt werden, konnte der Effekt bislang nicht. Eine Theorie geht so: Honig und Tee oder Milch (nur bei trockenem Husten!) regen den Speichelfluss an, was gereizten Hälsen guttut und den Hustenreiz lindert.

Unser Tipp: Ein bis zwei Löffel Honig pur vor dem Schlafengehen auf der Zunge zergehen lassen oder in Getränke geben. Aber daran denken: Die Flüssigkeiten dürfen nicht zu heiß sein, da die Inhaltsstoffe des Honigs sonst zerstört werden. Den Honig also am besten erst einrühren, wenn der Tee Trinktemperatur hat.

Honig bei Einschlafproblemen

Man geht davon aus, dass das Honig-Milch-Gemisch die Produktion des Botenstoffs Serotonin anregt und uns deshalb besser einschlafen lässt. Abschließend wissenschaftlich bestätigt ist das aber nicht. Wahrscheinlicher: Das leckere Getränk sättigt, macht glücklich und beruhigt – Faktoren, die einen geruhsamen Schlaf begünstigen.

Honig bei Herpes

Aufgrund seines antibakteriellen und antiseptischen Charakters soll Honig gegen Entzündungen und Infektionen im Mundraum und an der Lippe helfen. Eine kleine Studie legt nahe, dass Honig bei Herpes besser wirkt als Virostatika aus der Apotheke. Mehrmals täglich mit einem Wattestäbchen betupfen, das soll die Schmerzen an den betroffenen Stellen lindern und den Heilungsprozess fördern – auch bei Aphthen.

Honig auf der Haut

Gegen sehr trockene und raue Haut haben sich Pflegeprodukte mit Honig bewährt. Nicht umsonst finden wir in Drogerien entsprechende Cremes und Lotionen zuhauf. Schnell, einfach und günstig ist eine Maske aus Honig und Quark zu Hause hergestellt, die 10 bis 15 Minuten im Gesicht bleibt und dann abgespült wird. Bei spröden und aufgerissenen Lippen hilft Honig genauso – auftragen, einwirken lassen und abschlecken.