Gesunde Ernährung

Ist Weizengras wirklich so gesund?

Seit ein paar Jahren wächst auf einigen deutschen Fensterbänken Weizengras. Es gilt neben Arganöl, Gojibeeren oder Spirulina-Algen als Superfood, also als Nahrungsmittel, das einen besonderen Nutzen für unsere Gesundheit hat.

Weizengras heißt die grüne Weizenpflanze, bevor sie die typischen Ähren ausbildet. Botanisch gehört sie zu den Süßgräsern und ist im Gegensatz zum Weizenkorn glutenfrei. Ernten können Sie die Gräser, wenn sie drei bis sechs Wochen alt sind. Dann enthalten sie alles, was ein Weizenkorn benötigt, um zu wachsen. Bestenfalls pressen Sie jetzt die jungen Halme aus und genießen den frischen Saft oder trinken ihn an einer Saftbar. Die meisten Konsumenten kaufen allerdings Weizengraspulver aus den getrockneten Halmen und rühren es in Wasser oder Saft.

So soll der grüne Saft Ihrer Gesundheit nutzen

Hersteller von Weizengraspulver sprechen ihm einen hohen gesundheitlichen Wert zu. Die grünen Halme sollen

Eine Studie zeigte beispielsweise, dass der Luteinspiegel im Blut deutlich anstieg, wenn die Probanden täglich Weizengrasprodukte verzehrten. Lutein ist ein pflanzliches Carotinoid, das eine schützende Wirkung auf das menschliche Auge haben soll. Untersuchungen weisen darauf hin, dass der Stoff der altersbedingten Makuladegeneration vorbeugen könnte.

Außerdem hat Weizengrassaft in einer kleinen Studie eine unterstützende Wirkung bei der Chemotherapie von Brustkrebspatientinnen gezeigt. Möglicherweise kann er die knochenmarkschädigenden Nebenwirkungen der Behandlung verringern.

Alles in allem ist die Studienlage noch viel zu dünn, um eine klare Aussage über den gesundheitlichen Wert von Weizengras treffen zu können.

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Weizengraspulver in einer kleinen Schüssel.

Weizengraspulver gibt es im gut sortierten Supermarkt zu kaufen. (c) emuck / Fotolia

Die Inhaltsstoffe von frischem Weizengras

Weizengras enthält

  • Vitamin A, C, E, K
  • B-Vitamine, darunter Thiamin (Vitamin B1), Pantothensäure (Vitamin B5) und Pyridoxin (Vitamin B6)
  • Eisen
  • Zink
  • Kupfer
  • Mangan
  • Selen
  • Chlorophyll

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Eine offizielle Nährwerttabelle für frisches Weizengras existiert nicht. Wie viele der Vitamine und Mineralstoffe die Halme liefern, hängt ab vom Standort, den Bodenbedingungen, die dort herrschen, und vom Erntezeitpunkt. Deshalb unterscheiden sich die Mengenangaben stark. Unterschiedliche Quellen belegen beispielsweise einen Vitamin-C-Gehalt zwischen 35 und 75 Milligramm pro 100 Gramm. Zum Vergleich: In 100 Gramm frischen Orangen stecken rund 50 Milligramm Vitamin C.

Die häufig propagierte Aussage, Weizengras besitze einen hohen Gehalt an Vitamin B12 (an dem Veganer Mangel leiden können), stimmt nicht.

Diese Nährstoffe liefert Weizengraspulver

Weizengraspulver, das zwischen sechs und zehn Euro pro 100 Gramm kostet, weist einen deutlich geringeren Nährstoffgehalt auf als die frischen Halme. Durch den Trocknungsprozess gehen hitzeempfindliche Nährstoffe verloren. Um die empfohlene Tagesdosis beispielsweise von Vitamin B12, Vitamin E oder Folsäure zu erreichen, müssten Sie zudem 100 Gramm des Pulvers vertilgen. Für ein Lebensmittel, das nicht besonders gut schmeckt und vergleichsweise teuer ist, keine Empfehlung.

Zweifelhafte Qualität des Pulvers

Hinzu kommt, dass viele Produkte, vor allem aus dem Internetversand, aus Asien kommen und nicht ausreichend kontrolliert sind. Im April 2016 hat „Ökotest“ eine Untersuchung veröffentlicht, nach der sogar Bio-Weizengraspulver hohe Mengen an Pestiziden und Spuren von Mineralöl enthielt.

Wie empfehlenswert ist es, täglich Weizengrassaft zu trinken?

Um Weizengras in Rohkostqualität zu einem vernünftigen Preis zu bekommen, bauen Sie es am besten selbst an. Anzuchtsets dafür gibt es im Fachhandel und in Online-Shops. Ein Superfood ist Weizengras aber nicht: Die Nährstoffe, die es enthält, können Ihnen unsere alltäglichen Lebensmittel schmackhafter und preiswerter liefern. In kleinen Mengen schadet Weizengras nicht, außergewöhnlich gesund ist es aber auch nicht.