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Weizen-Unverträglichkeit? Nicht immer ist Gluten schuld!

Viele Menschen vertragen keine Getreideprodukte. Doch nicht immer steckt dahinter eine Glutenunverträglichkeit. Es gibt noch andere Auslöser als das Gluten.

Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung – bei solchen Symptomen nach dem Verzehr von Getreide tippen viele Menschen auf eine Glutenunverträglichkeit oder Glutenintoleranz. Doch das Klebereiweiß Gluten sei nicht immer schuld an den Magen-Darm-Beschwerden nach dem Genuss von Getreideprodukten, berichteten Forscher auf der Medica Education Conference 2015 in Düsseldorf.

Glutenunverträglichkeit – glutenfreie Ernährung im Aufwind

Es gibt verschiedene Gründe, warum die Anzahl der Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit steigt. „Als mögliche Ursache wird zum einen die Hochzüchtung der modernen Getreidesorten diskutiert, die mit einem erhöhten Gehalt von Gluten und anderen Substanzen verbunden ist“, erklärt Prof. Yurdagül Zopf, Ernährungsmedizinerin am Universitätsklinikum Erlangen. Aber auch das zunehmende Interesse der Verbraucher an einer glutenfreien Ernährung dürfte die Aufmerksamkeit auf eine Erkrankung gelenkt haben, die medizinisch nur schwer fassbar sei, so die Expertin. Immer mehr Hersteller drucken auf ihre Produkte den Zusatz „glutenfrei“.

Symptome einer Glutenunverträglichkeit

Die Symptome bei einer Glutenunverträglichkeit seien sehr ähnlich wie bei einer Zöliakie (beginnt oft im Kindesalter) oder einer Weizenallergie – den beiden anderen Formen einer Getreideunverträglichkeit. Anders als bei der Zöliakie finden die Ärzte bei Menschen, die keine Zöliakie oder Weizenallergie haben, aber trotzdem auf Weizen empfindlich reagieren, bei einer Darmspiegelung keine Veränderungen der Dünndarmschleimhaut. Und die Antikörper im Blut, die auf eine Weizenallergie hinweisen, fehlen ebenfalls.

Der einzige diagnostische Hinweis sind die Beschwerden, die innerhalb von wenigen Stunden nach dem Verzehr von glutenhaltigen Lebensmitteln auftreten und sich unter Einhalten einer glutenfreien Diät innerhalb weniger Tage und Wochen wieder bessern. „Eine Zöliakie entwickelt sich dagegen meistens langsam“, erklärt Zopf: „Zur Besserung kommt es erst, wenn sich die Darmschleimhaut erholt hat.“

Nicht immer ist Gluten schuld an Magen-Darm-Beschwerden

Unklar ist bislang, welche Bestandteile des Mehls für die Überempfindlichkeit verantwortlich sind. Dass das Klebereiweiß Gluten der alleinige Auslöser für die Symptome sei, bezweifelten immer mehr Ärzte, so Zopf. „Weizenmehl enthält noch andere Bestandteile, die bei empfindlichen Menschen Beschwerden verursachen können.“ Zu den verdächtigen Substanzen zählen bestimmte Eiweiße, die Amylase-Trypsin-Inhibitoren. „Diese Proteine, mit denen Pflanzen Schädlinge abwehren, kommen vor allem in den modernen und hochgezüchteten Getreidesorten vor“, sagt Zopf. Der menschliche Darm könne Amylase-Trypsin-Inhibitoren nicht abbauen. Bei einem Kontakt mit der Schleimhaut werde das Immunsystem kurzfristig aktiviert.

Weizenmehle enthalten auch eine Reihe spezieller Kohlenhydrate, die vom Darm nicht resorbiert werden. Es entstehen Gase und die Bindung von Wasser kann eine abführende Wirkung haben. „Dies erklärt plausibel die von den Patienten beschriebenen Blähungen und Durchfälle.“

Das können Sie bei Glutenunverträglichkeit tun

Die Glutenunverträglichkeit ist keine Nahrungsmittelallergie, sondern zählt zu den Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Menschen mit Glutenintoleranz vertragen das Getreideeiweiß Gluten nicht und müssen sich strikt glutenfrei ernähren. Das Klebereiweiß Gluten steckt in Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Hafer und alten Weizensorten wie Einkorn und Emmer. Die Deutsche Zöliakie Gesellschaft schätzt, dass rund 300.000 Menschen in Deutschland von einer Glutenunverträglichkeit betroffen sind.

Quellen:

  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), MEDICA EDUCATION CONFERENCE, 16.-19. November 2015;
  • Deutsche Zöliakie Gesellschaft (DZG),www.dzg-online.de