Asthma & Lunge

Wie gefährlich ist Feinstaub wirklich?

Die Zahlen sind alarmierend: In vielen deutschen Städten werden die Feinstaubgrenzwerte regelmäßig überschritten. Besonders nach dem “Dieselskandal” fragen sich Menschen, ob erhöhte Feinstaubwerte ihrer Gesundheit schaden. Wie wirkt sich Feinstaub tatsächlich auf unseren Körper aus?

Feinstaub ist ein komplexes Gemisch, das aus festen sowie flüssigen Kleinst-Partikeln besteht. In der Natur entsteht immer wieder Feinstaub, zum Beispiel bei Waldbränden oder Vulkanausbrüchen. Viel mehr wird er allerdings direkt von uns Menschen erzeugt: beim Nutzen von Kraftfahrzeugen, in der Industrie und Landwirtschaft oder durch Öfen und Heizungen in Wohnhäusern.

In Städten entsteht Feinstaub vor allem durch den Straßenverkehr, bei dem er durch Motoren, Bremsen- und Reifenabrieb und Staubaufwirbeln in die Luft gelangt. Bei Partikeln mit einem Durchmesser von zehn oder sogar weniger Mikrometern gilt in Europa ein Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Atemluft.

Ist Feinstaub gefährlich?

Feinstaub gefährdet für gewöhnlich erst ab einem bestimmten Grad die Gesundheit. Größere Staubteilchen werden zumeist noch von Nasen-Härchen zurückgehalten. Die mikroskopisch kleinen Schadstoffe dringen allerdings bis in die Verästelungen der Lunge vor. Dort angelangt, können sie akute Beschwerden wie Husten oder Brustenge auslösen.

Bei Kindern kann Feinstaub nachweislich zu Mittelohrentzündungen führen. Dies liegt an den schmalen Gehörgängen. Staubpartikel dringen in den Nasen-Rachen-Raum ein, verstopfen den Gehörgang und verursachen dort eine Entzündung.

Langfristig kann Feinstaub zu chronischer Bronchitis, Asthma und Allergien führen. Die Lunge kann die Teilchen nur schwer bis gar nicht abbauen, und so lagern sich diese dauerhaft im Organ ab. Das steigert das Risiko für Lungenkrebs erheblich. Kleine Feinstaubteilchen gelangen über die Lunge sogar in die Lymph- und Blutbahnen. Sie können sich in den Adern ablagern, diese verengen und damit das Risiko für Thrombosen und Herzinfarkte erhöhen.

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Laut einigen neuen Studien schaden die Partikel auch dem Gehirn. Sie gelangen über den Riechnerv ins Gehirn, können dort Entzündungen verursachen und die Leistung bestimmter Hirnareale verringern. Allerdings haben Forscher die exakten Zusammenhänge noch nicht zu hundert Prozent entschlüsseln können.

Mehrere Studien haben ergeben, dass das Sterberisiko in Regionen mit viel Verkehrsaufkommen und hohen Feinstaubwerten erhöht ist. Demnach sterben allein in EU-Ländern jedes Jahr über 350.000 Menschen vorzeitig wegen zu hoher Feinstaubbelastung. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) geht davon aus, dass Feinstaub das Leben der Europäer durchschnittlich um rund acht bis zehn Monate verkürzt.

Wie kann ich mich vor Feinstaub schützen?

Feinstaub filternde Masken oder einfache Chirurgenmasken helfen gegen Feinstaub. Einen hundertprozentigen Schutz können sie aber nicht garantieren. Luftreiniger können den Feinstaubgehalt der Luft in Wohnräumen senken und damit zumindest teilweise vor zu hoher, dauerhafter Belastung schützen.

Außerdem kann eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidantien Schäden durch Feinstaub entgegen steuern, da das Immunsystem Entzündungen dadurch besser heilen kann. Laut einer US-amerikanischen Studie (März 2017) können vor allem B-Vitamine wie Folsäure, B6 und B12 die negativen Auswirkungen von Feinstaub im Körper verringern. Eine hundertprozentig sichere Methode zum Feinstaubschutz gibt es aber leider nicht.

So sollte jeder auf die Grenzwerte in seiner Umgebung achten und diese im Blick behalten. Sport und Bewegung in der Nähe von stark befahrenen Straßen besser meiden. Auch an Tankstellen sollte nur wenig Zeit verbracht werden. Bei Städten mit extremer Feinstaubbelastung sollten Aufenthalte im Freien kurzgehalten werden. Städte geben meistens Feinstaub-Alarm, falls die Lage sehr schlimm sein sollte.