Schon gewusst?

Wie verlieben wir uns?

Verliebt zu sein, ist eines der schönsten Gefühle der Welt. Das Kribbeln im Bauch, starkes Herzklopfen und das schier endlose Glück, das wir beim Gedanken an unser Herzblatt empfinden, katapultiert uns auf Wolke sieben. Doch was passiert eigentlich in unserem Körper, wenn wir verliebt sind?

Platon bezeichnete Liebe einst als Geisteskrankheit. Weit hat er mit der Aussage nicht gefehlt: Verliebte sind einem Hormon-Cocktail ausgesetzt, der unentwegt durch ihr Blut rauscht und die Sinne vernebelt. Pheromone führen uns unbewusst zum idealen Partner. Stresshormone lösen die schönen körperlichen Symptome der Verliebtheit aus, während die Glückshormone uns in ein Gefühlchaos stürzen. Das Kuschelhormon Oxytocin baut die enge Bindung in einer Beziehung auf, sodass wir nicht mehr ohne den Partner sein wollen. Kurzum: Körper und Geist spielen völlig verrückt, sobald man sein Herz an jemanden verloren hat.  

Pheromone bestimmen den idealen Partner

Pheromone bestimmen, ob wir jemanden gut riechen können oder nicht. Durch die körpereigenen Duftstoffe findet eine instinktive Kommunikation statt und beeinflusst unbewusst unsere Partnerwahl. Der individuelle Körpergeruch eines Menschen gibt Auskunft über das Immunsystem eines Menschen – welche genetische Veranlagung und Abwehrkräfte die Person also mitbringt. Je unterschiedlicher die Immunsysteme zweier Menschen sind, desto ansprechender finden sie einander. Denn Rezeptoren in den Schleimhäuten melden dem Gehirn, einen genetisch idealen Partner gefunden zu haben.

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Sexualpheromone spielen bei der Partnerwahl eine wichtige Rolle.

Sexualpheromone spielen bei der Partnerwahl eine wichtige Rolle. (c) puhhha / Fotolia

Flirten löst physischen Stress aus

Pheromone wirken sich automatisch auf mehrere Körperfunktionen aus. Der Herzschlag und die Atemfrequenz erhöhen sich und das Lustempfinden steigt rapide an, sobald man mit einer attraktiven Person konfrontiert ist. Das Flirten wird dabei für den Körper zu einer richtigen Stresssituation.  

Verliebtheit macht den Körper ruhelos

Ab diesem Punkt beginnt für den Körper der Ausnahmezustand: Das Herz rast, der Atem geht schneller, die Pupillen sind geweitet und die Hände schweißnass. Trotz Schlaf- und Appetitlosigkeit kommt der Körper nicht zur Ruhe und scheint aus unermesslichen Energiereserven zu schöpfen. Der Körper von Verliebten reagiert genauso wie in einer Paniksituation. Die Stresshormone Adrenalin und Cortisol werden in großen Mengen ausgeschüttet und machen uns impulsiv. Denn das Adrenalin reduziert die Fähigkeit zu rationalem Denken.  

Cortisol sorgt für Schmetterlinge im Bauch

Anstelle von Schmetterlingen löst Cortisol das bekannte Bauchgefühl aus: Das Stresshormon reizt die Blutgefäße rund um Magen und Darm und erzeugt somit das Kribbeln. Die ständige physische Aktivität hat zur Folge, dass Verliebte unkonzentriert sind und zerstreut wirken.

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Gefühlschaos durch Endorphine und Glückshormone

Auch die Gedankenwelt von Verliebten kommen nie zur Ruhe. Endorphine und Glückshormone wie Serotonin, Dopamin und Neurotrophin schicken uns auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle: Man kann an nichts anderes mehr denken als an die große Liebe. Strahlt man noch in der einen Sekunde vor Glück über das ganze Gesicht, vergeht man in der nächsten Sekunde vor Sehnsucht nach dem Partner und ist todtraurig. Der Grund dafür ist das Belohnungszentrum im Gehirn, das bei Verliebten besonders aktiv ist und sich wie bei einer Suchterkrankung verhält.  

Verliebte reagieren wie bei einer Drogensucht

Genießen wir die Zweisamkeit mit unserem Partner, schüttet der Körper das Glückshormon Serotonin aus und versetzt uns in Freude bis Euphorie. Doch sobald die Droge „Partner“ fehlt, kommt es zu Entzugserscheinungen. Das vermehrt produzierte Dopamin aktiviert das Belohnungszentrum und schürt das Verlangen und die Sehnsucht, während der Serotoninspiegel und damit die Stimmung sinkt. Im Durchschnitt pendelt sich das Auf-und-ab der Gefühle erst nach etwa einem Jahr ein, wenn die anfängliche Verliebtheit allmählich nachlässt.

Junges Paar, das zusammen auf Sofa kuschelt.

Kuscheln fördert die Oxytocinausschüttung, was Bindungen stärkt. (c) Antonioguillem/Fotolia

Oxytocin stärkt Verbundenheit und Vertrauen

Ist man über die rosarote Phase hinweg, wandelt sich die Verliebtheit zu Liebe. Das Kuschelhormon Oxytocin hilft dabei, die partnerschaftliche Bindung zu festigen. Oxytocin aktiviert in erster Linie die Muskelkontraktion des Uterus bei der Geburt und beim Orgasmus. Doch das Hormon trägt auch dazu bei, ob wir eine enge Bindung und Vertrauen zu einem Menschen aufbauen. Oxytocin wird insbesondere durch Körperkontakt und Wärme freigesetzt. Es sorgt dafür, dass wir uns beim Partner geborgen fühlen und entspannen können. Je intensiver die Bindung zwischen zwei Menschen ist, desto höher ist die Bereitschaft, dem anderen treu zu bleiben.

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Das Kuschelhormon wirkt auf Männer und Frauen unterschiedlich

Oxytocin hat eine unterschiedliche Wirkung auf die Geschlechter: Frauen entwickeln meist eine mütterliche Fürsorge gegenüber ihrem Partner. Bei Männern verringert das Hormon Ängste und verbessert das Sozialverhalten. Auch Testosteron spielt eine Rolle in der Liebesbeziehung und wirkt geschlechterspezifisch: Während der Hormonspiegel bei Männern sinkt und zu Gelassenheit führt, erhöht er sich bei Frauen und steigert die sexuelle Lust 

Küssen baut Stress ab und stärkt das Immunsystem

Wenn man das Verliebtsein rein biochemisch betrachtet, ist es eine ganz schön unromantische Angelegenheit. Glücklicherweise spielt das alles keine Rolle, sobald es einen erwischt hat. Gehirn und Körper sind mit weitaus schöneren Dingen beschäftigt, als mit der trockenen Theorie der Liebe. Falls Ihnen das Gefühlschaos jedoch zu stressig werden sollte, helfen leidenschaftliche Küsse. Sie wirken wie eine Energiespritze, regen Kreislauf und Stoffwechsel an, beugen Falten vor und bauen Stress ab. 

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