Blut & Immunsystem

Windpocken: Wenn die Viren zur Gefahr werden

Windpocken gelten bei vielen als harmlose Kinderkrankheit. Unter Umständen können sie aber einen schweren Verlauf nehmen und sogar lebensgefährlich sein. Wir erklären, wer besonders gefährdet ist und wie man sich schützen kann.

Auslöser der hochansteckenden Windpocken ist das Varizella-Zoster-Virus aus der Familie der Herpesviren. Die Erreger werden meist durch Tröpfcheninfektion beim Husten, Sprechen oder Niesen übertragen. Typisch für Windpocken ist ein auffälliger, juckender Hautausschlag: Bläschen bilden sich, die sich mit Flüssigkeit füllen. Da sich in dieser Flüssigkeit Viren befinden, ist sie hochinfektiös. Erkranken kann grundsätzlich jeder, der keinen Impfschutz gegen Windpocken besitzt und die Krankheit noch nicht durchlitten hat.

Ansteckung und Symptome bei Windpocken

Windpocken werden extrem leicht auch über große Entfernungen (mit dem Wind) übertragen – daher auch der Name. Fast jeder Kontakt mit einem Erkrankten führt zur Ansteckung. Die Zeit zwischen der Infektion und dem Ausbruch der Windpocken – die sogenannte Inkubationszeit –  beträgt ein bis drei Wochen. Dann setzen Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit und der charakteristische Hautausschlag mit den Bläschen ein, der sich auf den ganzen Körper und die Schleimhäute ausbreiten kann.

Ansteckend können Windpocken schon ein bis zwei Tage vor dem Auftreten des Hautausschlags sein. Nach einer bis zwei Wochen heilen die Bläschen ohne Narben ab – vorausgesetzt, sie wurden nicht aufgekratzt. Erst wenn alle Bläschen eine Kruste haben, ist auch die Ansteckungsgefahr gebannt. Wichtig: Die Viren können im Körper in den Nervenendigungen überdauern. Im Erwachsenenalter können die Viren – wenn etwa das Immunsystem geschwächt ist – reaktiviert werden und eine Gürtelrose (Herpes zoster) verursachen.

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Dann werden Windpocken gefährlich

Etwa fünf Prozent der Menschen, die an Windpocken erkrankt sind, erleiden Komplikationen. Je älter der Patient, desto wahrscheinlicher werden diese. Dann können unter anderem folgende Erkrankungen die Windpockeninfektion begleiten:

Sehr selten kann auch das Zentralen Nervensystem erkranken: Hirnhautentzündung, Gehirnentzündung, Entzündung von Gehirn und Rückenmark (Myelitis) können dann die Folge sein. Ebenso selten ist begleitend zu einer Windpocken-Infektion eine Arthritis, Herzmuskelentzündung oder Nierenentzündung (Glomerulonephritis).

Besonderes Risiko bei Schwangeren und Neugeborenen

Erkrankt eine Schwangere vor der 22. Schwangerschaftswoche an Windpocken, kann es zu einer Fehlgeburt kommen – dies ist jedoch sehr selten. Eine Erkrankung in der ersten Schwangerschaftshälfte kann auch sehr selten (in 0,4 bis 2,0 Prozent der Fälle) ein Fehlbildungssyndrom auftreten (kongenitales Varizellensyndrom): Das Baby leidet unter Vernarbungen und Geschwüren der Haut, unterentwickelten Gliedmaßen, einem geringen Geburtsgewicht oder Lähmung einer Gliedmaße mit Muskelschwund. Auch wenn das Risiko dieser Folgeschäden sehr gering ist: Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollten sich rechtzeitig gegen Windpocken impfen lassen.

Für Neugeborene sind Windpocken besonders gefährlich. In acht Prozent der Fälle verläuft die Erkrankung schwer und lebensbedrohlich. Der Grund: Der mütterliche Organismus hat noch keine Antikörper gegen die Viren gebildet, die das Kind schützen könnten. Das Immunsystem des Neugeborenen ist noch nicht genug entwickelt, um die Erreger selbst abzuwehren.

Gefährdet sind auch Personen, bei denen das Immunsystem unterdrückt wird (z.B. durch eine Krebstherapie oder durch Immunsuppressiva nach Organstransplantation).

Frau lässt sich gegen Windpocken impfen

Eine Impfung schützt vor Windpocken

Impfung als wirksamer Schutz

Der beste Schutz vor einer Ansteckung mit Windpocken ist eine Impfung. Dabei wird ein sogenannter Lebendimpfstoff verabreicht, der abgeschwächte Erreger enthält. Diese können die Infektionskrankheit nicht mehr auslösen, regen jedoch die Bildung von Antikörpern an. Durch diese erkennt und bekämpft der Körper Windpocken-Viren beim nächsten Kontakt.

Die erste Impfung sollte im Alter von 11 bis 14 Monaten erfolgen, die zweite im Lebensalter von 15 bis 23 Monaten. Die erste Impfung wird gleichzeitig mit der ersten Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR) oder frühestens vier Wochen danach durchgeführt. Die zweite Impfung kann mit einem Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (MMRV) erfolgen. Erfolgte die Impfung nicht im empfohlenen Alter, lässt sie sich jederzeit nachholen.

Zwar bietet die Windpockenimpfung keinen 100-prozentigen Schutz, doch Studien belegen, dass sie bei rund 70 bis 90 Prozent eine Erkrankung verhindert. Auch schwere Verläufe sind bei Geimpften sehr selten. Wichtig: Wer sich impfen lässt, schützt indirekt auch Säuglinge, Schwangere und bestimmte Risikopatienten vor einer gefährlichen Infektion.