Augen

Winkelfehlsichtigkeit – das nicht sichtbare Schielen

Winkelfehlsichtigkeit bleibt oft unentdeckt und kann viele Beschwerden auslösen.

Im Idealfall sehen unsere Augen synchron und die jeweiligen Blicke treffen sich an ein und dem gleichen Punkt. Wenn die Blickrichtung beider Augen jedoch leicht voneinander abweicht, dann leiden Sie wahrscheinlich an einer Winkelfehlsichtigkeit. Doch was ist das eigentlich, welche Ursachen und Symptome gibt es und kann eine Weitwinkelfehlsichtigkeit überhaupt behandelt werden? Wir beantworten Ihnen diese Fragen.

Was ist Winkelfehlsichtigkeit?

Augenpaare ohne Winkelfehlsichtigkeit sind in der Lage, ein betrachtetes Bild komplett identisch und synchron abzubilden. Bei der Heterophorie (Fachbegriff für Winkelfehlsichtigkeit) weicht eines der Bilder minimal vom anderen ab. Das menschliche Auge versucht in solchen Situationen permanent das Bild zu korrigieren, was oftmals zu Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel oder trockene Augen führt. Hauptursache für das sogenannte latente – also nicht sichtbare – Schielen ist in den meisten Fällen eine Längendifferenz der äußeren Augenmuskeln.

Da es sich hierbei jedoch nicht um eine Augenkrankheit handelt, lässt sich eine Winkelfehlsichtigkeit leider nur schwer feststellen. Im Gegensatz zu einer Hornhautverkrümmung kann man diese Form der Sehschwäche nicht objektiv messen. Der behandelnde Augenarzt oder Optiker ist rein auf die Seheindrücke und die Symptome des Betroffenen angewiesen. Beim Schielen dagegen ist offensichtlich, dass beide Augen nicht synchron zueinander agieren. Wurde eine Winkelfehlsichtigkeit diagnostiziert, kann sie jedoch, ähnlich wie bei einer Kurzsichtigkeit, mithilfe einer sogenannten Prismenbrille korrigiert werden.

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Ursachen und Symptome für eine Winkelfehlsichtigkeit

Wie eben bereits erwähnt, liegt die Ursache für eine Winkelfehlsichtigkeit darin, dass die Bewegungsmuskeln des Auges nicht optimal gewachsen sind. Sie sind entweder zu kurz oder zu lang. Im Übrigen leiden fast 80 % der Bevölkerung in Deutschland an diesem Sehfehler. Meist bleibt dieser jedoch lange unbemerkt, da unser Auge und auch das Gehirn stetig versuchen, diesen Fehler zu korrigieren. Was auch durchaus gelingt. Auf Dauer ist diese permanente Korrektur aber eine zu hohe Belastung, was zu verschiedenen Beschwerden führt:

  • Ermüdung
  • Rötungen der Bindehaut
  • Kopfschmerzen
  • Augentränen
  • Druckgefühl im Auge
  • Augenbrennen
  • Flimmern
  • zeitweiliges Unscharf- oder Doppeltsehen
  • Übelkeit
  • Lichtempfindlichkeit
  • Rücken-, Nacken- oder Schulterschmerzen
  • Gestörte Auge-Hand-Koordination
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Reizbarkeit
  • Kein eindeutiges räumliches Sehen
  • Anstrengendes Nahsehen mit und ohne Brille

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Der Muskel hat keine Zeit sich zu entspannen. Werden die Symptome zu lange ignoriert oder erfolgt die Diagnose zu spät, ist sogar eine fortschreitende Verschlechterung beider Augen (binokulares Sehen) möglich.

Eine Längendifferenz der Augenmuskeln lässt sich bereits im Kindesalter feststellen. Wenn Sie bei Ihren Kindern einen Großteil der folgenden Beschwerden häufiger beobachten, sollten Sie bei Ihrem Kind einen Test auf Winkelfehlsichtigkeit durchführen lassen:

  • Probleme beim Konzentrieren
  • Langsames und mit viel Druck verbundenes Schreiben
  • Klein zu schreiben fällt schwer
  • Beim Lernen werden oft Pausen benötigt
  • Viele Flüchtigkeitsfehler
  • Liest ungerne oder stockend und verrutscht beim Lesen in der Zeile
  • Hibbeligkeit
  • Probleme bei der Feinmotorik

Die meisten dieser Beschwerden kommen auch bei Kindern und Jugendlichen vor, die an Legasthenie leiden. Da sich die Symptome jedoch sehr ähneln, muss nicht immer die Lese-Rechtschreib-Schwäche oder eine Heterophorie die Ursache sein und umgekehrt.

Die MKH-Methode und der Pola-Test sind die bisher exaktesten Tests beim Augenarzt. (c) Colourbox

Winkelfehlsichtigkeit durch die MKH-Methode feststellen

Die Mess- und Korrektionsmethodik nach Hans-Joachim Haase – kurz MKH-Methode oder Pola-Test – ist die aktuell exakteste Messmöglichkeit für Winkelfehlstellungen. Dabei werden dem Betroffenen mithilfe eines Polatest-Sehprüfgeräts spezielle Testbilder gezeigt. Jedes Testbild besteht aus zwei Teilen und besitzt einen polarisierenden Filter, der Licht in unterschiedlichen Wellenlängen ausstrahlt.

Bekanntestes Beispiel ist sicherlich das Kreuzbild, bei dem das eine Auge nur den waagerechten und das andere Auge nur den senkrechten Balken sieht. Hierzu wird jeweils ein Auge geschlossen und vor das andere Auge ein spezielles Prismenglas zur Zentrierung gesetzt. Solange das Testbild mit nur einem Auge angeschaut wird, ist ein ganz normales Kreuz sichtbar. Öffnet man nun aber beide Augen und man sieht die zwei Balken verschoben, dann liegt mit aller Wahrscheinlichkeit eine Winkelfehlsichtigkeit vor. Je nachdem in welche Richtung der jeweilige Balken verschoben gesehen wird, handelt es sich entweder um eine vertikale (Balken nach oben oder unten) oder horizontale (Balken nach rechts oder links) Winkelfehlsichtigkeit.

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Kann eine Winkelfehlsichtigkeit behandelt werden?

Um eine Heterophorie zu korrigieren, wird oft eine sogenannte Prismenbrille verordnet. Die speziellen Prismengläser lenken den Lichtstrahl so um, dass das betrachtete Bild im Auge auf exakt die Stelle trifft, die die beste Sehqualität liefert. Die Bilder beider Einzelaugen werden also durch die Brillengläser so verschoben, dass das räumliche Gesamtbild wieder optimal hergestellt wird und Sie mit beiden geöffneten Augen wieder ganz „normal“ sehen können.

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