Zuckerersatz - Eine gute Alternative?

Gesunde Ernährung

Zuckerersatz – Eine gute Alternative?

Der Haushaltszucker wird immer öfter von anderen Süßungsmitteln ersetzt. Dabei werden die verschiedensten Erwartungen an den Zuckerersatz gestellt: kalorienarm, gut für die Zähne und empfehlenswert für Diabetiker. Aber kann er geschmacklich wirklich mit echtem Zucker mithalten? Und ist Zuckerersatz dabei auch noch gesünder?

Wir wissen, dass Zucker nicht der gesündeste Inhaltsstoff ist, wollen aber trotzdem nicht auf den süßen Geschmack verzichten. Deshalb gibt es verschiedene Ersatzstoffe. Sie sollen beim Abnehmen helfen, Diabetikern unbegrenzten Süßigkeitenkonsum ermöglichen und keine Karies verursachen. Wir finden Zuckerersatz in immer mehr Lebensmitteln. Aber erfüllen diese Stoffe unsere Erwartungen? Und was ist Zuckerersatz überhaupt? Wir klären auf.

Welchen Zuckerersatz gibt es?

Es gibt verschiedene Ersatzstoffe, die unterschiedliche Vorteile mit sich bringen. Wir geben einen Überblick über die wichtigsten Zuckerersatzstoffe.

Zuckeraustauschstoffe

Zuckeraustauschstoffe, sogenannte Zuckeralkohole, sind süß schmeckende Verbindungen. Sie besitzen eine vergleichbare Süße wie normaler Zucker. Zuckeraustauschstoffe werden in der Regel auf Basis von Obst und Gemüse gewonnen.

Bei der Nährwertkennzeichnung auf der Rückseite von Produkten werden Zuckeraustauschstoffe deshalb zu den Kohlenhydraten gezählt und nicht zum „gewöhnlichen“ Zucker. Daher ist die Bezeichnung „zuckerfrei“ zwar korrekt, sie sollte aber nicht zu der Annahme verleiten, dass die Produkte dadurch auch kalorienfrei sind.

Zuckeraustauschstoffe enthalten etwa 2,4 Kalorien pro Gramm und damit weniger als normaler Zucker, der 3,87 Kalorien pro Gramm hat. Zuckeraustauschstoffe beeinflussen den Blutzuckerspiegel kaum und waren deswegen lange Zeit in Diabetes-Lebensmitteln enthalten. Außerdem verursachen Zuckeraustauschstoffe keine Karies. Typische Beispiele für Zuckeraustauschstoffe sind Mannit und Sorbit.

Süßstoffe

Süßstoffe sind chemisch hergestellte Zuckerersatzstoffe, die häufig um ein Vielfaches süßer sind als Zucker. Deshalb werden sie oft nur in geringen Mengen verwendet. Der Süßstoff Aspartam ist zum Beispiel um ein 3000-faches süßer als Haushaltszucker. Dabei besitzen Süßstoffe nahezu keine Kalorien und sind deshalb häufig Bestandteil von Light-Produkten. Sie versprechen den süßen Geschmack, ohne Gewichtszunahme. Auch Süßstoffe sind für Diabetiker geeignet und verursachen keine Karies. Ein besonderer Süßstoff ist Stevia: Er ist natürlichen Ursprungs und darum sehr beliebt. Vorausgesetzt man verwendet die Blätter der Steviapflanze in seiner natürlichen Form. Steviolglycosid, das aus der Pflanze extrahiert wurde und in Streusüße oder Tabletten enthalten ist, ist nicht mehr ganz so natürlich.

Natürliche Zuckeralternativen

Honig, Ahornsirup und Agavendicksaft zählen zu den bekanntesten Mitteln, um raffinierten Zucker zu ersetzen. Dabei sind diese natürlichen Alternativen, anders als Süßstoffe oder Zuckeraustauschstoffe, keine wirklichen Ersatzprodukte, da sie selbst aus verschiedenen Zuckerarten bestehen. Ein Vorteil, den diese Lebensmittel aber mit sich bringen, sind die wertvollen Mineralstoffe, die sie enthalten.

Geschmacklich unterscheiden sich diese Produkte aber von Zucker und sind nur bedingt als Ersatz, beispielsweise beim Backen, geeignet. Was den Kaloriengehalt betrifft ist Vorsicht geboten. Zwar hat der Ahornsirup deutlich weniger Kalorien als Haushaltszucker, Agavendicksaft und Honig haben aber fast genauso viele.

Aus Stevia bestehende Süßstoff-Tabletten.

Der natürliche Süßstoff aus der Steviapflanze ist besonders beliebt. (c) Fotolia / HandmadePictures

Welche Bedenken gibt es beim Zuckerersatz?

Es scheint, als ob der Zuckerersatz gegenüber normalem Zucker nur Vorteile hat, doch dem ist nicht so. Beim Zuckerersatz gibt es vieles zu beachten.

Zuckeraustauchstoffe: Abführende Wirkung

Bei Lebensmitteln mit Zuckeraustauschstoffen muss unbedingt auf die verzehrte Menge geachtet werden, denn im Darm werden Zuckeraustauschstoffe nur langsam aufgenommen. Sie ziehen beim Verdauungsprozess viel Wasser aus dem Körper und in den Darm hinein. Der Stuhl wird so verflüssigt. Bei großen Mengen an Zuckeraustauchstoffen kann es daher zu Durchfällen kommen. Deshalb müssen Lebensmittel, die mehr als zehn Prozent Zuckeraustauschstoffe enthalten, mit dem Warnhinweis „Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ gekennzeichnet sein.

Zweifel am Abnehmerfolg mit Zuckerersatz

Viele Zuckerersatzstoffe haben weniger Kalorien als Haushaltszucker. Heißt: Durch den Verzehr von Lebensmitteln mit Zuckerersatz werden dem Körper tatsächlich weniger Kalorien zugeführt. Das bedeutet aber nicht, dass Zuckerersatz zwingend beim Abnehmen hilft. Immer wieder steht Zuckerersatz im Verdacht, das Gehirn auszutricksen und so das Hungergefühl zu steigern. Folge: Man greift öfter zu und nimmt im Endeffekt mehr Kalorien zu sich. Bisher wurde dieses Verhalten aber nur bei Tierversuchen belegt. Ob es sich bei Menschen genauso verhält, ist noch umstritten.

Sind Süßstoffe krebserregend?

Immer wieder wird diskutiert, ob Süßstoffe Krebs verursachen können. Insbesondere der Stoff „Aspartam“ stand unter Verdacht, Blasenkrebs hervorzurufen. Aber die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit efsa (European Food Safety Authority) gab Entwarnung. Weder Aspartam, noch andere zugelassene Süßstoffe, sind bei alltäglichem, normal hohem Verbrauch krebserregend.

Zuckerersatz für Diabetiker

Zuckerersatz kann für Diabetiker unbeschwerteren Genuss bedeuten. Süßstoffe beeinflussen den Blutzuckerspiegel nicht, weswegen Diabetiker ihren Kaffee am besten damit süßen sollten. Zuckeraustauschstoffe haben nur geringen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. Sie waren lange Teil von Diabetes-Lebensmitteln, welche es heute aufgrund von rechtlichen Vorschriften nicht mehr gibt.

Die natürlichen Zuckeralternativen wirken sich unterschiedlich auf den Blutzuckerspiegel aus. Honig zum Beispiel lässt den Blutzuckerspiegel fast genauso schnell ansteigen wie normaler Zucker. Aber Diabetiker müssen heutzutage nicht mehr auf Zuckerersatz zurückgreifen. Auch kleine Mengen Haushaltszucker sind für Diabetiker inzwischen erlaubt, so lange sie ihren Insulinspiegel im Auge behalten.

Frau die sich den Bauch hält.

Zuckeraustauschstoffe wirken in größeren Mengen abführend. (c) Fotolia / chajamp

Schützt Zuckerersatz vor Karies?

Die Grundlage für Kariesbakterien sind Zellulose, Stärke und Zucker. Zuckerersatzstoffe (Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe) sollen zahnfreundlicher sein, da es sich nicht um echten Zucker handelt. Deswegen ist Zuckerersatz häufig in Zahnpflege-Kaugummis und –Bonbons zu finden. Obwohl durch Zuckerersatz keine Karies entsteht, heißt das nicht, dass die Zuckerersatzstoffe durch normalen Zucker entstandene Karies vorbeugen können.

Natürlicher Zuckerersatz: Mehr Schaden als Nutzen?

Es gibt einen entscheidenden Punkt, der gegen den Konsum von natürlichen Zuckeralternativen spricht. Die Ersatzprodukte müssen oft importiert werden, so dass der Verzehr nicht ökologisch wertvoll ist. Zwar kann der Honig beim lokalen Imker gekauft werden, Agavendicksaft muss aber den langen Weg aus Mexiko zurücklegen. Bei Ahornsirup ist es ähnlich. Daher stellt sich die Frage, ob es wirklich besser ist, auf natürliche Zuckeralternativen aus Übersee zurückzugreifen.

Zuckerersatz oder echter Zucker? Hauptsache in kleinen Mengen genießen

Ist Zuckerersatz wirklich gesünder als der Haushaltszucker? Das ist Ansichtssache, da hier viele individuelle Faktoren mitspielen. Auf jenden fall ist Zuckerersatz in moderaten Mengen nicht schädlich. Er kann auch für bestimmte Personen sehr nützlich sein und zum Beispiel Diabetikern mehr Genuss bieten oder beim Abnehmen helfen.

Eine komplette Umstellung weg vom Zucker und hin zum Zuckerersatz ist aber für die meisten Menschen nicht nötig. Außerdem schmeckt der echte Zucker häufig doch am besten.