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Interview mit Abdelkarim

Interview mit Abdelkarim

Ab dem 18. Februar ist Kabarettist Abdelkarim in der zweiten Staffel von “Endlich Klartext” bei RTL2 zu sehen. Darin fühlt er Politikern auf den Zahn: ehrlich, authentisch, genau. Wir haben mit Abdelkarim gesprochen.

Normalerweise verbinden Sie politische Themen bei Ihren Auftritten mit Comedy. Bei “Endlich Klartext” geht es etwas ernster zur Sache. Was macht die Sendung so besonders?

Abdelkarim: In der Sendung werden ernste Themen angepackt, aber schon anders als in den üblichen Talkshows. Die Politiker sollen keine Floskeln raushauen, sondern mit Menschen sprechen, die von ihrer Politik direkt betroffen sind. Sie sollen aus ihrer Komfortzone herausgeholt werden und keine Standartantworten geben. Das gibt es so kaum in einem deutschen Fernseherformat.

Um was geht es genau?

Abdelkarim: Unser Ziel ist, dass die Politiker ihre Vorstellungen, die ja in der Regel gut gemeint sind, einmal selbst überprüfen können. Wir gehen der Frage nach, inwieweit die theoretischen Überlegungen der Politiker im Alltag umsetzbar sind, oder ob sie vielleicht am Alltag „vorbei entschieden“ haben.

Verändern sich da so manche Ansichten?

Abdelkarim: Ja, nicht nur von den Politikern, sondern von uns allen. Die Menschen, die besucht werden, stellen zum Beispiel fest, dass Politik oft doch nicht so einfach ist, wie vielleicht gedacht. Politik ist nicht immer nur schwarz und weiß, sondern es gibt immer ganz viele Abwägungen.

Nach welchen Auswahlkriterien werden die politischen Gäste für die Sendung eigentlich ausgesucht?

Abdelkarim: Das Redaktionsteam trifft sich mit uns und dann diskutieren wir erst mal eine Weile darüber, wen wir gerne haben wollen. Die Politiker werden gefragt, ob sie Lust haben, an der Sendung teilzunehmen. Die meisten sagen zu. Natürlich gibt es auch hin und wieder ein paar Absagen, aus terminlichen Gründen, nicht weil sie Angst vor einem Image-Schaden haben. In der Sendung geht es ja nicht darum, die Politiker herabwürdigend zu kritisieren, sondern es soll eine offene und ehrliche Diskussion zwischen allen Teilnehmern entstehen. Das wissen zum Glück alle, weil es ja schon eine erste Staffel gab.

"Es gibt kein Gesetz, wie Comedy auszusehen hat"

Alles sehr authentisch! Genau wie Sie, wenn Sie auf der Bühne stehen. Ist Ihr Comedy-Programm immer auf persönlichen Anekdoten aufgebaut?

Abdelkarim: Ja. Momente, die ich bei Freunden oder Fremden beobachte, oder solche die ich selbst erlebe, Momente die ich absurd, lustig, oder interessant finde, zeige ich auf der Bühne. Es gibt für mich kein Gesetz, wie Comedy auszusehen hat. Für mich bedeutet Stand-up-Comedy, das Gefühl zu haben, als würde man mit Freunden reden. Man spricht einfach über alles. Schlechte Nachrichten kann man dann, nebenbei, auch noch auf der Bühne ansprechen und lustig verpacken.

Wie bereiten Sie sich denn auf Ihre Auftritte vor? Haben Sie ein bestimmtes Ritual, bevor Sie auf die Bühne gehen?

Abdelkarim: Nein, Rituale habe ich nicht. Meistens sitze ich auf der Couch und warte auf meinen Auftritt. Im besten Fall wird vor dem Auftritt noch ein kurzer Soundcheck durchgeführt, aber das war’s dann auch. Es gab im letzten Jahr allerdings ein paar Momente, wo ich leider durch Zugverspätungen erst so spät ankam, dass ich direkt vom Zug aus auf die Bühne musste. Das war dann nicht ganz so entspannt, aber immerhin hatte ich dann keine Zeit, um Panik zu kriegen.

Fahren Sie immer mit dem Zug?

Abdelkarim: Selten nehme ich mal das Auto. Ich finde Zugfahren viel angenehmer, wenn man länger unterwegs ist. Man kommt entspannter an, als wenn man mehrere Stunden mit dem Auto unterwegs ist. Zwischendurch mal schlafen, mit fremden Leuten sprechen oder während der Fahrt aufstehen. Im Auto unmöglich. Als Nebeneffekt gibt’s im Zug dann auch ab und an mal neuen Input für meine Auftritte, im Auto eher weniger.

"Ich war schon immer der typische Klassenclown"

Wollten Sie eigentlich schon immer Kabarettist werden?

Abdelkarim: Ich war in der Schule schon immer der typische Klassenclown. Quasi eine Ausbildung auf der Straße. Als damals noch die RTL Samstagnacht Show im Fernsehen lief, habe ich mir gedacht: Hey, das gibt es ja auch als Beruf. Trotzdem habe ich erstmal angefangen Germanistik und Islamwissenschaften zu studieren und bin dann irgendwann auf Jura umgeschwenkt. Das Studium hat Spaß gemacht, aber dann kam mir doch die Comedy in die Quere, was auch nicht schlimm war.

Wie würden Sie den Humor der Deutschen beschreiben?

Abdelkarim: Der ist sehr unterschiedlich, würde ich sagen. Das sieht man schon an den ganzen deutschen Comedians, die sind alle so verschieden, da ist für jeden etwas zum Lachen dabei.

Haben Sie Vorbilder aus der Comedy-Szene?

Abdelkarim: Ich habe auf jeden Fall Comedians, die ich sehr lustig finde. Zum Beispiel Kaya Yanar, oder Harald Schmidt. Die habe ich als Kind schon gerne gesehen.

"Da war die Serienwelt noch in Ordnung"

Sie haben in einem Interview gesagt, dass Sie gerne einen Film drehen würden. Gibt es da schon Pläne?

Abdelkarim: Diesen Traum hatte ich sogar schon, bevor ich Comedian werden wollte. Leider gibt es noch keine genauen Pläne. Es gibt so viele schlechte Filme, deshalb glaube ich, dass es wirklich nicht leicht ist, einen guten Film zu drehen. Umso bemerkenswerter, dass es trotzdem sehr viele geniale Filme gibt.

Welche Filme schauen Sie denn am liebsten?

Abdelkarim: Schwer zu sagen. Ich habe echt viele Lieblingsfilme, das wäre unfair, jetzt nur einen zu nennen. Man könnte von einer Top 5000 Liste sprechen, ich bin aber trotzdem kein Film-Nerd.

Wie sieht es mit Serien aus?

Abdelkarim: Serien schaue ich gerne, besonders “MacGyver” oder das “A-Team”.  Da war die Serienwelt noch in Ordnung: Einfache Handlung, klare Charaktere und am Ende liegen sich alle in den Armen. Was Serien aus der Gegenwart angeht, bisher nur “Gotham” und “The Marvelous Mrs. Maisel”. Machen wir uns nichts vor, es herrscht Nachholbedarf.

Was ist mit “Game of Thrones”?

Abdelkarim: Ich muss gestehen, dass ich noch nie “Game of Thrones” gesehen habe. Viele haben mir schon gesagt, dass das sehr gut sein soll, aber bis jetzt habe ich das noch nicht angeschaut. Ich habe auch noch nie “Herr der Ringe” gesehen oder “Star Wars”. Da habe ich schon ein paar Filmlücken. Ich glaube, ich muss mir mal die DVD’s holen…

Haben Sie neue Projekte für 2020 geplant?

Abdelkarim: Wie sagt man so schön: Es stehen große Projekte an, aber ich darf noch nichts verraten. Und jetzt die Wahrheit: Ab Herbst startet meine neue Solo-Livetour. So neu, dass es noch keinen Titel gibt. Aber dafür ganz viel Vorfreude.

| Ann-Kathrin Schaub | 6. Februar 2020