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Interview mit Alexander Bommes

Interview mit Alexander Bommes

"Ich bereite mich jeden Tag akribisch vor"

Große Turniere sind sein Ding. Alexander Bommes hat von der WM 2014 in Rio und der EM 2016 in Paris berichtet, jetzt führt er durch die EM-Spieltage 2020/21 im Ersten. Ein Gespräch über Experten, Leistungssport und Lampenfieber.

Herr Bommes, Sie haben schon einige große Turniere und Olympia moderiert. Wie sehen wir Sie denn bei dieser EM?

Alexander Bommes: Wir, also Kevin-Prince Boateng, Almuth Schult, Stefan Kuntz und ich, sind während der EM im Sportschau-Studio in Köln und halten dort quasi die Fäden in der Hand. Das ist eine schöne Zusammensetzung, und ich bin gespannt. Auch auf die Atmosphäre – wegen Corona wird sie sicherlich eine andere sein als bei vorherigen Turnieren.

Wie bereitet man sich als Moderator auf so eine EM vor?

Alexander Bommes: Früher hätte ich den Fußballersatz “Ich denke immer von Spiel zu Spiel” noch scherzhaft gesagt. Aber der gilt mir in diesen Zeiten mehr denn je als Motto. Ich werde mich kurz vor dem Turnier in die Themen einlesen. Und wenn es dann läuft, bereite ich mich jeden Tag akribisch auf die nächste Sendung vor. Ich bin da sehr penibel. Ich schreibe Skripte für den Tag, um in wichtigen Momenten reagieren zu können. Körperlich lebe ich in dieser Zeit auch sehr diszipliniert: gut schlafen, gut essen, Sport treiben.

"Ein Leistungssportler schießt ja nicht mit Absicht daneben"

Braucht es für ein besonders langes Turnier mit viel Sendezeit auch besonders viel Fachwissen? Muss der ARD-Moderator zum Beispiel den rechten Verteidiger von Nord-Mazedonien kennen? 

Alexander Bommes: (lacht) Ich denke eher nicht. Außerdem habe ich dafür ja meine Kollegen, die Experten im Studio.

Stichwort Experten: Wie bereitet man sich denn auf einen Kevin-Prince Boateng vor? Viele haben ihm nicht verziehen, dass er mal DFB-Kapitän Michael Ballack in der Premier League so hart foulte, dass der anschließend die WM 2010 in Südafrika verpasste. Boateng polarisiert also schon etwas.

Alexander Bommes: Ich denke nicht, dass das eine Rolle spielen wird. Kevin-Prince Boateng ist eine große Bereicherung. Er hat viel erlebt, war bei einer Fußball-WM dabei, hat in der Bundesliga gespielt, in Italien, England, Spanien. Auf höchstem Niveau. Er kann zu allem seine fundierte Meinung beitragen. Er ist so viel rumgekommen, da hat er wahrscheinlich sogar schon mal mit dem rechten Verteidiger von Nord-Mazedonien zusammengespielt (lacht).

Kommt Ihnen entgegen, dass Sie selbst Leistungssportler waren?

Alexander Bommes: Es hilft sicherlich, genau zu wissen, wie es sich anfühlt, wenn mal gar nichts geklappt hat. Dass ich weiß: Ein Leistungssportler schießt ja nicht mit Absicht daneben. Dinge, die du dir vorgenommen hast, funktionieren manchmal einfach nicht, und du hast keine Ahnung, warum das gerade eben so war. Das habe ich selbst erlebt. Diese grundsätzlichen Fragen – “Was macht eine Leistung möglich?” oder “Was verunmöglicht Leistung?” – finde ich persönlich sehr spannend.

Fußball der ins Tor geht auf grünem Gras
©ARD

Haben Sie selbst eigentlich Lampenfieber?

Alexander Bommes: Nein, zum Glück nicht. Ich hatte das bisher wirklich nur ein einziges Mal in meiner Karriere, und deswegen erinnere ich mich auch so genau daran: Als ich am 22. November 2007 beim Hamburg-Journal für Judith Rakers einspringen musste.

Manchmal wirken Moderatoren ja etwas aufgedreht oder aufgeregt. Sie aber strahlen immer eine große Ruhe aus.

Alexander Bommes: Ich hatte einmal das Glück, vom großen Ernst Huberty lernen zu dürfen…

… er wurde “Mister Sportschau” genannt.

Alexander Bommes: Ja, und er sagte mir damals: “Sie werden eines Tages auf großen Bühnen stehen.” Aber er sagte auch: “Wenn ich Sie sehe, höre ich das Papier knistern. Das haben Sie nicht nötig!” Das habe ich mir zu Herzen genommen und nie auswendig gelernt, sondern mit Freude mir selbst vertraut.

Zum Schluss eine oft hitzig diskutierte Frage: Darf man heutzutage als TV-Sportmoderator auch Deutschland-Fan sein?

Alexander Bommes: Ich musste mir darüber zum Glück noch nie Gedanken machen. Journalistische Distanz war immer selbstverständlich. Ich hatte nie ein Problem damit zu sagen: Das war gut, und das war schlecht. Aber ja, natürlich freue ich mich, wenn Deutschland die EM gewinnt.

Interview: Alexander Steudel

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| rtv Redaktion | 9. Juni 2021