Interviews » Interview mit Alicia von Rittberg
Interviews » Interview mit Alicia von Rittberg

Interview mit Alicia von Rittberg

Interview mit Alicia von Rittberg

„Ich habe mich sehr geehrt gefühlt“

Die Historienserie „Becoming Elizabeth“ (ab 12.6. bei Starzplay) zeigt die bewegte Jugend der englischen Königin Elizabeth I. – in der Titelrolle: die Deutsche Alicia von Rittberg

Alicia von Rittberg glänzte bereits in Historienformaten wie  „Charité“ oder „Genius“. Für „Becoming Elizabeth“ schlüpft die deutsche Schauspielerin ins Gewand der jungen Elizabeth Tudor. Wir haben mit ihr über das opulente Projekt gesprochen.

Was hat sie an dem Projekt und an der Rolle gereizt? 

Alicia von Rittberg: Ich war erstmal baff, dass man mir überhaupt zutraut, dass ich eine englische Königin spiele. Ich fand das unglaublich spannend und hab mich sehr geehrt gefühlt. Und dann ist Elizabeth I. eine so tiefe, komplexe Persönlichkeit. Das ist ein absoluter Traum, so eine Rolle spielen zu dürfen. Ich muss schon sagen, dass die Masse an brillanten Schauspielerinnen, die Elizabeth I. schon verkörpert hat, ganz schön einschüchtert. Daher war ich froh, dass ich sie in so jungen Jahren spiele, wo es noch nicht so viel zum Vergleichen gibt. Aber vor allem auch, um sie weiter zu ergründen und darüber sprechen zu können, wie so eine Figur zu dieser Wahnsinns-Königin geworden ist, die wir alle aus den Bücher kennen. Das fand ich spannend. 

Elizabeth I. ist eine der eindrucksvollsten und berühmtesten Königinnen der europäischen Geschichte. Wie nähert man sich so einer Persönlichkeit für eine Rolle an, um ihr gerecht zu werden?

Alicia von Rittberg: Ich fand es ehrlich gesagt ganz spannend so ein bisschen ihre Zukunft auszublenden. Elisabeth konnte auch nur das wissen,  was sie bis dahin erlebt hatte. Darum habe ich versucht zu ihr als junges Mädchen emotional anzuknüpfen. Ich wollte sie so persönlich und zugänglich wie möglich machen. Ich glaube, es hat auch geholfen, dass es gar nicht so viel zu lesen gab über diese Zeit. So konnte ich mich auf ihren Lebensstil, ihr ganzes Lernen konzentrieren. Ich durfte selbst Klavierspielen. Konnte Kalligraphie lernen, altgriechisch, Tanz und den britischen Akzent. Ich hab gewissermaßen das Leben geführt, dass sie vielleicht auch geführt hat. Und zusätzlich habe ich Briefe und Gedichte gelesen, die sie geschrieben hat. Die Gedichte waren kurz und die Briefe ausschweifend. Also  witzigerweise ein bisschen wie ich. Da konnte ich mich sehr gut reindenken. 

Oft wird Elisabeth’ Halbschwester Mary als verbitterte und fanatische Frau dargestellt. “Becoming Elizabeth” geht andere Wege. Die Serie legt ihren Fokus auf die Beziehung von Elisabeth zu anderen starken Frauen. Wie wichtig ist ihnen diese weibliche Perspektive?

Alicia von Rittberg: Ich finde die Drehbücher dazu sehr spannend. Die sind hervorragend geschrieben von Anya Reiss. Da ist nicht alles schwarz oder weiß, es gibt keine Person, die immer der Bösewicht ist. Und auch die Beziehungen sind so komplex – gerade die der Geschwister. Mary und Elizabeth sind zusammen aufgewachsen, sind zusammen aus der Thronfolge ausgeschlossen und wieder eingesetzt worden. Sie haben eine ähnliche Jugend und Kindheit erlebt. Da ist eine Liebe, manchmal eine Art Hassliebe, die man nicht einfach so wegbügeln darf. Ich fand es spannend, wie diese Beziehungen und die Personen dahinter funktionieren. Wie sie sich verhalten, wenn sie in eine andere Position gehoben werden, den Thron besteigen. Und ich finde es auch wichtig, zu zeigen, dass die echte Person hinter der öffentlichen Persona oft ganz anders ist. Oder auch welche Ereignisse dazu geführt haben, dass diese Figuren eine bestimmte Härte haben, unverheiratet bleiben oder als „Virgin Queen“ in die Geschichte eingehen.

Nach der ersten Staffel ist der Weg zum Thron für Elisabeth noch weit und liefert genug Stoff für mehrere Staffeln. Können Sie sich vorstellen den Part über mehrere Jahre zu spielen?

Alicia von Rittberg: Ich glaube es gibt noch unglaublich viel zu ergründen. Gerade bei so einer Figur, die so schlau ist, indem sie sich zurücknimmt und beobachtet. Die erst mal lernt und sich gut überlegt, welche Kämpfe sie ausficht. Die weise auswählt, in was sie sich verbeißt und in welcher Situation sie lieber abwartend beobachtet. Gerade bei so einem Charakter gibt es  noch viel auszuloten. Wenn ich mit der Showrunnerin darüber spreche, was es da noch alles zu erzählen gäbe, dieser Reichtum an Geschichte, Politik, Religion, Familie und die Menschlichkeit dahinter. Es ist einfach so eine komplexe Welt, die man da noch ergründen kann. Daher kann ich mir das schon gut vorstellen, da noch mehr in die Tiefe zu gehen. 

Welche politischen Lektionen lernt Elizabeth in der 1. Staffel?

Alicia von Rittberg: Ich glaube, dass sie lernt, sich nicht vorschnell auf eine Seite zu stellen gegen die andere, sondern ganz agil zu bleiben. Aufmerksam zuzuhören und dann eine informierte Entscheidung zu treffen. Ich glaube, es gibt auch für sie kein Schwarz und Weiß. Sie ist immer dabei, sich der Situation anzupassen, wie ein kleines Chamäleon. Und ich glaube das wichtigste ist, dass sie lernt sich erstmal zurückzunehmen, zu beobachten und zu lernen. 

Mussten Sie für ihre Rolle reiten lernen oder konnten sie das vorher schon?

Alicia von Rittberg: Nein, das habe ich für die Rolle gelernt. Ich saß davor noch nie auf einem Pferd. Eigentlich dachte ich, dass ich gegen Pferde allergisch bin. Aber das ging sehr gut und ist so ein bisschen zu meinem Lieblingshobby geworden. Leider kann man das nicht immer so einfach weiterführen, weil es ja doch ein aufwendiges Hobby ist. Aber ich habe mich sehr verliebt in den Sport. Ich habe es genossen auch während des Drehs weiter daran arbeiten zu können und am Wochenende reiten zugehen.

In Deutschland wird die Serie auf Starzplay zu sehen sein. Haben Sie Unterschiede erlebt zwischen TV und Kinoproduktionen im Gegensatz zum Streaming?

Alicia von Rittberg: Es kommt immer darauf an, wieviel Vorbereitungszeit man hat. Das war der größte Unterschied für mich als Schauspielerin. Das merkt man einfach, wenn man ein halbes Jahr vorher Zeit hat, sich auf den Akzent vorzubereiten und zum Beispiel Reit-Unterricht bekommt. Das ist ein unglaublich großer Luxus und hilft auch in die Rolle zu kommen. Das ist für mich der einzige Unterschied, den ich bemerkt habe.  

Was haben Sie als zuletzt gestreamt?

Alicia von Rittberg: Ich muss sagen, dass ich eigentlich schon fast nur noch streame. Ich glaube, ich habe so ziemlich jeden Streaming-Dienst abonniert, den es gibt, weil ich natürlich gut informiert sein möchte und nichts auslassen darf. Umso erstaunlicher, dass ich da ein bisschen hinterher bin und jetzt erst gerade “Euphoria” Staffel 2 schaue. Das ist ja schon fast Schnee von gestern, aber ich bin großer Fan und guck mir das jetzt im Moment gerade an. 

Was ist das Besondere an historischen Stoffen wie „Becoming Elizabeth“ oder „Charité“ für Sie?

Alicia von Rittberg: Also ich selbst liebe es, Dinge zu gucken, bei denen ich gut unterhalten werde und danach merke ich: Ach, jetzt habe ich auch noch was gelernt über Geschichte, über Religion, über die Zeit an sich und auch noch eine menschliche Message bekommen. Das sind spannende Projekte. Man taucht da ab in eine andere Welt und man kann das Hier und Jetzt ein bisschen vergessen. Und trotzdem sind die Inhalte aktuell und haben einen starken Bezug zur heutigen Zeit, dass man danach immer das Gefühl hat, man hat was mitgenommen. Ich finde diese Kombination kann man mit historischen Stoffen so gut transportieren wie mit nichts anderem.

| Kristin Lenk | 6. Juni 2022