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Interview mit Anja Reschke (“Panorama”)

Interview mit Anja Reschke (“Panorama”)

„Ich bin nicht nostalgisch“

Seit 60 Jahren gibt es „Panorama“. Frontfrau des ARD-Politmagazins ist seit zwanzig Jahren Anja Reschke. Die 48-Jährige legt mit ihrem Team den Finger in Wunden und holt brisante Themen ins Licht, im Dienste eines aufklärenden, professionellen Journalismus – nicht immer zur Freude der Mächtigen und der Wahrheitsleugner.

Frau Reschke, wie gehen Sie mit Hassreaktionen auf Ihre journalistische Arbeit um?

Anja Reschke: Ehrlich gesagt, ich habe versucht, die Anfeindungen und deren Ausmaß anderen gar nicht so direkt zu schildern, habe davon Familienmitgliedern und auch Freunden nicht so viel erzählt.

Weil dieses auch für Sie nicht so groß werden soll?

Anja Reschke: Nein, es ist ja auch nicht so, dass ich nur negative Reaktionen kriege. Ich bekomme auch ganz viele tolle, lobende, ermutigende Zuschriften. Aber so wie die Welt heute ist, kriegt man eben auch unangenehme Zuschriften und Bedrohungen, die nicht schön sind.

Seit 60 Jahren gibt es „Panorma“, seit 20 Jahren mit Ihnen als Moderatorin. Was fühlt man da?

Anja Reschke: Ich bin nicht nostalgisch, ich habe eine große Liebe zu dieser Sendung und zu dieser Form des Journalismus entwickelt, weil ich sie für wichtig und essenziell halte.

20 Jahre – war das geplant?

Anja Reschke: Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass ich diese Sendung überhaupt 20 Jahre lang moderieren würde. Nie hätte ich das gedacht.

Wie viel Routine ist heute dabei?

Anja Reschke: Die Themen sind eigentlich gleich. Es geht um Gerechtigkeit, um Würde, um Chancen, um Macht. Aber das Wie ist immer anders. Von daher ist die Arbeit nie Routine.

Gerechtigkeit als Motivation

Was treibt Sie an? 

Anja Reschke: Ich mag es, über etwas zu berichten, mit dem man vielleicht etwas verändern kann, etwas bewegen, auf etwas aufmerksam machen. Ich mag dieses Gefühl, Gerechtigkeit schaffen zu wollen, Ungerechtigkeiten zu benennen.

Welche?

Anja Reschke: Mir tut es weh, wenn Minderheiten in diesem Land diskreditiert werden. Es geht um die Bedrohung  oder Einschränkung von Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, Ausübung der Freiheit, die Pressefreiheit – und die Würde des Menschen. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass wir unsere zivilisatorischen Errungenschaften behalten.

Wie entspannen Sie?

Anja Reschke: Mit Entspannung verbinde ich eine Wanderung in den Bergen oder auch Skifahren dort. In diesen Momenten ist mir alles egal, ich bin weit weg von allem und kann wunderbar entspannt in die Ferne gucken.

Was gucken Sie sonst?

Anja Reschke: Ich bin jemand, der auch sehr gut Trash machen kann. Ich kann gut zu Hause rumtanzen oder mal drei Stunden vor der Glotze liegen und Liebesfilme anschauen. Ich kann mir auch für zwei Stunden einen Podcast anhören. Ich bin kein News-Junkie, der ununterbrochen Informationen inhalieren muss.

Entspannung in Corona-Zeiten?

Anja Reschke: Ich habe vor der Pandemie auch schon viel gekocht, aber zu Corona-Zeiten habe ich Neues angefangen, wie wahrscheinlich viele Menschen – ich habe viel Brot gebacken. Ich schätze das Gefühl, du stehst morgens auf, machst etwas und hast danach ein fertiges Brot vor dir liegen. Das ist was Produktives, und die Familie freut sich.  

Was sind Ihre Stärken?

Anja Reschke: Ich glaube, und ich habe lange Jahre gebraucht, um das zu sagen, und es klingt auch vielleicht komisch, aber ich glaube, dass ich mutig bin. Ich bin unerschrocken, und zwar unerschrocken Hierarchien und Macht gegenüber. Mir ist egal, wer vor mir steht, mir geht es um Gerechtigkeit.

Und Ihre Schwächen?

Anja Reschke: Leute sagen immer gerne, ich bin ungeduldig, weil das die beste Schwäche ist, die man zugeben kann. Das klingt dann, als sei man zielstrebig. Aber dadurch nehme ich viele Ideen auf dem Weg gar nicht mit. Viele Menschen haben viele gute Ideen, und dafür muss man offen sein.

Sonstige Schwächen?

Anja Reschke: Ich habe immerhin nach wirklich sehr vielen Jahren aufgehört zu rauchen. Ich gehe viel zu spät ins Bett und schlafe viel zu wenig, und ich bin auch ein wenig faul, vor allem mit meinem Körper. Ich müsste mehr Sport machen!

Interview: Thomas & Thomas / Wolfgang Wittenburg

Sendetermine “Panorama”

  • alle 3 Wochen, immer donnerstags, um 21:45 Uhr im Ersten
| rtv Redaktion | 1. Juni 2021