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Interview mit Diana Staehly und Roland Jankowsky

Interview mit Diana Staehly und Roland Jankowsky

Bereits zum siebten Mal wurden kurz vor Weihnachten die “coolsten Kommissare” ausgezeichnet. Diesmal gingen die von Diana Staehly (“SOKO Köln) und Roland Jankowsky (“Wilsberg) gespielten TV-Kommissare als Sieger hervor. Wir haben uns mit den Preisträgern am Abend der Gala unterhalten. Über die Bedeutung der Auszeichnung und welche Krimiformate die Gewinner selbst am liebsten schauen.

Coolster Kommissar! Was heißt das für Sie eigentlich?

Diana Staehly: Für mich heißt das, dass die Rolle der Anna von Maiwald in “SOKO Köln” eine spannende Rolle ist, die ich sehr glücklich war mitzuentwickeln und die ich offenbar, obwohl ich selbst alles andere als cool bin, offenbar cool rüberbringe. Es ist eine große Auszeichnung.

Herr Jankowsky, bei Ihnen hat diese coole Auszeichnung ja irgendwie eine doppelte Bedeutung, weil Ihre Figur des Overbeck ja ganz gern den Coolen spielt, wenn auch nicht immer erfolgreich.

Roland Jankowsky: Der Overbeck ist ja irgendwie schon auch eine arme Sau, muss man sagen. Er tritt immer wieder in Fettnäpfchen und wird dann einen Kopf kürzer gemacht. Aber er ist auch ein Stehaufmännchen, das sich nicht unterkriegen lässt. Und er ist loyal, steht zu seiner Chefin, das mögen die Leute. Ich bin von der Wahl total überrascht, weil es waren echt große Namen nominiert.

Diana Staehly: Das geht mir ähnlich.

Herr Jankowsky, inwieweit haben Sie die Figur des Overbeck selbst mitentwickelt?

Roland Jankowsky: Am Anfang war die Rolle klein, mit drei Sätzen hat sie angefangen. Dann war es ein Geben und Nehmen, denk ich. Das, was ich im Spiel angeboten habe, wurde angenommen. Da denken sich dann Redaktion und Autoren, okay, da kann man wohl etwas mehr draus machen.

Macht auch Spaß zu spielen, oder?

Roland Jankowsky: Auf jeden Fall. Vor zehn Jahren hatte ich mal einen Punkt, an dem ich ans Aufhören dachte, aber dann wurde die Rolle des Narren ausgebaut und dramaturgisch immer interessanter.

Frau Staehly, Sie sind seit drei Jahren in Köln. Was macht die “SOKO Köln” aus?

Diana Staehly: Das Ensemble. Wir haben eine wahnsinnig gute Chemie untereinander, und ich glaube, da wird etwas übertragen, das spürt der Zuschauer. Es ist auch der etwas skurrile Humor, den vielleicht nicht jeder versteht, aber wir haben viel Spaß daran, weiterzuentwickeln, wie man mit Herz und Humor Kriminalfälle lösen kann. Meine Rolle der Anna von Maiwald ist wirklich eine “Coole”, weil keiner so genau weiß, was das überhaupt für eine ist. Sie hat Geheimnisse und ist nicht richtig zugänglich, ist auch distanziert gegenüber den Kollegen. Deswegen freue ich mich sehr über die Auszeichnung als “Coolste” Kommissarin, aber ich freue mich auch immer über das Feedback, dass sie eigentlich so herzlich und nett sein kann.

Auch herzerfrischend normal. Manchmal hat man ja den Eindruck, dass man als TV-Kommissar irgendwie einen Schuss haben muss …

Roland Jankowsky: Schimanski war ja im Prinzip der erste, der gegen den Strich gebürstet war. Und mittlerweile gibt es ja so viele TV-Kommissare, da kann ich schon verstehen, dass man nicht immer das Gleiche machen will. Es ist nicht immer alles gut, was gesendet wird, aber Verschiedenes auszuprobieren finde ich jetzt nicht so verkehrt.

Diana Staehly: Wenn man versucht, bei der Realität zu bleiben, kann man schon darstellen, dass das Leben eines Kommissars sehr hart ist und das Privatleben durchaus schon mal zu kurz kommen oder scheitern kann. Aber wir sind “SOKO Köln”, am Vorabend, da werden Abgründe nur angedeutet.

Lieblingskrimis

Welche Krimiformate mögen Sie am liebsten?

Roland Jankowsky: Die skandinavischen. Ich mochte die Stieg-Larssen-Trilogie sehr. Die in Originalbesetzung.

Warum müssen die Amerikaner eigentlich immer alles nachmachen?

Diana Staehly: Weil sie denken, sie machen es besser.

Roland Jankowsky: Weil sie es dann besser vermarkten können. Aber die Schweden waren viel besser, viel näher dran. Die Skandinavier berühren mich mehr.

Warum sind Krimis denn so beliebt?

Diana Staehly: Vielleicht, weil die Leute mitraten können und  es immer ein Ende gibt mit einem Schuldigen und  klaren Verhältnissen.

Wieviel Platz nimmt die “SOKO Köln” in ihrem Leben ein?

Diana Staehly: Das ist ein Riesenbatzen. Auch durch die ständige Reiserei. Ich lebe mit meiner Familie in Potsdam, wir drehen in Köln, und das 25 Folgen im Jahr.

Bleibt da noch Zeit für anderes?

Diana Staehly: Ja, für Episodenrollen und Ähnliches. Aber es ist auch immer eine Herausforderung, das im täglichen Leben zu meistern als Ehefrau und Mutter einer Sechsjährigen.

Aber “Stromberg” ist beendet?

Diana Staehly: Es war eine wahnsinnig tolle Zeit, aber ich denke, wir haben aufgehört, als es nichts mehr zu erzählen gab.

Herr Jankowsky, bleibt neben “Wilsberg” noch Zeit für anderes? Sie sind sehr viel mit Lesungen unterwegs, schreiben Sie auch selbst?

Roland Jankowsky: Nein. Ich habe zwar viele Ideen im Kopf, konnte mich aber noch nicht aufraffen, das aufzuschreiben. Das können andere besser. Aber ich habe jetzt auch mal was ganz anderes gedreht, einen historischen Kriminalspielfilm nach einer wahren Begebenheit über eine Giftmischerin. Soll nächstes Frühjahr in die Kinos kommen: “Effigie – das Gift und die Stadt”. Kein Blockbuster, hat aber großen Spaß gemacht, den Film zu drehen.

Interview: Andreas Herden

| rtv Redaktion | 10. Juli 2019