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Interview mit Fabian Hinrichs

Interview mit Fabian Hinrichs

"Pessimist im Kopf"

Zum sechsten Mal ermittelt Fabian Hinrichs im Franken-“Tatort: Die Nacht gehört Dir” (Sonntag, 1.3., 20:15 Uhr, Das Erste) als Kommissar Voss. Wir haben den gebürtigen Hamburger zu einem Gespräch getroffen, über seine Rolle, Nürnberg – und eine Marktfrau … 

Glückwunsch zum neuen, dem sechsten Franken-“Tatort”. Wir finden ihn sehr gelungen.

Fabian Hinrichs: Ich auch. Man muss Auge und Ohr dafür haben. Mir gefällt das sehr. Wir machen genau einen “Tatort” pro Jahr, und der Anspruch ist, einen guten Film zu machen, von dem man denkt, es ist schön, dass er in der Welt ist. 

In der ersten Szene flirten Sie mit einer Honigverkäuferin. Wie gut sind Sie eigentlich im Flirten? 

Fabian Hinrichs: Privat? 

Klar. 

Fabian Hinrichs: Kann ich nicht sagen. Ich bin verheiratet, weg vom Markt. Ich liebe meine Frau und flirte gar nicht. 

Können Sie eigentlich noch unerkannt über den Nürnberger Hauptmarkt schlendern? 

Fabian Hinrichs: Nee, ich bin jetzt auch so weit, dass ich eine Mütze und eine Sonnenbrille habe. Aber es ist in Ordnung, die Leute sind sehr herzlich. Es wäre ja auch grotesk, “Tatort”-Kommissar zu werden und sich dann zu beschweren, dass man auf der Straße erkannt wird.

"Optimist im Herzen"

Was hat die Rolle des Kommissar Voss bei Ihnen verändert? 

Fabian Hinrichs: Schwierige Frage. Ich weiß nicht so genau, welche Veränderungen worauf zurückzuführen sind. 

Mehr Prominenz sicher auch … 

Fabian Hinrichs: Bestimmt. Natürlich, bei Einschaltquoten von neun oder acht oder zwölf Millionen oder so. (Den letzten sahen mehr als 9 Millionen Zuschauer – Anm. der Redaktion) 

Zurück zur Honigverkäuferin auf dem Hauptmarkt. Wird ihre Geschichte weitererzählt? 

Fabian Hinrichs: Es ist so in der Schwebe. Ich könnte mir vorstellen, dass dann nicht unbedingt ein Gelingen abgebildet wird. 

Schade. 

Fabian Hinrichs: Finden Sie? 

Ja, weil die Begegnung war so herzerfrischend unbeholfen … 

Fabian Hinrichs: Ja. Das freut mich, dass Sie das so sehen. Also, es ist noch im Gespräch. Man muss halt sehen, inwieweit das zur Krimihandlung passt und wo dieser charmant unbeholfene Anfang hinführt. Wir versuchen schon als Ermittler, persönlich zu sein, aber nicht privat. 

Ist diese kleine Geschichte das analoge Gegenstück zu dem, was das Mordopfer im digitalen Bereich auf Dating-Portalen treibt? 

Fabian Hinrichs: Da müssten Sie den Autor fragen. Ob das jetzt ganz bewusst eingesetzt wird als dramaturgischer Gegenpol, eine Begegnung also, die in der wirklichen Welt passiert als Gegenpol zum virtuellen, das weiß ich gar nicht. 

Nach seiner schönsten Liebesnacht befragt, antwortet Voss: “Die kommt erst noch.” Ist er ein im Grunde positiver Mensch? 

Fabian Hinrichs: Er hadert im Film ja auch. Ich denke, er möchte zumindest kein Zyniker werden. Vielleicht trifft es am ehesten zu, wenn ich sage, dass er ein Pessimist im Kopf ist, aber ein Optimist im Herzen.

Fabian Hinrichs (l.) und rtv-Redakteur Andreas Herden

| Andreas Herden | 25. Februar 2020