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Interview mit Florian Lukas

Interview mit Florian Lukas

Das ZDF-“Herzkino” macht am 22.9. Station in Kanada. “Fluss des Lebens: Yukon – Ruf der Wildnis” nimmt uns mit auf eine Reise durch eine überwältigende Landschaft. Männliche Hauptrolle: Florian Lukas (“Good Bye, Lenin!”, “Weissensee”) in seinem ersten “Herzkino”-Auftritt. Wir haben mit ihm gesprochen. 

Bären am Filmset

Hatten Sie vor den Dreharbeiten eine Beziehung zu Kanada?

Florian Lukas: Keine besondere. Aber ich war schon vorher privat ein-, zweimal da.

Mögen Sie Natur oder Stadt lieber?

Florian Lukas: Ich komme zwar aus der Stadt, aber ich habe mich auf dem Land schon immer viel wohler gefühlt als in der Stadt. Das ist auch immer noch so.

Wie waren die Dreharbeiten in Kanada?

Florian Lukas: Naja, es ist schon so, dass es dort kaum Menschen gibt. Und diese Stille wirkt irgendwie unheimlich. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass dort nur noch Tiere sind …

Wenn man dem Film glaubt, rennen da massenweise Bären rum …

Florian Lukas: Ist tatsächlich so, dass man wirklich Bären sieht von der Straße aus, auch Grizzlys.

Was hat es mit dem Bärenalarm am Set auf sich?

Florian Lukas: Ja, einmal mussten wir tatsächlich das Set räumen. Für die Kanadier war das normal.

Im Film gibt es eine Aussteigerin, die in einer Hütte lebt. Für Sie nachvollziehbar?

Florian Lukas: Ich könnte mir schon vorstellen, dass man in einer schweren Krise einen solchen Weg sucht, um zu sich selbst zu kommen.

Im Film behält Daniel für sich, dass er schwer herzkrank ist. Können Sie das verstehen?

Florian Lukas: Das kann ich tatsächlich verstehen. Gerade Männer machen ja gerne mal Sachen mit sich aus. Aber im Laufe meines Lebens habe ich gelernt, dass das einem mehr Kraft raubt, als dass es einem Kraft gibt, wenn man Sachen nicht teilt.

Florian Lukas (l.) und rtv-Redakteur Andreas Herden im Gespräch

Das Recht aufs "Happy End"

Das ist Ihr erster Herzkinofilm fürs ZDF. Wie kam es dazu?

Florian Lukas: Das hat mit Mia Spengler zu tun. Eine ganz tolle Regisseurin, die – das muss man auch dem ZDF zugutehalten – ausgesucht wurde in dem Bewusstsein, dass man vielleicht etwas anderes bekommt, als man sich vielleicht unter “Herzkino” vorstellt.

Der Film hat ein klares Happy End. Ganz in Ihrem Sinne?

Florian Lukas: Ja. Ich muss ehrlich sagen, da würde ich die Erwartung des Zuschauers auch gerne erfüllen. Man kann innerhalb dieses Genres überraschen, aber der Deal ist, dass man, wenn man sonntagabends das ZDF einschaltet, genau das bekommt, was man bestellt hat.

 Das ist Herzkino. Die Leute wollen ein Happy End haben und sie haben ein Recht darauf. Das ist auch ein Happy End ihrer Woche, das sollen sie auch bekommen.

Der 3. Oktober naht, welche Bedeutung hat der Tag für Sie?

Florian Lukas: Der Herbst 1989 ist in meiner Erinnerung sehr viel stärker als der Oktober 1990: Der 3. Oktober hat also nicht so die große Bedeutung für mich, die deutsche Einheit schon.

Haben wir noch eine Ost-West-Schere in den Köpfen?

Florian Lukas: Es ist ja die Zeit, die uns geprägt hat. Nicht nur ’89, sondern auch die Zeit davor und danach in den 90ern. Dass da große Unterschiede sind, sehen wir alle. Ich finde es nicht schlimm, dass es Unterschiede in Deutschland gibt. Es gibt auch innerhalb von Ostdeutschland Unterschiede in der Mentalität, auch innerhalb von Westdeutschland.

Ich glaube nach wie vor, dass Respekt und Interesse das Wichtigste sind, um weiter zusammenzufinden. Und das fehlt oft, von beiden Seiten. Ich habe kein Problem mit meiner Herkunft und keines mit der Herkunft anderer. Solange wir alle eine Sprache sprechen, in einer Form von, sagen wir mal, gemeinsamen Werten, dann ist es mir völlig egal, wo einer herkommt.

Was sind Ihre Pläne?

Florian Lukas: Derzeit drehe ich die Siegfried- Lenz-Verfilmung “Der Überläufer”. Er soll am 8./9.Mai 2020 im Ersten kommen. Zum 75. Jahrestag des Kriegsendes.

Außerdem mache ich zur Abwechslung gerne Lesungen und Hörspiele. Ende des Jahres darf ich den neuen Roman meines Lieblingsautors T. C. Boyle lesen. (“Das Licht” – Anm. der Red.)

Was würden Sie nie spielen?

Florian Lukas: Seichte Liebesunterhaltung kann ich gar nicht. Selbst wenn ich wollte, das wäre einfach nur peinlich. Ich bin durchaus romantisch, mag aber lieber das Understatement als den großen Pinsel.

| Andreas Herden | 17. September 2019