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Interview mit Freitaucherin Anna von Boetticher

Interview mit Freitaucherin Anna von Boetticher

Im Meer fühlt sich Anna von Boetticher zu Hause – das zeigt die vierteilige ARD-Reihe “Waterwoman” auf einmalige Weise. Im Interview verrät Deutschlands erfolgreichste Freitaucherin, was sie antreibt. Am 10. Juli läuft die erste Folge in der ARD, alle Folgen kann man etwas später im NDR bewundern.

Ohne Sauerstoffflasche kann Anna von Boetticher minutenlang tauchen, und weil sie keine verdächtigen Luftblasen ausstößt, kommt sie den Bewohnern unserer Ozeane besonders nahe. Mit atemberaubendem Filmmaterial zeigt sie uns in der ARD-Dokureihe “Waterwoman” die Faszination ihres Sports, erklärt aber auch, warum Haie keine Bestien sind und was wir ändern müssen, um die Unterwasserwelt zu retten.

Frau von Boetticher, kann ein Film das wahre Gefühl in der Tiefe der Meere dem Publikum nahebringen?

Anna von Boetticher: Wenn ich die Filme sehe, habe ich das Gefühl, dass sie genau so geworden sind, wie ich es immer wollte. Sie erzählen ehrlich von den Erlebnissen in einer faszinierenden Welt – ohne sie künstlich zu dramatisieren. Das war mir wichtig!

"Die Neugierde auf die Unterwasserwelt treibt mich an"

Waren Sie gleich Feuer und Flamme für das Projekt, oder hatten Sie Bedenken?

Anna von Boetticher: Die Idee dafür hatte ich selbst – und zwar schon seit vielen Jahren im Kopf. Als ich im ersten Covid-Lockdown deprimiert zu Hause saß und all meine Projekte abgesagt waren, dachte ich mir: Wenn keine Arbeit da ist, mache ich mir eben selbst welche. Ich habe mich hingesetzt und endlich ein richtiges Konzept für meine Idee geschrieben. Kaum war ich damit fertig, rief zufälligerweise Henning Rütten (NDR-Filmemacher – Anm. d. Red.) an.

Was treibt Sie an, ist es die Freiheit beim Freitauchen?

Anna von Boetticher: Ich habe 34 deutsche Rekorde aufgestellt, halte aber keine mehr, da ich mich seit Längerem weniger auf Wettkämpfe konzentriere. Das Entdecken, auch an extremen Orten, ist in den Vordergrund gerückt. Die Neugierde auf die Unterwasserwelt in all ihren Facetten ist das, was mich antreibt – schon immer.

"Ich brauche nicht die großen Dinge, um Glück zu empfinden"

Was mögen Sie am ­Reisen, und worauf ­könnten Sie gerne verzichten?

Anna von Boetticher: Auf meinen Reisen geht es ja fast nie darum, ein schönes Hotel auszusuchen, sondern immer um den Tauchplatz. Man kann sagen, dass der Luxus definitiv nicht über-, sondern unter Wasser stattfindet. Das stört mich auch nicht – bis auf die oft sehr zahlreichen und sehr großen Kakerlaken! Auf die könnte ich gut verzichten!

Und wie definieren Sie Glück für sich?

Anna von Boetticher: Für mich ist ganz klar: Ich brauche nicht die großen Dinge, um Glück zu empfinden. Ein richtig guter Kaffee vor mir, darüber freue ich mich zum Beispiel jeden Tag. Das ist für mich Glück.

Wo leben Sie, was bedeutet Ihnen Heimat?

Anna von Boetticher: Ich teile meine Zeit zwischen Berlin und einem Dorf in den französischen Alpen. Heimat ist für mich mit Bergen verknüpft. Das liegt daran, dass ich in einem Dorf südlich von München aufgewachsen bin, mit den Alpen am Horizont.

Sendetermine zum Start der Dokureihe “Waterwoman”

  • “Waterwoman – Hautnah bei den Haien der Azoren”: Sonntag, 10. Juli 2022, 19:15 Uhr in der ARD; Mittwoch 27. Juli 2022, 21 Uhr im NDR
  • “Waterwoman – In der Wasserwelt von Mexico”: Donnerstag, 28. Juli 2022, 21 Uhr im NDR
  • “Waterwoman – Auf Island im klarsten Wasser der Welt”: Mittwoch, 3. August 2022, 21 Uhr im NDR
  • “Waterwoman – Wasserabenteuer mitten in Budapest”: Donnerstag, 4. August 2022, 21 Uhr im NDR
  • die gesamte, vierteilige Reihe ist online first ab Samstag, 9. Juli 2022 und danach ein Jahr lang in der ARD Mediathek verfügbar
| rtv Redaktion | 1. Juli 2022