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Interview mit Iris Berben

Interview mit Iris Berben

Am 12. August wird Iris Berben 70 Jahre alt. In zwei nagelneuen Fernsehfilmen (“Nicht tot zu kriegen” im ZDF am 10.8. und “Mein Altweibersommer” im Ersten am 12.8.) darf das Geburtstagskind groß aufspielen. Warum sie gern an “Sketchup” zurückdenkt und was Corona uns lehren sollte, verrät sie rtv im Gespräch

"'Sketchup' war wie eine Schauspielschule"

Wenn eine so vielfach preisgekrönte Schauspielerin wie Iris Berben 70. Geburtstag feiert, dann ist das ARD und ZDF die Ausstrahlung von zwei nagelneuen Fernsehfilmen wert. Paraderollen fürs Geburtstagskind. Dass es in beiden ums Altwerden und Altsein geht, findet die Gefeierte “nicht ganz abwegig”. 

Frau Berben, Sie werden 70, und ARD und ZDF ehren Sie mit der Ausstrahlung großer neuer Fernsehfilme, Glückwunsch dazu. 

Iris Berben: Vielen Dank. Ich bin mir dessen sehr bewusst. 

Beide Filme handeln auf unterschiedliche Weise vom Altwerden, Altsein. Stört Sie das? 

Iris Berben: Ich glaube, alle anderen nehmen an meinem Alter mehr Anteil, als ich es selbst tue. Aber vielleicht ist man das der Öffentlichkeit geschuldet, wenn man sein Leben in der Öffentlichkeit verbringt. Ich arbeite einfach fleißig weiter und versuche, gut zu liefern und mich nicht zu wiederholen. Insofern nervt es mich nicht. Dass wir jetzt zwei Filme haben, die sich um das Thema drehen, ist ja nicht ganz abwegig, wenn man in dem Alter ist, in dem ich bin. Und ich finde, sie werden auf sehr unterschiedliche Weise mit mehr oder weniger Humor erzählt, mit einer großen Leichtigkeit. 

In “Nicht tot zu kriegen” gibt es einige Bilder von Ihnen in jüngeren Jahren zu sehen. Die Bilder stammen aus Ihrer Sammlung. Sehnen Sie manchmal die 60er- und 70er-Jahre zurück? 

Iris Berben: Die 60er und 70er waren schon eine gute Zeit, sie haben mich geprägt. Die 68er haben mich gelehrt, Dinge zu hinterfragen, nicht vor jedem einzuknicken. Es war eine wilde Zeit, in der man vieles ausprobieren konnte, und ich habe vieles ausprobiert. 

Im Film sagen Sie den Satz: “Das ist mir schon seit Jahren nicht mehr passiert, dass mich irgendjemand gut findet.” Ich musste lachen, aber eigentlich ein trauriger Satz, oder? 

Iris Berben: Das ist ein trauriger Satz einer Frau, die in ihrer Zeit stehen geblieben ist. Diese Simone hat sich ja nicht weiterentwickelt. Es mag einige Parallelen geben zwischen uns, und der Film hat ja viel mit meinem Leben zu tun, aber da sind wir weit voneinander entfernt. Ich habe das Glück, als Iris Berben diesen Satz nicht sagen zu müssen. 

Sie haben viele Filme gedreht. Gibt es einen, an den Sie ganz besonders gern zurückdenken?

Iris Berben: Ich denke zum Beispiel sehr gerne an “Sketchup” zurück. Weil “Sketchup” mir wie eine Art Schauspielschule gedient hat, die ich ja nie besucht habe. Ich hatte mit Diether Krebs einen meiner besten Kollegen, und ich habe in der Zeit unendlich viel über meinen Beruf gelernt. Ich erinnere mich auch gerne an den Dreiteiler “Krupp”, weil ich für einen “Emmy” nominiert war in Amerika, oder “Es kommt der Tag”, ein Film über die RAF. Es gibt schon so einige Filme, an die ich mich gern erinnere, weil sie mich immer ein Stück weitergebracht haben. 

"Ich gehöre zu den Skeptikern"

Sie engagieren sich sehr gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus. Werden die Menschen nach der Corona-Krise besser miteinander umgehen? 

Iris Berben: Ich gehöre zu den Skeptikern. Ich glaube, dass diese Corona-Zeit, diese Pandemie uns wie unter einem Brennglas vorführt, was über Jahre schon schiefläuft. Wir können nur hoffen, dass Veränderungen jetzt stattfinden. Wir können nicht einfach weiter so machen. Was ich nicht glaube, ist, dass sich der Mensch verändert. Die Geschichte zeigt uns doch, dass der Mensch aus Katastrophen nie wirklich gelernt hat. 

Ihr zweiter großer Film “Mein Altweibersommer” wird an Ihrem Geburtstag gezeigt. Darin flieht eine Frau, Ebba, vor ihrem Leben, kehrt am Ende aber zurück. Konnten Sie das Verhalten nachvollziehen? 

Iris Berben: Ja sehr. Kenne ich alles. Diese Momente, in denen man sagt, alles funktioniert gut. Aber: Funktioniert es eigentlich nur, oder ist da noch mehr? Oder ist da etwas, was ich vermisse? Diese Sehnsucht hat, glaube ich, sehr viel mit dem Alter zu tun, mit dem Wissen, dass man nur noch bedingt Zeit hat. Ich finde, das ist ein sehr kluger Film über eine Sehnsucht, die wir alle haben, aber gar nicht so genau benennen können. 

Ausstrahlung ist, wie gesagt, an Ihrem Geburtstag. Wie werden Sie diesen Tag verbringen?

Iris Berben: Ich werde in dieser Zeit drehen, aber am 12. August habe ich frei. Ich lasse diesen Tag auf mich zukommen. So wie ich diese momentane Zeit auf mich zukommen lassen werde. Sie ist da, ich werde mit ihr umgehen, es wird mir an nichts fehlen. 

Im nächsten Jahr erhalten Sie als siebte Frau den “Orden wider den tierischen Ernst” … 

Iris Berben: (lacht) Zeit wird’s, dass wir da mehr Frauen sind. 

Wann fangen Sie an, an Ihrer Rede zu arbeiten? 

Iris Berben: Oh Gott, ja. Ich darf gar nicht drüber nachdenken (lacht). Ich werde mich sehr, sehr, sehr darauf vorbereiten müssen. Die Liste meiner Vorgänger ist eine mit großartigen Männern und leider sehr wenigen Frauen, aber das werden wir ja jetzt ändern.

Iris Berben im ARD-Film "Mein Altweibersommer"
©ARD Degeto/Conny Klein
| Andreas Herden | 5. August 2020