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Interview mit Johannes B. Kerner

Interview mit Johannes B. Kerner

"Frech muss gar nicht sein"

“Quiz Champion”, “Ein Herz für Kinder” (Samstag, 7.12., 20:15, ZDF) oder “Weihnachten mit dem Bundespräsidenten”:  Moderator Johannes B. Kerner ist gut beschäftigt. Im Gespräch verrät der Moderator u. a., was er von manchen AfD-Politikern hält, wie er Joko & Klaas einschätzt und was er sich vom kommenden Jahr 2020 erhofft.

 “Terra-X-Show”, “Ein Herz für Kinder”, “Quiz Champion”, ZDF-Silvesterparty – wie gefällt Ihnen das Wort “Allzweckmoderator”? 

JBK: Ich sehe mich nicht als Künstler, sondern als Handwerker. Wenn man mir sagt, dass ich ein guter Handwerker bin und auf verschiedenen Baustellen einsetzbar, dann würde ich das als Kompliment sehen.

Was ist das Besondere an der Moderation einer Charity-Show wie “Ein Herz für Kinder”?

JBK: Es geht darum, den Ton zu treffen, diesen Sack Flöhe, 60, 70, 80 Prominente aus allen Bereichen, dazu sechs-, siebenhundert Zuschauer so für die Sache zu interessieren, dass sie gleichermaßen Herz und Portemonnaie öffnen. Das muss man schon irgendwie können, und kann möglicherweise nicht jeder, glaube ich.

Vor Jahren, Sie moderierten noch Ihre Talkshow, sagten Sie der rtv “Was soll ich machen, ich bin so nett”. Sind Sie so nett geblieben?

JBK: Manche sagen ja, “nett ist die kleine Schwester von scheiße”. Ich finde nett erstmal okay. Ich bin eher offen, freundlich, den Menschen zugetan, aber ich weiß auch, was ich nicht mag, und kann das auch klar artikulieren. Ist sicher auch ein Teil einer persönlichen Entwicklung, dass man immer dazulernt.

Was mögen Sie z.B. nicht? 

JBK: Ich müsste jetzt zu einem AfD-Politiker nicht unbedingt nett sein. Das ist aber keine besonders mutige Aussage oder glänzendes Beispiel. Man muss nicht immer zu jedem nett sein. Wenn mir einer quer kommt, dann kann ich auch anders.

An der AfD reibt sich nicht nur die Unterhaltungsbranche …

JBK: Ich nehme die AfD-Wähler sehr ernst. Denn die Wähler haben die Möglichkeit, bei der nächsten Wahl, eine andere Partei zu wählen. Die Politiker aber, die bewusst mit rechts radikalem Vokabular zündeln, die verachte ich. Ich würde gerne politische Menschen sehen, die sie inhaltlich überführen.

"Ehrlich würde schon reichen"

Wie frech darf bzw. muss man heute im Fernsehen sein, um Erfolg zu haben?

JBK: Ehrlich würde schon reichen. Frech muss gar nicht sein. Ich bin ja kein Comedian, der unter dem Druck steht, Witze zu erzählen. Ich kann zwar schon mal einen guten Spruch machen, aber wir sagen in der Produktion immer, die schlechten Witze schenken wir den anderen.

Wie finden Sie Joko und Klaas?

JBK: Ein absolutes Fernsehphänomen zweier außergewöhnlicher Könner, für eine bestimmte Generation sicherlich die herausragenden Fernsehprotagonisten, das muss man ganz klar sagen.

Was würden Sie machen, wenn Sie 15 Minuten vom Sender bekommen würden?

JBK: Habe ich noch nicht drüber nachgedacht, aber spontan: Ich würde vielleicht zwei, drei Sportarten präsentieren, die es sonst nicht ins Fernsehen schaffen, und ich würde ein Streitgespräch initiieren zwischen einem AfD-Zündler und einem klugen Menschen aus der anderen Ecke.

rtv-Redakteur Andreas Herden (l.) und Johannes B. Kerner

rtv-Redakteur Andreas Herden (l.) mit Johannes B. Kerner 

Sind die vielen neuen Arten fernzusehen für einen Fernsehmann wie Sie Fluch oder Segen?

JBK: Der Kuchen bleibt immer gleich. Die Stücke werden nur unterschiedlich groß. Das Sehverhalten verändert sich, sehe ich auch bei mir selbst. Und ich mache ja sogar anderes Fernsehen, wenn man es genau nimmt. Eine meiner Sendungen, “Bestbesetzung”, läuft bei Magenta TV. Mein Nutzungsverhalten ist ebenso verändert, aber trotzdem gucke ich noch: Sport, Nachrichten, politische Dokus. Das ist so meins. Ich sehe keine Spielfilme, habe noch nie einen “Tatort” gesehen. Mein Leben ist aufregend genug.

Was erwarten Sie vom Fernsehjahr 2020?

JBK: Die Olympischen Spiele und die Fußball-EM sind für mich absolute Highlights – und dann die US-Wahl.

Und persönlich?

JBK: Möchte ich gesund bleiben, mit den Menschen, die ich liebe, lieb umgehen, nicht nur arbeiten, auch leben und genießen – und Liverpool mal als Meister sehen.

| Andreas Herden | 5. Dezember 2019