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Interview mit Joseph Hannesschläger und Max Müller

Interview mit Joseph Hannesschläger und Max Müller

Rosenheim-Cops: Wie Joseph Hannessschläger dem Kollegen Max Müller zur Serienrolle verhalf. Gespräch über Konzepte, Erfolge und sehr berühmte Fans.

Herr Hannesschläger, Herr Müller, was ist an den „Rosenheim-Cops“ so besonders?

Max Müller: Schöne Landschaft, wenig Blut und Schauspieler, die man in Ruhe kreativ sein lässt.

Joseph Hannesschläger: Das trifft’s schon ziemlich gut. Es ist halt für die Uhrzeit ideal, ziemlich unblutig, relativ harmlos …

Aber es gibt viele unblutige, harmlose Serien, die es nicht geschafft haben …

J. H.: Das Konzept hat sich im Laufe der Zeit geändert. Früher mochte man die Serie, weil sie ein bisschen ungewöhnlich war. Wir hatten Filmzitate drin, Slapstick und so etwas. Außerdem gute Identifikationsfiguren. Der Hofer ist noch ein bisschen dicker als der Zuschauer selbst, der Traktor ist kaputt, das Auto streikt, er hat zu wenig Geld, alles zerrt an ihm: der Fall, der Vorgesetzte, die Schwester will irgendwas, der Mohr nervt wieder usw. Und zum Schluss schafft er es aber doch, den Fall zu lösen und auch privat als Sieger dazustehen. Der Counterpart, am Anfang der Kommissar „Satori“, ist erst einmal der Gutaussehende, der Siegertyp, der ein tolles Auto fährt und bei Frauen ankommt, aber letztlich stolpert er auch ganz menschlich und kriegt keine ab. Man sieht eben, dass wir zwei Menschen sind, und das haben die Leute sehr gemocht.

Und heute?

J. H.: Heute ist es eher ein Türenklapp-Boulevard. Boulevard-Theater. Eine Tür geht zu, eine andere auf. Figuren treten ab und auf. Und es sind mehr Figuren geworden. Die Kommissare ermitteln, die Nebenfiguren machen die anderen Geschichten. Außerdem ist die Serie so geschnitten, dass die Zuschauer, die erst um halb acht oder später nach Hause kommen, den Fall und die Geschichte noch verstehen.

Es wird ja nicht eine Folge nach der anderen gedreht, sondern mehrere am Stück. Wieviele?

J.H.: Wir haben Regieblöcke von sechs Folgen. Wenn ein neuer Regisseur ausprobiert wird, sind es drei. Wenn man dann in einem festen Motiv dreht, wie dem Kommissariat oder dem Hofer-Hof, dann werden mehrere Szenen aus verschiedenen Büchern gedreht.

Wo der Hof der Geschwister Hofer genau steht …

J.H.: … wird bewusst verschwiegen, weil da Leute leben, die ein Privatleben und ihre Ruhe haben wollen. Außerdem sind wir sehr froh, da drehen zu dürfen. Es ist ein sehr alter, geschichtsträchtiger Ort. Der darf auch nicht zerstört werden.

Bleibt einem neben den “Rosenheim-Cops” noch Zeit für anderes?

M. M.: Absolut. Mein Berufsleben ist ja auch stark geprägt vom Singen. Eigentlich wollte ich Opernsänger werden, aber nach einem halben Jahr Studium habe ich mir gedacht, ohne Sprechtheater bin ich’s nicht. Ich habe einfach zwei Seelen in meiner Brust und die wollen beide zu Wort kommen.

Seit 2002 laufen “Die Rosenheim-Cops” im ZDF, und Sie sind beide von Anfang an dabei …

M.M.: Ja, wie schön! Und dem Joseph habe ich zu verdanken, dass ich überhaupt dabei bin. Eigentlich war ich ja als Kommissar vorgesehen.

Ach was!

M. M.:  Jaja. Ich war damals gerade 35, war sieben Jahre am Theater an der Josefstadt engagiert gewesen und habe gekündigt. Dann kam das Casting, der Joseph und ich haben uns auf Anhieb bestens verstanden, aber ich habe mir keine Hoffnung gemacht. Ich dachte, ich als großstädtischer Kommissar …

Und wie wurde aus dem Kommissar der Uniformpolizist?

J. H.: Es war so, dass Max für die Rolle „Satori“ gecastet wurde (die Rolle erhielt übrigens Markus Böker, Anm. d. Redaktion), und wir hatten uns gut verstanden. Dann sprachen die Regisseure über den „Michi Mohr“ und meinten, sie hätten gern einen Blonden. Und da habe ich gesagt: blond? Der Max Müller war doch klasse, nehmt doch den!

Der “Michi” ist so etwas wie die Fernsehrolle Ihres Lebens, oder?

M. M.: Freilich! Der „Michi“ hat mir viele Türen geöffnet, gerade für das Singen. Ich gebe im Jahr so zwischen 20 und 30 Liederabende,  unter anderem im Musikverein in Wien, im Literaturhaus Hamburg und beim Mozartfest in Würzburg. Seit 2013 arbeite ich mit den Münchner Symphonikern zusammen als Moderator und eben auch als Sänger. Das wäre ohne den „Michi“ nie möglich gewesen.

Und Fernsehrolle ihres Lebens… Es ist ja so: Wenn mich einer fragt, ob das nicht blöd ist, auf eine Rolle festgelegt zu werden, dann sage ich: Augen auf bei der Berufswahl. Es ist eine Rolle, die mir sehr liegt und die ich sehr liebe. Wie gesagt, dem „Michi“ und dem Joseph verdanke ich sehr viel. (beide lachen)

Es tragen ja auch beide sehr zur Beliebtheit der Serie bei.

J. H.: Es ist erstaunlich, welche Menschen zu unserer Fangemeinde zählen. Kinder, Jugendliche, obwohl wir jetzt schon so alte Säcke sind, natürlich auch ältere und auch bekannte Leute.

Zum Beispiel?

J. H.: Hans-Joachim Fuchsberger war ein großer Fan. Und bei einer Veranstaltung kam der CDU-Politiker Dr. Bernhard Vogel auf mich zu, ich sei „schuld“, dass er am Dienstag nicht so viel arbeiten kann, weil er immer unsere Serie sehen muss. Rainer Brüderle kam dazu und bläst ins gleiche Horn und während ich mit den beiden Herren ein wenig herumblödel, höre ich von hinten eine Stimme, die sagt: „Das lass ich mir jetzt nicht nehmen, Sie machen mir immer so viel Freude, darf ich Ihnen die Hand schütteln?“ War’s der Hans-Dietrich Genscher.

Interview: Andreas Herden

| rtv Redaktion | 10. Juli 2019