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Interview mit Josephin Busch

Interview mit Josephin Busch

"Gute Geschichten sind zeitlos"

Musicals, Bandauftritte, Film- und Fernsehproduktionen: Das Portfolio von Josephin Busch ist groß. Auch die Krimiserie “Letzte Spur Berlin” gehört dazu. Seit 2015 ist die Berlinerin dort Teil des vierköpfigen LKA-Teams. Die Folgen der neuen Staffel sind jetzt im ZDF zu sehen.

Frau Busch, die neue Staffel “Letzte Spur Berlin” startet mit einer packenden Doppelfolge: Es geht um einen verschwundenen und möglicherweise umgedrehten Bundeswehrsoldaten, der einen Terroranschlag plant. Wie fanden Sie diesen actiongeladenen Einstieg?

Josephin Busch: Ich finde, dass die Folge ein gelungener Start in die 10. Staffel ist. Actiongeladen, aber auch emotional und inhaltlich spannend. Das ist mir persönlich noch wichtiger.

Auch das Thema “rechte Netzwerke in der Bundeswehr” wird aufgegriffen. Finden Sie es schwieriger, politisch brisante Themen zu porträtieren?

Josephin Busch: Es ist immer eine Gratwanderung, politisch brisante Geschichten zu erzählen. Ich finde es aber dennoch wichtig und richtig, auch relevante und brisante Inhalte zu behandeln. Diese Geschichten sollten allerdings niemals als Verallgemeinerung verstanden werden!

Ihr Serienchef Oliver Radek muss in der neuen Staffel den Tod seines Bruders verarbeiten. Wie beeinflusst das die Arbeit innerhalb des LKA-Teams?

Josephin Busch: Der Verlust des Bruders treibt Radek in einen gefährlichen Alleingang, der für ihn und uns alle dramatische Folgen hat. Das macht die Folge so emotional. Mehr will ich noch nicht verraten.

"Coolste Stadt der Welt"

“Letzte Spur Berlin” geht mittlerweile in die 10. Staffel. Was ist für Sie das Erfolgsrezept der Serie?

Josephin Busch: Ich glaube das spannende ist, dass wir Menschen suchen, die noch am Leben sind. Es besteht also immer noch Hoffnung, sie rechtzeitig zu finden. Das Schicksal der Menschen liegt uns am Herzen. Und wir haben immer eine grandiose Besetzung vor und hinter der Kamera, dadurch hat die Serie eine sehr hohe Qualität auf allen Seiten.

Gerade beim jüngeren Publikum holen Sie seit Jahren gute Quoten. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Josephin Busch: Ich glaube, gute Geschichten sind zeitlos. Man kann sich mit den Charakteren identifizieren. Außerdem spielen wir in Berlin, was natürlich die coolste Stadt der Welt ist.

Sie selbst sind seit der 5. Staffel mit an Bord. Was zeichnet Ihre Rolle Lucy Elbe aus?

Josephin Busch: Lucy kommt “von der Straße”, aus sehr einfachen Verhältnissen in Neukölln. Sie musste hart kämpfen, um da zu landen, wo sie jetzt ist. Sie hat jedoch nie die Augenhöhe zu anderen Menschen verloren, die dies nicht geschafft haben. Lucy ist über die Jahre immer professioneller und erwachsener geworden, aber sie konnte stets ihre direkte Art und Herzlichkeit erhalten. Sie zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie ihr Herz auf der Zunge trägt, emotional an die Geschichten gebunden ist, aber auch immer eine gewisse Leichtigkeit verbreitet. Und Lucy ist die Einzige im Team, die so richtig schön berlinert.

Lucy (Josephin Busch, l.) trifft sich mit Christina (Katharina Heyer, r.) und hofft, mehr von ihr zu erfahren als in der Gegenwart ihres Mannes.
©ZDF/Oliver Feist

"Lucy ist ‘ne super Type!"

Nach der Babypause sind Sie zu “Letzte Spur Berlin” zurückgekehrt. Sind die Dreharbeiten als junge Mutter anders als vorher?

Josephin Busch: Ich glaube Lucy ist durch mein “Mama sein” auch etwas erwachsener geworden. Ich habe eine noch größere emotionale Bindung an Fälle, die Kinder betreffen. Die Erfahrung Mutter zu sein, hat mir sowohl privat als auch in meinem schauspielerischen Handwerk noch mehr Facetten geschenkt.

Würden Sie sich Ihrer Meinung nach privat gut mit Lucy verstehen?

Josephin Busch: Ja klar. Lucy ist ‘ne super Type! Mit der kann man Pferde stehlen. Ihr werdet es am Ende der Staffel sehen …

Frei aus dem Bauch heraus: Was wünschen Sie sich in der Zukunft für “Letzte Spur Berlin”?

Josephin Busch: Weiterhin spannende Bücher und Geschichten, die divers und mutig sind.

"Mir fehlt die Bühne sehr"

Ihre Leidenschaften beschränken sich nicht nur auf die Schauspielerei – Sie sind auch im Theater- und Filmgeschäft aktiv. Wo sieht und hört man Sie demnächst noch?

Josephin Busch: Ich spiele seit Februar 2020 im Hansa Theater in Hamburg im Musical “Cabaret”. Dort teile ich mir die Rolle der Sally Bowles mit meiner Freundin Anneke Schwabe. Angela Winkler und Tim Fischer sind auch mit von der Partie. Relativ kurz nach der Premiere kam dann allerdings der erste Lockdown und wir werden, wie es aussieht, noch etwas länger warten müssen, bis wir dieses tolle Stück endlich wieder zeigen können. Aber dann wird es umso schöner sein!

Wird man Sie nach der Pandemie wieder als Musikerin auf der Bühne erleben? Mit “Prag” oder vielleicht auch mal wieder mit Udo Lindenberg?

Josephin Busch: Auf jeden Fall! Mir fehlt die Bühne sehr. Mit Prag werden wir so schnell wie möglich unsere Konzerttermine nachholen, die wir zu unserem 2020 veröffentlichten Album “zu dritt” geplant hatten. Und mit Udo will ich natürlich auch feiern, wenn es endlich wieder losgeht. Ich kann es kaum erwarten!

| Steffen Rothhaupt | 3. März 2021