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Interview mit Kai Wiesinger

Interview mit Kai Wiesinger

Neue Paraderolle für Kai Wiesinger. In der neuen ARD-Krimireihe spielt er einen Arzt, der nicht nur grundsolide und absolut vertrauenswürdig ist, er gerät auch mehr oder weniger zufällig in mordsgefährliche Kriminalfälle. Im sehenswerten ersten Fall “Die russische Spende” deckt der findige Doktor mafiöse Machenschaften in der eigenen Klinik auf. Kongeniale Partnerin an seiner Seite ist Freundin und Nachbarin Celine, die von Isabell Polak gespielt wird. Wir haben mit Kai Wiesinger über die Serie, die Romane und seine Zukunftspläne gesprochen.

"Dr. Hoffmann macht das, was er tut, gerne."

Herr Wiesinger, was zeichnet Ihren Dr. Hoffmann charakterlich aus? 

Kai Wiesinger: Ich glaube, er ist per se ein guter Mensch, ein Menschenfreund. Und er ist ein Arzt aus Leidenschaft, der wirklich jeden Dienst aus Pflichtbewusstsein übernimmt, auch wenn er weiß, dass viel zu tun ist. Er wäre auch nie in diese “Krimigeschichte” hineingeraten, wenn er seine Freundin Celine nicht hätte, weil er gar nicht erst versuchen würde, einen Missstand zu seinen Gunsten zu nutzen. Er macht das, was er tut, gerne. 

Passt sein Charakter mit seiner eher energischen und emotionalen Partnerin Celine zusammen? 

Kai Wiesinger: Ja, ich glaube schon. Sie ist eine deutlich jüngere Lehrerin, wohnt neben ihm und führt mit ihm eine “offene Beziehung”. Durch ihre Liebe zu Krimis und zum Krimigucken bzw. -lesen und auch dadurch, dass sie dauernd “Hummeln im Hintern hat”, vermutet sie ständig, dass etwas nicht ganz koscher ist und man dem auf den Grund gehen müsste. Er ist da doch sehr viel sachlicher. Er ist menschlich sicher ein empathischer Typ, aber auch jemand, der von sich aus wenig Interesse hat, die eingeschlagenen Pfade zu verlassen.

"Ich gucke überhaupt keine Krimis"

Welche Eigenschaften davon kann er in seine Ermittlungsarbeit mitnehmen? 

Kai Wiesinger: Na ja, in erster Linie ist sein Handeln hier durch Celine inspiriert und vorangetrieben, was er dann tut und wie er es tut. Auch wenn sicherlich sein Ehrgeiz geweckt wird. Allerdings verliert er dadurch seinen kühlen Kopf. Er leidet unter Verfolgungswahn und sieht sich schon als das nächste Opfer. Er möchte das Ganze einfach beenden und das bleiben, was er immer war: Arzt. Er will seine Arbeit machen und nicht im Wespennest rumstochern.

Was unterscheidet “Die russische Spende” von anderen Krimis? 

Kai Wiesinger: Ich gucke überhaupt keine Krimis und auch generell nur sehr wenig Fernsehen, da ich selbst schon den ganzen Tag fiktionale Inhalte schreibe. Ich gucke abends eher ein Tutorial, wie man einen Schrank zusammenbaut (lacht). Wenn man sich den ganzen Tag Geschichten ausdenkt, ist man selbst vermutlich nicht der perfekte Zuschauer. Von daher habe ich keine wirklichen Vergleichswerte. 

Was aber an diesem Krimi den Spaß einfach ausmacht, ist, dass es doch humorvoll ist und auch lustige Elemente gibt, die gepaart sind mit spannenden Szenen, die den Zuschauer mitnehmen und ihn zum Rätseln bringen. Dass man sich wirklich fragt, wie könnte es denn weitergehen und wer könnte es denn gewesen sein. Das ist auch der Spaß, den die meisten Menschen am Krimigucken haben. Und natürlich ist Dr. Hoffmann auch kein geübter Ermittler. Er ist eine Privatperson, die in einen Strudel der Ereignisse gerät, aus dem er sich nur befreien kann, indem er die Sache aufklärt, um seine eigene Haut zu retten.

"Mir macht die Figur große Freude"

Wird es mehr Fälle für Dr. Hoffmann geben? Es existieren insgesamt sieben Dr.-Hoffmann-Krimis von Christoph Spielberg und damit sicher genug Material. 

Kai Wiesinger: Absolut. Ich hoffe sehr, dass wir im Laufe des nächsten Jahres ein bis zwei weitere Bücher der Reihe drehen und insgesamt hoffentlich alle sieben verfilmen. Das ist auch für einen Schauspieler sehr schön, wenn man weiß, dass man eine Rolle gemeinsam mit den Autoren, der Regie und den Zuschauern über eine längere Strecke gehen und entwickeln kann. Mir macht die Figur große Freude, und deswegen würde ich mich natürlich sehr freuen, das als eine Reihe fortführen zu können. 

Im Film decken Sie mafiöse Strukturen innerhalb des Krankenhauses auf. Wie beunruhigend finden Sie die Vorstellung, dass es solche Zustände auch im echten Leben gibt? 

Kai Wiesinger: Die Romanvorlage wurde von einem Arzt geschrieben, der sicherlich auch dazu inspiriert wurde, weil er zumindest ansatzweise Ähnliches erlebt hat. Wahrscheinlich nicht in dem drastischen Ausmaß, aber ohne sehr weit entfernt von der Realität weg zu sein. Ich glaube, wir Menschen sind einfach per se eine Spezies, die in erster Linie an sich und den eigenen Fortbestand denkt und damit auch an den eigenen finanziellen Vorteil. Von daher glaube ich, dass uns Korruption und Etikettenschwindel im weitesten Sinne auf politischer Ebene genauso begegnen wie im Tischtennisverein. 

In welchen Filmen oder Reihen sieht man Sie demnächst noch? Oder kann man sogar bald wieder ein Buch von Ihnen erwarten? 

Kai Wiesinger: Ich schreibe tatsächlich gerade ein neues Buch! Ich habe ja vor zwei Jahren “Der Lack ist ab” veröffentlicht, welches ich im Nachgang zu meiner gleichnamigen Serie schrieb. Das setze ich zwar nicht direkt fort, doch ich hoffe, es wird wieder sehr unterhaltsam. Ich drehe als Regisseur weiter Werbung für “Indeed” und entwickle gerade die neuen Spots für “Musterring”. Also viele Projekte, die mir große Freude bereiten.

Sendetermine zum Film “Dr. Hoffmann – Die russische Spende”

  • Donnerstag, 17. Februar 2022, 20:15 Uhr im Ersten
  • ab 15. Februar und nach der Ausstrahlung drei Monate lang in der ARD Mediathek verfügbar
| Steffen Rothhaupt | 7. Februar 2022