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Interview mit Langlauf-Nationaltrainer Peter Schlickenrieder

Interview mit Langlauf-Nationaltrainer Peter Schlickenrieder

Warum Langlauf gesund ist, was man beachten sollte: Langlauf-Nationaltrainer Peter Schlickenrieder im Interview.

Sie haben in Ihrer Karriere viele Erfolge auf der Loipe eingefahren. Was fasziniert Sie am Langlaufen?

Peter Schlickenrieder: Langlaufen ist eine Kombination aus Ganzkörper- und Naturerlebnis, eine Art Abenteuerspielplatz. Der Sport arbeitet den Körper richtig durch, aber es tut einem hinterher nichts weh. Man schwebt förmlich über den Schnee und ist mit sich im Gleichklang, das ist ein harmonisches, tief befriedigendes Gefühl.

Wie fördert der Sport die Gesundheit?

Peter Schlickenrieder: Wer auf der Loipe unterwegs ist, absolviert ein ideales Herz-Kreislauf-Training. Durch die Ganzkörperbewegung werden gelenkschonend 90 Prozent der Körpermuskulatur trainiert – vor allem Arme, Beine und Rücken. Ein perfektes Freiluft-Fitness-Studio!

Klassisch oder Skating: Welche Technik ist für Anfängern besser?

Peter Schlickenrieder: Auf alle Fälle die klassische, weil man sie moderater und vielfältiger gestalten kann. Vom gemütlichen Wandern bis zum sportlichen Laufen ist im Diagonalschritt alles möglich. Skaten ist anspruchsvoller und erfordert viel Energie und Muskeleinsatz. Die Technik spielt bei diesem Stil eine große Rolle: Ist sie falsch, kommt man nicht vom Fleck.

Wer zeigt einem, wie es richtig geht? 

Peter Schlickenrieder: Langlaufschulen bieten Kurse an. Durch die Tipps von einem Lehrer kommt man schnell zu einer guten Technik und einem dynamischen Laufstil – und dann macht der Sport richtig Spaß.

Was sollten Einsteiger noch beachten?

Peter Schlickenrieder: Sie sollten es ruhig angehen lassen und sich nicht überfordern. Wenn man einen neuen Sport ausprobiert, ist man oft sehr motiviert und technikfixiert und merkt dabei nicht, dass man viel zu schnell unterwegs ist. Zur Kontrolle der Intensität ist ein Pulsmesser hilfreich. Für absolute Anfänger ist es besser, keine zu schwierige Strecke mit großen Steigungen zu wählen.

Wie hoch ist beim Langlaufen das Verletzungsrisiko?

Peter Schlickenrieder: Sehr niedrig. Stürze mit ernsthaften Folgen gibt es selten. Zum einen hat man keine besonders hohen Geschwindigkeiten, zum anderen ist das Material sehr biegsam, leicht und beweglich. Bevor ein Knochen bricht, brechen eher die Ski oder Stöcke. Beim Alpin-Skifahren ist das anders: Ein hohes Tempo und äußerst unflexibles Material erhöhen die Verletzungsgefahr. Die beste Sturzprophylaxe ist auf jeden Fall, sich ganzjährig ausreichend zu bewegen. Dann ist man gut gerüstet für die Loipe.

Sollte man sich vor dem Start aufwärmen?

Peter Schlickenrieder: Auf jeden Fall. Gut sind koordinative Übungen: Mit den Turnschuhen locker über den Parkplatz traben, den Hampelmann machen, Einbandstand, vom linken auf den rechten Fuß hüpfen, gegengleich Armkreisen – alles, was Balance und Beweglichkeit schult.

Manche Läufer ziehen lieber abseits der Loipe ihre eigene Spur. “Nordic Cruising” heißt diese Variante. Was halten Sie davon?

Peter Schlickenrieder: Gerade im Mittelgebirge und in Waldregionen sollte man als Langläufer die Wildschongebiete beachten. In dem Fall hat der Naturschutz Vorrang. Ansonsten: Immer hinein in den Schnee! Das Laufen in ungespurtem Gelände schult zusätzlich die Balancefähigkeit, trainiert die Stabilität der Bänder und stärkt die Fußgelenke.

Für Querfeldein-Touren werden spezielle “Cruising-Ski” angeboten. Sie sind kürzer, breiter und schwerer als gewöhnliche Modelle. Macht der Kauf Sinn?

Peter Schlickenrieder: Wenn es ins Gelände oder in den Tiefschnee geht, sind diese Modelle recht gut geeignet. Ansonsten bin ich kein Fan davon, weil Cruiser schlecht gleiten und man kaum vom Fleck kommt. Wenn es im klassischen Bereich ein fortschrittlicher Ski sein soll, empfehle ich Fellski. In diesen Modellen sind auf der Belagseite unterhalb der Bindung Felle verbaut, sie geben optimalen Halt, gleiten gut und sind pflegeleicht. Außerdem entfällt das lästige Wachsen.

Welche Ausrüstung braucht man außer guten Skiern noch?

Peter Schlickenrieder: Sinnvoll sind Stöcke mit Systemschlaufen, weil man die Stöcke nicht mehr krampfhaft festhalten muss und beim Stockeinsatz die Kraft in die Schlaufen geben kann. Sehr praktisch sind Modelle mit Klicksystem. Wenn man ans Handy geht oder zwischendurch etwas trinkt, kann man die Schlaufe mit einem Klick vom Griff lösen. Ebenso wie beim Laufen braucht man beim Langlaufen außerdem atmungsaktive Kleidung, die man nach dem Schichtenprinzip trägt.

Bleibt Ihnen neben dem Trainerjob noch Zeit für eigenes Langlauf-Vergnügen?

Peter Schlickenrieder: Nach der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Seefeld werde ich mit meiner Frau zehn Tage durch Schweden laufen – von Hütte zu Hütte. Darauf freue ich mich sehr

Das klingt beneidenswert. Welche Loipen laufen Sie noch gerne? 

Peter Schlickenrieder: Ich finde Loipen toll, auf denen man nicht zigmal im Kreis fahren muss, sondern stundenlang auf einer Strecke unterwegs sein kann und trotzdem immer Neues an einem vorbeizieht. Das ist zum Beispiel im Tannheimer Tal der Fall oder im Engadin, wo man vom Malojapass bis runter nach Zuoz laufen kann. Auch um Reit im Winkel oder bei mir zu Hause in Bayerischzell gibt es sehr schöne und lange Strecken.

| Katharina Montada | 11. Juli 2019