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Interview mit Mick Mehnert

Interview mit Mick Mehnert

"Ich will den Hamlet spielen"

An Heiligabend zeigt das ZDF einen neuen Märchenfilm: “Schneewittchen und der Zauber der Zwerge”. Wir haben mit dem Schauspieler Mick Mehnert gesprochen, der dort mitspielt – nicht als Prinz. Warum eigentlich nicht? Ist man mit 1,36 m Größe tatsächlich auf vermeintlich einschlägige Rollen festgelegt? Ein Gespräch.

Sind Märchen heute noch wichtig für Kinder?

Mick Mehnert: Märchen sind heute und werden immer wichtig für Kinder sein! Sie sind meiner Meinung nach die Grundbausteine der Kindheit. Sie wecken die Fantasie der Kinder und bringen ihnen Moral bei.

Wann wussten Sie, dass Sie Schauspieler werden wollen?

Mick Mehnert: Als ich vier Jahre alt war, wusste ich, dass ich Schauspieler werden wollte. Ich spielte mit meiner großen Schwester Märchen nach. Ab dem Moment wusste ich, dass ich gerne in andere Rolle schlüpfe.

Ein solcher Berufswunsch weckt nicht immer Begeisterung im Umfeld. Wie war das bei Ihnen?

Mick Mehnert: Bei mir war es so, dass viele sehr besorgt waren. Nicht, weil ich nicht schauspielern kann, sondern weil der Beruf Schauspieler kein sicherer Beruf ist und kein geregeltes Einkommen bringt. Es gab auch einige, die neidisch waren, aber das ist ja so in jedem Beruf.

"Die Welt ist im Wandel"

Sie haben auch an Serienkonzepten mitgearbeitet. Sehen Sie Ihre Zukunft vor oder hinter der Kamera? Oder beides?

Mick Mehnert: Also, ich liebe das Schauspielern! Das Schöne am Schauspielern ist, dass man nie weiß, wo die Reise hingeht. Und vielleicht stehe ich in Zukunft auch mal hinter der Kamera. Ich bin für alles offen …

Viele der Rollen, die Sie bisher gespielt haben, haben mit Ihrer Körpergröße zu tun. Was spricht dagegen, dass Sie den Othello oder den Faust spielen?

Mick Mehnert: Ich finde, es spricht nichts dagegen, dass ich Rollen spiele, die normalgroße Menschen spielen. Glücklicherweise durfte ich die Erfahrung auch bereits machen. Ich bin da guter Dinge, dass dies öfters passiert.

Glauben Sie, Produzenten/Regisseure werden den Mut haben, solche Rollen mit Ihnen zu besetzen?

Mick Mehnert: Die Welt ist im Wandel und auch die Industrie. Immer mehr Behinderte bekommen die Möglichkeit, in Stücken/Filmen/Serien zu spielen. Ich habe schon die Erfahrung gemacht, dass Regisseure Mut bewiesen, mich für normale Rollen zu besetzen. Am Ende zählt doch die schauspielerische Leistung, die ich abliefere – dazu ist es egal, ob ich groß oder klein bin. In der Serie “Dr. Klein” wird die Kleinwüchsigkeit der Protagonistin offen und selbstironisch thematisiert.

Mick Mehnert im ZDF-Weihnachtsfilm "Schneewittchen und der Zauber der Zwerge"
©ZDF/Conny Klein

Mick Mehnert (2.v.l.) als Zwerg Thekk im ZDF-Weihnachtsfilm “Schneewittchen und der Zauber der Zwerge”

Ist das für Sie okay, oder werden da Klischees bedient?

Mick Mehnert: Ich finde es gut, was ChrisTine Urspruch da macht. Weil es zeigt, wie offen sie mit dem Thema umgeht und dass sie sich selbst akzeptiert. Und ich möchte dies auch so zeigen, dass ich mich als Kleinwüchsiger nicht schäme und auch mal über mich selber lachen kann.

Welche Rollen reizen Sie?

Ich würde sehr gern einen Bösewicht spielen, weil ich immer sehr fasziniert bin von den Schurken. Die Shakespeare-Rollen interessieren mich auch, wie zum Beispiel Hamlet oder Richard III.

| Matthias Roth | 6. November 2019